Kategorie Innovation & Technologie - 1. April 2026
AIT x Polizei: Fingerabdruck-Scan per Smartphone revolutioniert die Fahndungstechnik
Österreichische Polizei revolutioniert Fahndungstechnik – Fahndung nach illegal Aufhältigen und Straftätern durch Fingerabdruckscan via Smartphone möglich
Die österreichische Polizei geht neue Wege in der Verbrechensbekämpfung: Mit der vom AIT entwickelten Technologie „BioCapture“ können Fingerabdrücke künftig direkt vor Ort per Smartphone erfasst und in Echtzeit überprüft werden. Innenminister Gerhard Karner spricht von einer „kleinen internationalen Sensation“, die Österreich im Bereich moderner Sicherheitstechnologie gelungen sei.
Identitätsfeststellung in wenigen Minuten
Die neue Anwendung ermöglicht es Polizistinnen und Polizisten, Personen ohne Ausweis unmittelbar zu identifizieren. Fingerabdrücke werden kontaktlos mit dem Diensthandy gescannt und innerhalb weniger Minuten mit bestehenden Datenbanken abgeglichen. So kann direkt vor Ort festgestellt werden, ob eine Person gesucht wird oder sich rechtmäßig im Land aufhält.
Das bringt entscheidende Vorteile im Einsatz: Der bisher notwendige Transport auf eine Polizeidienststelle entfällt, ebenso zusätzliche technische Ausrüstung. Entscheidungen über weitere Maßnahmen können sofort getroffen werden – schnell, effizient und rechtssicher.
Positive Bilanz aus dem Probebetrieb
Seit August 2025 wird „BioCapture“ bereits von ausgewählten Einheiten wie der Fremdenpolizei getestet, seit März 2026 auch von der Bereitschaftseinheit Wien. Die bisherigen Ergebnisse fallen deutlich aus: Bei 643 Kontrollen wurden 170 Treffer erzielt, darunter auch mehrere gesuchte Personen, die falsche Angaben gemacht hatten. In einem Fall konnte sogar ein mutmaßlicher Drogendealer identifiziert und festgenommen werden.
Auch aus dem Außendienst kommt positives Feedback. Besonders die einfache Handhabung, die hohe Geschwindigkeit und die Trefferqualität werden hervorgehoben.
Technologie „made in Austria“
Ein zentraler Punkt bei der Entwicklung war die Einhaltung strenger datenschutzrechtlicher Vorgaben. Die erfassten Fingerabdrücke werden ausschließlich für den unmittelbaren Abgleich verwendet, nicht gespeichert und nach Abschluss des Vorgangs gelöscht.
Neben der Effizienzsteigerung für die Polizei bringt die Technologie auch Vorteile für kontrollierte Personen: Wer sich nicht ausweisen kann, muss nicht mehr zwingend zur Dienststelle gebracht werden, da die Identitätsklärung direkt vor Ort erfolgt.
Entwickelt wurde „BioCapture“ vom Bundeskriminalamt gemeinsam mit dem Austrian Institute of Technology (AIT) und weiteren Partnern. Für Innovationsminister Peter Hanke ist das ein Beispiel für die Stärke des Standorts: „Ein starker Technologie- und Innovationsstandort lebt davon, dass Zukunftslösungen nicht erst im Bedarfsfall entstehen, sondern frühzeitig entwickelt werden. Mit der Industriestrategie haben wir neun Schlüsseltechnologien und Stärkefelder definiert, die für den Standort Österreich die höchste Bedeutung haben. Dazu zählen auch die Bereiche KI und Sensorik, die die Basis für das heute vorgestellte digitale Identitätsmanagement darstellen.“
Internationales Interesse
Auch seitens der Forschung wird die strategische Bedeutung betont. AIT-Experte Helmut Leopold unterstreicht, dass technologische Unabhängigkeit nur durch eigene Entwicklungen gesichert werden könne.
Die Technologie stößt bereits über die Landesgrenzen hinaus auf großes Interesse. Österreich wird „BioCapture“ unter anderem bei einer UNO-Veranstaltung in New York präsentieren.
Ein weiterer Entwicklungsschritt ist bereits geplant: Ab 2027 soll das System an europäische biometrische Datenbanken angebunden werden. Damit würde sich der potenzielle Datenabgleich auf bis zu 400 Millionen Personen erweitern – ein bedeutender Schritt für die internationale Polizeizusammenarbeit.
Die flächendeckende Einführung in Österreich ist noch für dieses Jahr vorgesehen. Künftig sollen alle Polizistinnen und Polizisten die Anwendung auf ihren Diensthandys nutzen können – und damit die Fahndung deutlich schneller und effizienter machen.



