Kategorie Mobilität - 13. Januar 2026

Mehr Raum für die Natur: Die Ausgleichsflächen entlang der S 7 als ökologisches Vorzeigeprojekt

Im Herbst vergangenen Jahres wurde der zweite Abschnitt der Fürstenfelder Schnellstraße (S 7) feierlich eröffnet und damit nicht nur als  zentrale Verkehrsanbindung zwischen der Oststeiermark und dem Burgenland bis zur ungarischen Grenze vollendet. Entlang dieser Straße wurde nämlich gleichzeitig ein Projekt abgeschlossen, das in Sachen Umwelt- und Naturschutz neue Maßstäbe setzt. Neben der 28,4 Kilometer langen Trasse entstanden umfangreiche Ausgleichsflächen, die heute zu den größten ihrer Art bei einem Infrastrukturprojekt in Österreich zählen.

Insgesamt mehr als 530 Hektar Wald-, Wiesen- und Gewässerflächen wurden in der Steiermark und im Burgenland verbessert, gesichert oder völlig neu angelegt. Damit übertreffen die Ausgleichsflächen die tatsächliche Fläche der Schnellstraße um mehr als das Siebenfache. Die ASFINAG investierte dafür nahezu 200 Millionen Euro mit dem Ziel, nicht nur Eingriffe in die Natur zu kompensieren, sondern langfristig hochwertige Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten zu schaffen.

Mobilitätsminister Peter Hanke bezeichnete die S 7 als „wichtigen Meilenstein für die Zukunft der Region. Von dieser Verbindung werden die Menschen, die Unternehmen und – dank der umfassenden Ausgleichsmaßnahmen – auch die Natur profitieren.“ ASFINAG-Vorstand Hartwig Hufnagl betonte, dass die Schnellstraße ein ökologisches Vorzeigeprojekt ist, weil Wälder aufgeforstet sowie Wiesen und Amphibienteiche angelegt wurden. „In Summe machen diese Ausgleichsflächen mehr als 530 Hektar aus, das ist mehr als das Siebenfache der gesamten Schnellstraßen-Fläche.“ Die „besondere Verantwortung der ASFINAG“ sprach auch ASFINAG-Vorstand Herbert Kasser an. „Und die reicht vom Umweltschutz bis zur Wirtschaftsentwicklung. Die S 7 wird eine Lebensader für die gesamte Großregion sein.“

Wiesen, Gewässer & Wälder mit hoher Artenvielfalt

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Anlage von extensiv genutztem Grünland. Zwischen Ilz und Heiligenkreuz entstanden hunderte Hektar Wiesen und Brachen, die sich vor allem im Frühjahr als blühende Landschaften präsentieren – etwa durch großflächige Margeritenbestände. Entscheidend für den ökologischen Erfolg war dabei nicht nur die Größe, sondern die Qualität der Flächen.

Bei der Anlage der Wiesen wurde großer Wert auf standortgerechte Methoden gelegt. Wo möglich, kam Mahdgutübertragung von artenreichen Bestandswiesen, etwa aus Natura-2000-Gebieten, zum Einsatz. Alternativ wurde autochthones, also regionales Saatgut verwendet. In besonders sensiblen Bereichen setzte man sogar auf die technisch aufwendige Sodenverpflanzung, bei der ganze Vegetationseinheiten inklusive Boden übertragen werden. So konnten vollständige Lebensgemeinschaften erhalten und neu etabliert werden.

 

Die Ausgleichsflächen entlang der S 7 sind kein Selbstzweck, sondern gezielt auf die Bedürfnisse gefährdeter Arten abgestimmt. So wurden 22 Amphibienteiche sowie zahlreiche Amphibientunnel errichtet, um sichere Wanderungen von Arten wie dem Kammmolch zu ermöglichen. Für Fledermäuse entstand ein eigener Fledermaustunnel entlang einer bekannten Flugroute, ergänzt durch rund 300 Nistkästen.

Vogelparadies & naturnahe Pflege mit Wasserbüffeln

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist eine 15 Hektar große Ausgleichsfläche in Großwilfersdorf, die sich innerhalb kurzer Zeit zu einem international beachteten Vogelhotspot entwickelt hat. Ornithologinnen und Ornithologen konnten hier bereits rund 170 Vogelarten nachweisen, darunter streng geschützte Arten wie Bienenfresser, Eisvogel, Fischadler, Goldregenpfeifer, Bruchwasserläufer, Löffelente, Zwergtaucher und der Kiebitz, der hier sogar Bruterfolge verzeichnet.

In die Fotofalle getappt: ein kleiner Kiebitz auf einer Ausgleichsfläche. Ein Kiebitzpaar hat dort also den ersten Bruterfolg zu feiern. © ASFINAG

In die Fotofalle getappt: ein kleiner Kiebitz auf einer Ausgleichsfläche. Ein Kiebitzpaar hat dort also den ersten Bruterfolg zu feiern. © ASFINAG

Besonders bemerkenswert ist die Rückkehr des Seeadlers, des österreichischen Wappentiers: Nach fast 20 Jahren gibt es wieder bestätigte Bruterfolge. In der Oststeiermark und im Burgenland haben sich mittlerweile zehn bis zwölf Brutpaare angesiedelt – ein eindrucksvoller Beleg für die Qualität der geschaffenen Lebensräume.

Auf einer Ausgleichsfläche der S7 hat auch eine Fluss-Seeschwalbe seit 1882 das erste mal wieder in der Steiermark gebrütet. © Otto Samwald

Damit die sensiblen Flächen offen bleiben, ohne Wildtiere durch Maschinen zu stören, setzt die ASFINAG auf naturnahe Beweidung. Angusrinder und Wasserbüffel des Fürstenfelder Biolandwirts Christoph Reiter übernehmen die Pflege der Wiesen als „sanfte Rasenmäher“. Sie verhindern Verbuschung, fördern strukturreiche Flächen und schaffen ideale Bedingungen für Bodenbrüter und Insekten.

Infrastruktur & Naturschutz im Einklang

Neben Wiesen und Gewässern wurden auch Wälder neu angelegt oder bestehende Bestände ökologisch aufgewertet. Zehntausende Bäume wurden gepflanzt, 126 Hektar Wiesen und Bracheflächen neu gestaltet und 25 Hektar speziell für den Wiesenknopf-Ameisenbläuling vorbereitet – eine hoch spezialisierte Schmetterlingsart, die auf ganz bestimmte Pflanzen und Ameisen angewiesen ist.

 

Ergänzt werden diese Maßnahmen durch umfassenden Gewässerschutz: 32 Anlagen reinigen das Oberflächenwasser der Schnellstraße, bevor es in die Umwelt gelangt. Grünquerungen und Unterflurtrassen sorgen dafür, dass Wildtiere ihre angestammten Wanderrouten weiterhin nutzen können.

ASFINAG-Vorstand Hartwig Hufnagl bringt es auf den Punkt: „Mit der S 7 haben wir gezeigt, dass der Bau einer Schnellstraße auch ein Paradebeispiel für Umwelt- und Naturschutz sein kann.“

Die 530 Hektar Ausgleichsflächen entlang der S 7 sind damit weit mehr als Begleitmaßnahmen – sie sind eine Investition in die ökologische Zukunft der Region, von der Natur und Mensch gleichermaßen profitieren.