18. Juni 2026
Intelligente Bremse soll E-Scooter sicherer machen
Forschungsprojekt von TU Wien und AIT testet neuartiges Bremsassistenzsystem unter realen Bedingungen
E-Scooter gehören mittlerweile zum festen Bestandteil des Stadtverkehrs. Sie sind jedoch alles andere als unumstritten – mangelnde Verkehrstauglichkeit und eine deutlich gestiegene Zahl der Unfälle mit ihnen, haben Bedenken zur Verkehrssicherheit der Scooter befeuert. Um die Sicherheit dieser Mikromobilitätsfahrzeuge zu erhöhen, wurde etwa kürzlich erst die StVO novelliert, die explizit auch auf die Sicherheit im Umgang mit Scooter abzielt.
Einen Schritt weiter gehen Forschende der Technische Universität Wien gemeinsam mit dem AIT Austrian Institute of Technology, die ein intelligentes Bremsassistenzsystem für die Gefährte entwickeln. Im Forschungsprojekts FANFARE wird derzeit untersucht, wie stark moderne Fahrerassistenzsysteme die Fahrsicherheit von E-Scootern verbessern können.
Laut Angaben des Kuratoriums für Verkehrssicherheit mussten allein im Jahr 2024 rund 7.500 Menschen nach E-Scooter-Unfällen in österreichischen Krankenhäusern behandelt werden. Auch die Zahl der polizeilich registrierten Unfälle nimmt weiter zu. Vor allem Notbremsungen stellen für viele Nutzerinnen und Nutzer eine Herausforderung dar, da E-Scooter im Vergleich zu anderen Fahrzeugen längere Bremswege und ein erhöhtes Risiko für Stürze aufweisen.
Das von der TU Wien entwickelte System setzt auf sogenannte „Brake-by-Wire“-Technologie. Dabei wird die herkömmliche mechanische Verbindung zwischen Bremshebel und Rädern durch eine elektronische Steuerung ersetzt. Sensoren erfassen unter anderem die Position und das Gewicht der Fahrerin oder des Fahrers. Zusätzlich erkennt das System nasse Fahrbahnen, um die Reibung zwischen Reifen und Untergrund besser abschätzen zu können. Auf Basis dieser Daten entscheidet die Elektronik in Echtzeit, wie die Bremskraft optimal zwischen Vorder- und Hinterrad verteilt wird. Ziel ist es, Bremswege zu verkürzen, die Stabilität des Fahrzeugs zu erhöhen und Stürze durch Wegrutschen oder Überschlagen zu vermeiden.
Projektleiter Florian Klinger vom Institut für Mechanik und Mechatronik der TU Wien betont, dass E-Scooter längst keine Freizeitgeräte mehr seien, sondern alltägliche Verkehrsmittel. Daher müsse die Sicherheit der Fahrzeuge höchste Priorität haben.
„Auch aus unseren bisherigen Forschungsarbeiten zur Fahrdynamik von Fahrrädern und E-Scootern wurde deutlich, dass hier technologische Unterstützung notwendig ist. Mit Hilfe mehrerer Studierender haben wir daher am Institut für Mechanik und Mechatronik der TU Wien ein Bremsassistenzsystem speziell für E-Scooter entwickelt. Im Projekt FANFARE untersuchen wir nun welchen Sicherheitsgewinn es bringt und wie wir diese Erkenntnisse für die Weiterentwicklung sicherer Mikromobilität nutzen können“, so Klinger.
Im aktuellen Projekt wird das System nun erstmals umfassend mit Alltagsnutzerinnen und -nutzern getestet. Auf dem Gelände des AIT absolvieren Probandinnen und Probanden Vergleichsfahrten mit einem konventionellen E-Scooter sowie mit dem ausgestatteten Testfahrzeug. Neben objektiven Messdaten zur Bremsleistung erfassen die Forschenden auch das subjektive Sicherheitsgefühl und die Akzeptanz der Technologie.
Die Entwicklung baut auf mehreren Jahren Forschungsarbeit auf. Bereits 2024 entstand an der TU Wien im Rahmen einer ausgezeichneten Diplomarbeit ein erster Prototyp des elektronischen Bremsassistenten. Die aktuellen Untersuchungen sollen nun zeigen, ob sich solche Assistenzsysteme künftig auch in serienmäßigen E-Scootern etablieren können. Das vom Österreichischen Verkehrssicherheitsfonds geförderte Projekt FANFARE verfolgt dabei ein übergeordnetes Ziel: Fahrerassistenzsysteme für Mikromobilitätsfahrzeuge systematisch zu analysieren und ihren Beitrag zur Verkehrssicherheit wissenschaftlich nachzuweisen. Die gewonnenen Erkenntnisse könnten künftig nicht nur E-Scootern, sondern auch anderen Fahrzeugen der Mikromobilität zugutekommen.
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