28. Mai 2026
Warum Wärmepumpen als Schlüssel zur Dekarbonisierung unverzichtbar sind
Österreich als Innovationsstandort mit rund 537.000 installierten Anlagen – Neue Impulse für Wärmepumpentechnologien auf der IEA Heat Pump Conference in Wien – Was zu dieser Schlüsseltechnologie wissenswert ist
Hochsommerliche Temperaturen und trotzdem müssen wir übers Heizen reden: Über die klimafreundliche Art des Heizens. Die Wärmepumpe ist ein ebenso effizientes wie heiß diskutiertes Heizsystem, das statt fossilen Energieträgern die Umgebungsenergie zur Wärmeerzeugung nutzt. Die Geräte gehen mit der sauberen Energie so gut um, dass sie zu den effizientesten Heizsystemen überhaupt zählen.
Abseits recht populistisch geführter Debatten hat sie sich in den vergangenen Jahren zu einer festen Größe am Heizungsmarkt etabliert. Nicht zuletzt kann ein Blick über die Grenze diese Entwicklung gut untermaueren: Im Jahr 2025 hat die Wärmepumpe etwa in Deutschland erstmals die Gasheizung als meistverkaufte Heizungsart überholt. Diese historische Trendwende markiert einen entscheidenden Schritt in der europäischen Wärmewende. Hat der Wunsch nach klimafreundlicheren Heizsystemen im größten Binnenmarkt Europas doch eine deutliche Signalwirkung.
Und in Österreich? Der Wärmepumpenmarkt stand 2025 nach regelmäßigen Rekordsprüngen an Neuinstallationen und nach dem Auslaufen von Förderungen des Bundes hierzulande etwas unter Druck. Ein merkbarer Anstieg der Nachfrage durch die neue Bundesförderung ließ aber auch den heimischen Markt wieder wachsen. So bliebt Österreich trotz des Marktrückgangs 2025 bei der Neuinstallation von Wärmepumpen mit 13,2 Anlagen pro 1.000 Haushalten führend in der DACH-Region.
Hättet ihr gewusst, dass die erste Wärmepumpe aus Österreich kommt und schon Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt wurde? 🔥
Wir haben gemeinsam mit Thomas Fleckl vom Austrian Institute of Technology über den Allrounder der Heizung und Kühlung gesprochen.
#wärmepumpe #heizen #kühlen
— Bundesministerium für Innovation, Mobilität & Infrastruktur (@bmimi.gv.at) 28. Mai 2026 um 10:31
Wie dieser Trend aufrecht zu erhalten und auch auf die Industrie auszuweiten ist, wird derzeit auch auf der 15. IEA Heat Pump Conference erörtert. Wien ist nämlich dieser Tage zum internationalen Treffpunkt der Wärmewende avanciert. Mehr als 800 Teilnehmer aus Forschung, Industrie und Politik diskutieren dort über aktuelle Entwicklungen bei Wärmepumpentechnologien und deren Bedeutung für die Abkehr von fossilen Brennstoffen in unseren Energiesystemen.
Österreich als Innovationsstandort
Organisiert wird die Konferenz vom AIT Austrian Institute of Technology gemeinsam mit internationalen Partnern. Insgesamt werden 367 wissenschaftliche Beiträge präsentiert, die neben der Massenanwendung im Privatbereich vor allem auch die Grundlagenforschung und den industriellen Komplex in den Fokus rückt.
„Die Energiewende wird auch im Wärmesektor entschieden. Wärmepumpentechnologien spielen dabei eine Schlüsselrolle. Österreich hat sich hier zu einem wichtigen Innovationsstandort entwickelt“, sagte Innovationsminister Peter Hanke in seiner Eröffnungsrede. Laut Hanke sorgen rund 537.000 installierte Anlagen bereits heute für eine jährliche Einsparung von etwa 1,26 Millionen Tonnen CO₂ und schaffen zugleich Arbeitsplätze sowie Wertschöpfung. Klimaschutz und wirtschaftlicher Erfolg seien kein Widerspruch, so Hanke.
Wärmepumpen entwickelten sich zunehmend von einer Gebäudetechnologie zu einer zentralen Systemlösung für Industrie, Städte und integrierte Energiesysteme. So arbeitet etwa das AIT unter anderem an Hochtemperatur-Wärmepumpen, industrieller Integration sowie intelligenten Energie- und Wärmenetzen. Ziel sei es, wettbewerbsfähige und skalierbare Innovationen mit messbarem Beitrag zu Energieeffizienz und Versorgungssicherheit zu entwickeln.
