3. Juni 2026
Aktive Mobilität auf Erfolgskurs: Radverkehr weckt neue Mobilitätschancen in Österreich
Radfahren in Österreich: Entwicklungen, Potenziale, Maßnahmen – wie das BMIMI den Radverkehr voranbringt
Der Radverkehr gewinnt in Österreich seit Jahren an Bedeutung. Getrieben durch den Wunsch nach klimafreundlicher Mobilität und einem gesteigerten Gesundheits- und Umweltbewusstsein entwickelt sich das Fahrrad immer stärker zum relevanten und alltäglichen Verkehrsmittel. Das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) unterstützt diese Entwicklung mit einer Vielzahl an Initiativen, Förderprogrammen und strategischen Maßnahmen. Zum internationalen Tag des Fahrrads eine gute Gelegenheit, auf die Entwicklung des Radverkehrs in Österreich zu blicken.
Sicheres Radverkehrsnetz wächst kontinuierlich
Ein zentrales Ziel der österreichischen Radverkehrspolitik ist der Ausbau eines sicheren und durchgängigen Radverkehrsnetzes. In den vergangenen Jahren ist dieses Netz um rund 1.700 Kilometer gewachsen und umfasst mittlerweile mehr als 20.000 Kilometer.
Als sichere Radinfrastruktur gelten demnach baulich getrennte Radwege, gemischte Rad- und Fußwege, Fahrradstraßen, Radfahrstreifen, Mehrzweckstreifen, Radüberfahrten, Schulstraßen, Begegnungszonen, Spielstraßen und Straßen mit einer maximalen Geschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde (km/h), Radfahren in Fußgängerzonen sowie Fahrverbot ausgenommen Rad bis zu 50 km/h.
Der Großteil dieser Wege besteht aus zwei besonders wichtigen Elementen: gemischten Geh- und Radwegen sowie verkehrsberuhigten Straßen mit Tempo 30. Beide Infrastrukturformen erfüllen unterschiedliche Aufgaben in diesem Netz.
Außerhalb von Ortsgebieten stellen gemischte Geh- und Radwege häufig eine geeignete Lösung dar, da dort nur wenige Fußgängerinnen und Fußgänger unterwegs sind. Innerhalb von Siedlungsgebieten können gemeinsame Flächen hingegen zu Nutzungskonflikten führen. Daher setzt die moderne Radverkehrsplanung im Ortsgebiet zunehmend auf Tempo-30-Zonen und das sichere Radfahren auf der Fahrbahn.
Tempo 30 als Schlüssel für mehr Sicherheit
Tempo 30 gilt heute als eine der wirksamsten und zugleich kostengünstigsten Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit. Insbesondere auf Nebenstraßen im Ortsgebiet schafft eine reduzierte Geschwindigkeit bessere Bedingungen für den Radverkehr und erhöht gleichzeitig die Sicherheit für zu Fuß Gehende.
- Gemischter Geh- und Radweg ist vor allem im Freiland (außerhalb des Ortsgebiets) eine passende Infrastruktur
- Koinzidenz oder Kausalität? 39 % der Radfahrer:innen lassen sich von Kälte nicht abhalten und fahren auch bei niedrigen Temperaturen mit dem Fahrrad. Regen und Schneefall sind für viele jedoch ein Hindernis, in Salzburg und Vorarlberg wie es scheint aber weniger.
Verkehrsplanerinnen und Verkehrsplaner sprechen dabei vom Grundsatz „Mischen statt Trennen“: Wo die Geschwindigkeiten des Kfz-Verkehrs ausreichend niedrig sind, können unterschiedliche Verkehrsteilnehmer den Straßenraum sicher gemeinsam nutzen. Auf stark befahrenen oder schnelleren Straßen sind hingegen getrennte Radverkehrsanlagen sinnvoll und notwendig.
Ein besonderer Vorteil für Gemeinden besteht darin, dass Tempo-30-Regelungen auf vielen Nebenstraßen vergleichsweise einfach umgesetzt werden können. Österreichweit setzen bereits zahlreiche Kommunen auf flächendeckende Geschwindigkeitsbegrenzungen. Nach Erhebungen der Radlobby gibt es mittlerweile über 300 Orte mit großflächigen Tempo-30-Regelungen im Ortsgebiet – und es werden kontinuierlich mehr
Damit Tempo 30 seine volle Sicherheitswirkung entfalten kann, sind allerdings auch wirksame Kontrollen und die Einhaltung der Geschwindigkeitsbeschränkungen entscheidend.
