Kategorie Innovation & Technologie - 18. November 2025
Wieviel Potential steckt in der CO₂-Abscheidung bei der Müllverbrennung?
Die österreichische Abfallwirtschaft rückt zunehmend in den Fokus der Klimapolitik – und das aus gutem Grund. Ein aktuelles, vom Klima- und Energiefonds über das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) gefördertes Forschungsprojekt namens WasteCCUS zeigt, wie sich die CO₂-Emissionen aus Müllverbrennungsanlagen mithilfe moderner Carbon-Capture-Technologien senken lassen könnten.
Allein die zwölf österreichischen Anlagen zur Verbrennung von Siedlungsabfällen stoßen jedes Jahr rund 2,6 Millionen Tonnen CO₂ aus. Diese Emissionen gelten als schwer vermeidbar und sie sind nach wie vor am Steigen. Trotz aller Fortschritte bei Abfallvermeidung und Recycling sind die Mengen an Restmüll in den letzten zehn Jahren noch einmal deutlich gewachsen. Auch per (Carbon Capture, Utilization and Storage (CCUS) kann dabei entgegengewirkt werden. Gemeint ist die Abscheidung, Nutzung oder Speicherung von Kohlendioxid, welches bei der Verbrennung entsteht.
Während Österreich seine Treibhausgasemissionen insgesamt senken konnte, legten die CO₂-Emissionen aus der Müllverbrennung zwischen 2010 und 2022 um mehr als 50 Prozent zu. Damit macht die Abfallverbrennung inzwischen knapp vier Prozent des gesamten Ausstoßes aus. CCUS gilt als vielversprechender Hebel.
Technisch lassen sich solche Verfahren nachrüsten, doch sie verschlingen noch erhebliche Energiemengen und verteuern dadurch die Entsorgung. Zudem sind nach wie vor auch Fragen nach der gesellschaftlichen Akzeptanz offen.
Welche Rolle kann CCUS in der österreichischen Abfallwirtschaft also künftig spielen? Dafür betrachtete das Forschungsteam technische, wirtschaftliche und soziale Aspekte gleichermaßen. Es entwickelte Szenarien, die zeigen, wie sich Energiebedarf, CO₂-Preise und unterschiedliche Kostenverteilungen auf Wirtschaftlichkeit und Akzeptanz auswirken. Besonders im Fokus: nachrüstbare Technologien für bestehende Anlagen, denn neue Verbrennungsanlagen werden kaum noch gebaut.
Begleitet wurde das Projekt von einem Branchenbeirat sowie mehreren Workshops mit Fachleuten – von der Technik über die Abfallwirtschaft bis hin zu Stakeholdern aus Verwaltung und Gesellschaft.
Demonstrationsanlage gefragt
Parallel dazu gab es auch bei den politischen Rahmenbedingungen einige Änderungen: So wurden mit der Carbon-Management-Strategie 2024 erstmals klare Vorgaben für die CO₂-Abscheidung, für den Transport und Speicherung geschaffen. Zudem ist ein eigenes CO₂-Speicherungsgesetz in Vorbereitung. Neue Berichtspflichten für größere Verbrennungsanlagen gelten bereits, auch wird die Einbindung von CCUS in den EU-Emissionshandel ab 2028 derzeit geprüft.
Für bestehende Anlagen eignen sich laut den Forschenden vor allem sogenannte Aminwäscher, die CO₂ mithilfe eines chemischen Absorptionsprozesses aus den Abgasen herauslösen. Die Technologie ist erprobt und grundsätzlich nachrüstbar.
Doch sie hat ihren Preis: Der zusätzliche Energiebedarf kann bis zu ein Drittel der bisherigen Energieproduktion einer Anlage verschlingen – sowohl bei Strom als auch bei Fernwärme. Je nach Technologievariante können die Auswirkungen unterschiedlich ausfallen: Während Aminwäscher vor allem Wärme beanspruchen, benötigen andere Verfahren mehr Strom. Dieser zusätzliche Energiebedarf müsste nachhaltig aus erneuerbarer Energie bereitgestellt werden, um Klimaziele nicht zu untergraben. Ein Resümee des Projekts lautet daher, CCUS nur dort einzusetzen, wo keine effizienteren Alternativen zur Emissionsminderung bestehen.
Auch ökonomisch bleibt die CO₂-Abscheidung daher herausfordernd. Modellrechnungen zeigen Kosten zwischen 103 und 234 Euro pro Tonne CO₂. Erst ab einem CO₂-Zertifikatspreis von etwa 150 Euro wäre CCUS finanziell interessant, wie der Projektbericht betont.
Für Haushalte hätte das aus jetziger Sicht finanzielle Folgen: Die Restmüllgebühren könnten um 16 bis 24 Prozent steigen. Bei der aktuellen durchschnittlichen Gebühr von 104 Euro pro Einwohner und Jahr läge man künftig zwischen 121 und 129 Euro. Damit rücken Fragen der sozialen Verträglichkeit in den Vordergrund, was ein entscheidender Faktor für die Akzeptanz solcher Maßnahmen darstellt.
Bleibt also die Frage, wie sich CCUS in das Energiesystem integrieren lässt und welche Folgen steigenden Kosten auf die Gesellschaft hätten. Um hier Antworten zu gewinnen, empfehlen die Forschenden den Aufbau einer Demonstrationsanlage als Leuchtturmprojekt. Sie soll unter realen Bedingungen zeigen, ob die Abscheidung technisch, ökonomisch und sozial tragfähig ist. Ein Blick auf internationale Projekte – etwa in Norwegen oder den Niederlanden – zeigt, dass Pilotanlagen bereits erfolgreich umgesetzt wurden.
Über das Projekt
WasteCCUS ist ein Forschungsprojekt im Rahmen des Energieforschungsprogramms 2023 des Klima- und Energiefonds. Unter der Leitung von Christa Dißauer wird es von BEST – Bioenergy and Sustainable Technologies GmbH in Wieselburg koordiniert. Beteiligt sind zudem die Universität für Bodenkultur Wien, vertreten durch das Institut für Abfall- und Kreislaufwirtschaft sowie das Institut für Verfahrens- und Energietechnik.