War der Boom der Wärmepumpen zunächst auf gestiegenen Öl- und Gaspreise nach dem russischen Überfall auf die Ukraine zurückzuführen war, wird dieser nun durch die Energiekrise und den Konflikt in Nahost noch einmal befeuert. Die staatlichen Klimaziele und entsprechende Förderungen spielen dabei eine große Rolle. Für Österreich geht es um das große Ziel Klimaneutralität 2040. Einen großen Beitrag zu diesem ambitionierten Ziel werden klimafreundliche Heizsysteme spielen, denn nach wie vor werden rund 54 Prozent des energetischen Endverbrauchs in Österreich für die Wärmeerzeugung verwendet.
Erst kürzlich hat eine Studie im Auftrag des Klimafonds im Wärmesektor „besonders große und systemisch zentrale Potenziale bei Umwelt- und Umgebungswärme“ identifiziert. Vor allem in Kombination mit Wärmepumpen können dort je nach Sektor erneuerbare Beiträge von bis zu rund 20 TWh pro Jahr geleistet werden – gemeinsam mit Abwärme, Solarthermie und – standortabhängig – tiefe Geothermie wichtige Bausteine einer klimaneutralen Wärmeversorgung.
Das gelingt freilich nur, wenn der Wärmepumpenbestand in Österreich nicht nur ausgebaut sondern Wärmepumpen bestmöglich in das Energiesystem integriert werden. So ergeben sich etwa aus die Kombination mit Photovoltaik- bzw. solarthermischen Anlagen unter Einbindung von Energiespeichern Möglichkeiten, wie Gebäude effizient und nahezu vollständig mit erneuerbarer Energie versorgt werden können. So kann die Wärmepumpe zur zentralen Schnittstelle im Energiesystem der Zukunft werden: Flexibel steuerbar, netzdienlich und kompatibel mit PV-Anlagen, Smart Meter sowie dynamischen Tarifen. Im Idealfall liefert die Wärmepumpe also leistbare Wärme und trägt gleichzeitig zur Entlastung des Stromnetzes, der Haushalte sowie zur Senkung der CO₂-Emissionen bei.
Um den Ausbauzielen ein realistisches Fundament zu liefern, hat der Klimafonds einen Faktencheck aufgelegt, der nicht nur die wichtigsten Fragen rund um die Technologie abdeckt, sondern auch Anhaltspunkte für den Umstieg auf diese klimafreundliche Art des Heizens und Kühlens liefert. Darüber hinaus zeigt er best-practice-Beispiele, wie über geförderte Forschungs- und Demoprojekten Effizienz und Wirtschaftlichkeit von Wärmepumpen in der Praxis noch erhöht werden können.
Wie funktioniert nun eine Wärmepumpe?
Eine Wärmepumpe sieht nicht immer gleich aus, da verschiedene Faktoren, wie die Art der Naturwärme, Einfluss auf ihre Bauweise haben. Es gibt drei Möglichkeiten, wie eine Wärmepumpe saubere Energie aus der Umwelt gewinnen kann. Die häufigste Quelle ist die Umgebungsluft und die ist überall leicht zugänglich. Außerdem eignen sich auch der Erdbereich und Grundwasser zur Energiegewinnung.
Je nach gewählter Quelle wird dann die Naturwärme auf ein Kältemittel im Kern der Wärmepumpe unterschiedlich übertragen. Bei einer Luftwärmepumpe passiert das über einen Ventilator, der die Wärme aus der Luft entzieht und an das Kältemittel abgibt. Das Kältemittel, zum Beispiel Propan, hat einen sehr niedrigen Siedepunkt, der es dem Mittel ermöglicht, auch bei eiskalter Luft im Winter zu verdampfen. Das Propan kocht bereits bei minus 42 °C und wird bei Verdunstung zu Gas. In weiterer Folge wird es in einem Verdichter, ähnlich wie in einer Luftpumpe, stark gepresst. Da die Temperatur eines Gases auch vom Druck abhängt, wird es bei dem Prozess wärmer – so entsteht das tatsächliche „Wärmepumpen“.
Das Heizwasser nimmt dann die Wärmeenergie auf und heizt das Haus, indem es durch die Rohre des Heizkreislaufes fließt. Indem das Kältemittel seine Wärme an das Wasser abgibt, kühlt es wieder ab und verflüssigt sich. Da es immer noch unter Druck steht, muss es durch ein Expansionsventil fließen, um das ursprüngliche Druckniveau wiederherzustellen. Das Kühlmittel kann so erneut verwendet werden und der Kreislauf beginnt von vorne.