Fahrrad und öffentlicher Verkehr wachsen zusammen
Eine der wichtigsten Entwicklungen der vergangenen Jahre ist die zunehmende Verknüpfung von Radverkehr und öffentlichem Verkehr. E-Bikes erweitern den Aktionsradius vieler Menschen erheblich und machen auch längere Wege zur nächsten Haltestelle attraktiv.
Aktuelle Auswertungen zeigen, dass rund 8,1 Millionen Menschen in Österreich innerhalb von zehn Minuten mit dem E-Bike eine Haltestelle mit guter Bedienqualität erreichen können. Damit deckt der kombinierte Einzugsbereich von Fahrrad und öffentlichem Verkehr praktisch das gesamte Bundesgebiet ab.
Besonders wichtig ist dabei die sogenannte „erste Meile“, also der Weg von der Wohnung zur Haltestelle und vice versa die „letzte Meile“ als Weg retour. Hier spielen sichere und komfortable Bike-&-Ride-Anlagen eine zentrale Rolle. Hochwertige Fahrradabstellanlagen ermöglichen es Pendlerinnen und Pendlern, ihr Fahrrad sicher abzustellen und anschließend mit Bus oder Bahn weiterzufahren.
Die Fahrradmitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln bleibt zwar für einzelne Wege eine sinnvolle Ergänzung, stößt jedoch insbesondere im Berufsverkehr häufig an Kapazitätsgrenzen. Daher gilt der Ausbau von Bike-&-Ride-Angeboten als wichtiges Instrument zur Förderung kombinierter Mobilität.
Fahrradbestand auf Rekordniveau
Die Bedeutung des Fahrrads zeigt sich auch in den österreichischen Haushalten. Laut dem Report Aktive Mobilität 2025 befinden sich mittlerweile rund 7,9 Millionen verkehrstüchtige Fahrräder in Österreichs Haushalten.
„Radfahren ist gesunde Bewegung an der frischen Luft und lässt sich leicht in den Alltag integrieren. So wird es für viele Menschen zum einfachen Rezept für mehr Lebensqualität. Wir verstärken diesen positiven Trend gezielt mit modernen Radwegen und klaren, fairen Verkehrsregeln“, meinte Mobilitätsminister Peter Hanke erst kürzlich zum Saisonstart von Österreich radelt.
Die Hälfte aller Fahrräder sind klassische Alltagsräder. Daneben gewinnen E-Bikes zunehmend an Bedeutung und erreichen bereits einen Anteil von 29 Prozent. Mountainbikes machen rund ein Drittel des Bestands aus. Erstmals wurden auch Gravelbikes erhoben, die bereits in vier Prozent der Haushalte vorhanden sind. Besonders dynamisch entwickelt sich zudem der Markt für Falträder, deren Verbreitung sich innerhalb weniger Jahre deutlich erhöht hat.
Auch Familien setzen verstärkt auf das Fahrrad: Mehr als die Hälfte der Haushalte mit Kindern unter sechs Jahren verfügt über Möglichkeiten zum Kindertransport per Fahrrad – sei es durch Kindersitze, Anhänger oder Lastenräder.
Millionen Menschen nutzen das Fahrrad regelmäßig
Rund 2,3 Millionen Menschen in Österreich fahren täglich oder mehrmals pro Woche mit dem Fahrrad. Weitere 3,1 Millionen nutzen das Fahrrad zumindest gelegentlich.
Besonders hoch ist die regelmäßige Fahrradnutzung in Vorarlberg. Gleichzeitig zeigen die Daten, dass in allen Bundesländern noch erhebliche Potenziale bestehen, insbesondere für den Alltagsverkehr.
Eine wichtige Rolle spielt dabei das E-Bike. Viele Nutzerinnen und Nutzer berichten nach der Anschaffung von längeren Fahrstrecken und häufigerer Nutzung. Besonders bei Menschen über 60 Jahren ermöglicht die elektrische Unterstützung neue Mobilitätsmöglichkeiten und erweitert den Radius für Alltagswege erheblich.
Große Potenziale für den Arbeitsweg
Der Arbeits- und Ausbildungsweg zählt zu den wichtigsten Anwendungsbereichen für den Alltagsradverkehr. Für rund 2,6 Millionen Berufstätige und Personen in Ausbildung liegt die Arbeits- oder Ausbildungsstätte weniger als zehn Kilometer vom Wohnort entfernt.
Diese Distanz gilt insbesondere mit dem E-Bike als gut bewältigbar. Sie kann häufig in weniger als einer halben Stunde zurückgelegt werden und eröffnet damit vielen Menschen eine attraktive Alternative zum Auto. Initiativen wie Österreich radelt unterstützen diesen Trend und motivieren dazu, Alltagswege verstärkt mit dem Fahrrad zurückzulegen.
