Kategorie Mobilität - 30. September 2025
Inklusive Verkehrsplanung: CARINA macht Mobilität barrierefreier
Wie lässt sich Mobilität in Österreich barrierefreier, nachhaltiger und digital vernetzter gestalten? Antworten darauf liefert das Forschungsprojekt CARINA. Gefördert wurde es vom Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) über den FTI-Schwerpunkt Mobilitätswende. Koordiniert durch die ALP.Lab GmbH arbeiteten JOANNEUM RESEARCH DIGITAL, ADV, emprium, nexyo und pdcp (SURAAA) gemeinsam an der Entwicklung eines sogenannten Mobilitätsdatenraums, der den Fokus auf die Bedürfnisse von Menschen mit eingeschränkter Mobilität legt.
Multimodales Reisen – also die Nutzung unterschiedlicher Verkehrsmittel wie Bus, Bahn, Sharing-Dienste oder Bedarfsverkehre – ist in vielen Regionen noch immer viel zu komplex, unübersichtlich und nicht immer ganz einfach zugänglich. Besonders für Personen mit Mobilitätseinschränkungen ist das eine große Herausforderung. Häufig fehlen Informationen über barrierefreie Zugänge, kurzfristige Änderungen bleiben unangekündigt, die Systeme der Anbieter sind nicht ausreichend vernetzt. Das soll im Projekt CARINA angegangen und verbessert werden mit dem Ziel, Mobilitätsdaten aus unterschiedlichen Quellen zusammenzuführen und nutzbar zu machen. So kann Schritt für Schritt der Zugang zum Verkehrssystem für alle verbessert werden.
Im Zentrum des Projekts stand der Aufbau eines digitalen Datenraums, der Informationen wie Fahrpläne, Echtzeitdaten und Angaben zur Barrierefreiheit integriert. Auf Basis realer Daten wurde ein Web-Demonstrator entwickelt, der veranschaulicht, wie diese Daten praktisch verknüpft werden können. „Damit haben wir eine technische und organisatorische Grundlage für eine inklusivere Verkehrsplanung geschaffen“, so Sandra Draxler, Projektleiterin bei JOANNEUM RESEARCH DIGITAL, wo ein wesentlicher Teil der Arbeit dazu erfolgte.

Projektleiterin Sandra Draxler forscht gemeinsam mit Betroffenen und Fachleuten aus Mobilität, Sozialwesen und Technik an barrierefreien Mobilitätslösungen. © JOANNEUM RESEARCH/Raiser
Das Team rund um Draxler war für die technische Integration der Daten und den Aufbau des Web-Demonstrators verantwortlich. Zudem wurden gemeinsam mit Betroffenen und Fachleuten aus den Bereichen Mobilität, Sozialwesen und Technik Workshops und Interviews durchgeführt. Dadurch konnten im Entwicklungsprozess ganz konkrete Anforderungen an barrierefreie Mobilität erarbeitet und direkt in die technische Entwicklung eingebracht werden. Ergänzend wurde eine Bachelorarbeit betreut, die sich mit spezifischen Bedürfnissen mobilitätseingeschränkter Personen auseinandersetzte.
Das Projekt CARINA hat exemplarisch gezeigt, wie digitale Infrastruktur dazu beitragen kann, Barrieren im öffentlichen Verkehr abzubauen. Der entwickelte Prototyp ist damit ein wichtiger Baustein für die künftige Ausgestaltung eines österreichweiten Mobilitätsdatenraums im Sinne der Verkehrswende, die auch im BMIMI als „offen, vernetzt und für alle zugänglich“ verstanden wird.
Nicht zuletzt können über eine bessere Datenverfügbarkeit – etwa durch optimierte Routen oder die Förderung aktiver Mobilität wie Rad- und Fußverkehr – auch Verkehrsflüsse effizienter gesteuert und CO2 -Emissionen gesenkt werden. Der Zusammenschluß von Forschung und Zivilgesellschaft erleichtert zudem den Zugang zu verlässlichen Mobilitätsdaten und ist damit eine wichtige Grundlage für sozial gerechte Mobilität.