Ein großer Vorteil der modernen Wärmepumpen ist sogar im Sommer spürbar, denn der eben beschriebene Prozess lässt sich auch umkehren. Das Heizsystem verwandelt sich so quasi in einen großen Kühlschrank und entzieht dem Haus Wärme.
Auch im Winter effizienter als Öl- & Gasheizungen
Eine Wärmepumpe braucht für den Betrieb auch elektrischen Strom. Allerdings kann sie diesen sehr effizient verarbeiten und daraus drei- bis fünfmal so viel Wärmeenergie generieren. Das heißt, eine moderne Wärmepumpe kann aus jedem kWh Strom im Endeffekt 3 bis 5 kWh Wärme produzieren.
Im Vergleich mit einer Gasheizung ist der Wirkungsgrad einer Wärmepumpe viel höher. Eine Studie der Universität Oxford und des Thinktanks Regulatory Assistance Project für die Fachzeitschrift Joule zeigt, dass sie bei Temperaturen unter 0 °C sogar zwei- bis dreimal so effizient sind wie ihre fossile Alternative. Sogar bei Temperaturen von minus 30 °C haben die Wärmepumpen immer noch höhere Leistung als Öl- und Gasheizungen. Die Wissenschaftler*innen kamen auch zu dem Schluss, dass die Wärmepumpen in fast allen Haushalten Europas gut funktionieren würden.
Für wen ist eine Wärmepumpe geeignet?
Verschiedene Faktoren können die Effizienz einer Wärmepumpe beeinflussen. Die Umgebungstemperatur, Isolation des Hauses oder auch die Wahl eines Kältemittels wirken sich auf die finale Leistung aus. Prinzipiell sind neue Gebäude im Vergleich zu Altbauten besser gedämmt, was heißt, dass auch bei kühlerer Witterung nicht so viel Strom für die Wärmeerzeugung eingesetzt werden muss. Bei Wärmepumpen bedeutet nämlich jedes Grad Vorlauftemperatur weniger, dass etwa zwei Prozent weniger Strom verbraucht werden. Auch in sanierten Gebäuden ist die Wärmepumpe eine effiziente Lösung. Ist ein saniertes Haus gut gedämmt und mit Fußboden-, Decken- oder Wandheizung ausgestattet, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch an den kältesten Tagen des Jahres nur eine Vorlauftemperatur von unter 40 °C benötigt, um das Haus warm zu halten.
Wohnt man etwa in einem Haus mit Heizkörpern und weiß nicht, ob die Wärmepumpe eine geeignete Lösung ist, kann ein Online-Tool der Energieagentur Tirol helfen: https://www.energieinstitut.at/tools/heizleistungsrechner/. So kann man feststellen, ob nach der Installation einer Wärmepumpe die effiziente Vorlauftemperatur von unter 40 °C möglich ist oder ob größere Heizkörper oder stärkere Dämmung helfen würden.
Generell gelten Wärmepumpen als umweltfreundliche Technologie. Trotzdem gibt es noch einige Aspekte, die zu beachten sind. Das synthetische Kältemittel kann nämlich nach einer Leckage treibhauswirksam werden. Eine fachkundige Installation, regelmäßige Wartung und Dichtungskontrolle können dies jedoch vermeiden. Außerdem sind bereits weniger schädliche Alternativen in Entwicklung, die auch vermehrt zum Einsatz kommen.
Die CO2-Bilanz der Wärmepumpe hängt letzten Endes natürlich von der Herkunft des verwendeten Stroms zu ihrem Betrieb ab. Strom aus erneuerbaren Energiequellen ist für den positiven Umwelteffekt der Wärmepumpe maßgeblich. Umweltfreundlich gestalten lässt sich der Betrieb einer Wärmepumpe also indem man auf Öko-Strom zurückgreift und Kältemittel ausschließlich fachgerecht verwendet.
Die Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) zeigen: Mit einer Absatzsteigerung der vergangenen Jahre ist Europa Spitzenreiter, wenn es um die Nachfrage nach Wärmepumpen geht. Laut Wärmepumpe Austria stieg die Anzahl der installierten Wärmepumpen in den vergangenen 20 Jahren auch in Österreich rapide an. Besonders bemerkenswert ist der Anstieg der installierten Wärmepumpen von 2022 auf 2023 in Höhe von 60 Prozent.