Investitionen in eine aktive Mobilitätszukunft
Das BMIMI begleitet die Entwicklung des Radverkehrs durch ein breites Maßnahmenpaket. Im Mittelpunkt stehen Investitionen in sichere Infrastruktur, die Förderung von Bike-&-Ride-Anlagen, die Unterstützung von Gemeinden bei der Umsetzung von Verkehrsberuhigungsmaßnahmen sowie Bewusstseinsbildungsprogramme wie „Österreich radelt“.
Über klimaaktiv mobil werden zudem Projekte von Gemeinden, Städten, Unternehmen und Organisationen unterstützt, die den Umstieg auf aktive Mobilität erleichtern. Ziel ist es, Radfahren und Zufußgehen als selbstverständliche Bestandteile eines modernen, sicheren und klimafreundlichen Verkehrssystems zu stärken.
Dazu gehört auch die Förderung von Radfahrkompetenzen, denn ebenso wichtig wie die geeignete Infrastruktur ist es, Menschen frühzeitig für das Radfahren zu begeistern und ihnen die notwendigen Fähigkeiten für eine sichere Teilnahme am Verkehr zu vermitteln.
Ein zentrales Angebot sind die klimaaktiv mobil Radfahrkurse für Schulen. Sie richten sich an Schülerinnen und Schüler von der ersten bis zur achten Schulstufe und werden von zertifizierten Radfahrlehrkräften durchgeführt. Die Kurse vermitteln altersgerechte Fahrtechnik, Verkehrsverständnis und sicheres Verhalten im Straßenverkehr. Für Volksschulkinder bilden sie zudem eine wichtige Vorbereitung auf die freiwillige Radfahrprüfung. Seit 2024 stehen die Kurse auch Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I offen.
Die Finanzierung der Kurse erfolgt durch das BMIMI, sodass Schulen die Angebote kostenlos in Anspruch nehmen können. Alle Schulklassen der ersten bis achten Schulstufe können – abhängig von den verfügbaren Kontingenten – einmal pro Schuljahr einen Radfahrkurs buchen.
Die Nachfrage ist hoch: Allein im ersten Halbjahr 2025 nahmen mehr als 41.000 Kinder an den klimaaktiv mobil Radfahrkursen teil. Damit leistet das Programm einen wichtigen Beitrag dazu, Radfahren als selbstverständlichen Bestandteil der Alltagsmobilität zu verankern und die nächste Generation sicher und selbstbewusst auf zwei Rädern unterwegs sein zu lassen.
So geht die Wirkung von klimaaktiv mobil weit über die reine Finanzierung von sicheren Radwegen hinaus. Das Programm stellt Gemeinden und Organisationen auch umfangreiche Planungsgrundlagen, Beratungsangebote, Praxisbeispiele und Informationsmaterialien zur Verfügung. Dadurch werden Kommunen dabei unterstützt, qualitätsvolle und zukunftsfähige Mobilitätslösungen umzusetzen.
Ein Beispiel dafür ist die Informationsoffensive zu Tempo 30 im Ortsgebiet. Gemeinden erhalten fachliche Grundlagen und Best-Practice-Beispiele für die Umsetzung verkehrsberuhigter Straßennetze. Da Tempo 30 auf Nebenstraßen vergleichsweise einfach eingeführt werden kann und gleichzeitig hohe Wirkungen für Verkehrssicherheit und Radverkehr erzielt, zählt diese Maßnahme zu den kosteneffizientesten Instrumenten der kommunalen Mobilitätspolitik.
Die Kombination aus Investitionen, Förderungen, Beratung und Bewusstseinsbildung bildet heute das Fundament der österreichischen Radverkehrspolitik. Durch die Unterstützung des BMIMI und die Programme von klimaaktiv mobil können Gemeinden, Unternehmen und Bürgerinnen und Bürger gleichermaßen von einer Mobilitätswende profitieren, die mehr Verkehrssicherheit, bessere Erreichbarkeit, höhere Lebensqualität und wirksamen Klimaschutz miteinander verbindet.
Ausblick
Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt, dass Österreich beim Ausbau des Radverkehrs deutliche Fortschritte erzielt hat. Das sichere Radverkehrsnetz wächst kontinuierlich, die Verknüpfung mit dem öffentlichen Verkehr verbessert sich und immer mehr Menschen nutzen das Fahrrad im Alltag.
Besonders große Chancen liegen in der kontinuierlichen Ausweitung von Tempo-30-Regelungen auf Nebenstraßen, dem Ausbau hochwertiger Bike-&-Ride-Angebote sowie der konsequenten Förderung des Alltagsradverkehrs. Damit kann das Fahrrad einen noch größeren Beitrag zu einer sicheren, gesunden und klimafreundlichen Mobilität in Österreich leisten.




