6. August 2026
Cyberangriffe realitätsnah trainieren: AIT baut Cyber-Range-Angebot weiter aus
Angesichts einer zunehmenden Bedrohungslage durch Cyberangriffe gewinnen praxisnahe Trainings für Unternehmen und Organisationen an Bedeutung. Das AIT Austrian Institute of Technology erweitert deshalb sein Angebot an Cyber-Range-Trainings, mit denen sich IT-Teams, Management und Krisenstäbe auf reale Angriffsszenarien vorbereiten können.
Im Mittelpunkt steht die sogenannte AIT Cyber Range, eine Simulationsplattform, auf der Cyberangriffe unter realitätsnahen Bedingungen nachgestellt werden. Anders als klassische Schulungen ermöglichen die Übungen das Zusammenspiel von technischen, organisatorischen und kommunikativen Abläufen während eines Sicherheitsvorfalls. Ziel ist es, Schwachstellen in Prozessen aufzudecken und die Reaktionsfähigkeit von Organisationen zu verbessern.
Die Trainings richten sich an Unternehmen, Betreiber kritischer Infrastrukturen sowie öffentliche Einrichtungen. Je nach Zielgruppe reichen die Formate von technischen Übungen für IT-Sicherheitsteams bis hin zu strategischen Krisensimulationen für Führungskräfte. Dabei werden unterschiedliche Angriffsszenarien – etwa Ransomware-Attacken, Angriffe auf industrielle Steuerungssysteme oder koordinierte Cyberkrisen – in einer kontrollierten Umgebung durchgespielt.
Nach Einschätzung des AIT reicht technische Sicherheitsausrüstung allein längst nicht mehr aus. Im Ernstfall seien vor allem eingespielte Abläufe, klare Verantwortlichkeiten und eine funktionierende Kommunikation entscheidend. Cyber-Range-Trainings sollen daher helfen, Entscheidungsprozesse unter Zeitdruck zu üben und Erfahrungen zu sammeln, ohne produktive Systeme zu gefährden.
Das Forschungsinstitut betreibt die Cyber Range seit mehreren Jahren und setzt sie sowohl für nationale als auch internationale Übungen ein. So kamen die Simulationsumgebung und die Expertise des AIT bereits bei Trainings mit dem Kuratorium Sicheres Österreich (KSÖ), internationalen Organisationen sowie Betreibern kritischer Infrastrukturen zum Einsatz.
Mit der fortschreitenden Digitalisierung und einer steigenden Zahl professionell organisierter Cyberangriffe dürfte der Bedarf an solchen praxisorientierten Übungen weiter wachsen. Experten sehen insbesondere regelmäßige Simulationen als wichtigen Baustein, um die Cyberresilienz von Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen nachhaltig zu stärken.
Das AIT ist in diesem Kontext auch seit einigen Jahren das weltweit einzige „IAEA Collaborating Centre“ der Internationalen Atomenergieagentur IAEA und für IT-Sicherheitstrainings in den Mitgliedstaaten zuständig. „Die Expertise und die hochmodernen Einrichtungen des AIT ermöglichen hochwertige Schulungen und Vorführungen zum Thema Computersicherheit, die einen wesentlichen Beitrag zum Kapazitätsaufbau sowie zu Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten leisten können“, betonte Lydie Evrard, IAEA Deputy Director General and Head of the Department of Nuclear Safety and Security, bei der Unterzeichnung des Kooperationsabkommens.
Auch für die Umsetzung der nationalen Cyber-Security-Simulationsübungen des Innenministeriums (BMI) mit dem KSÖ (Kompetenzzentrum Sicheres Österreich) hat sich das AIT erfolgreich als Kompetenzzentrum etabliert. Damit sollen die Cyber-Security-Fähigkeiten bei österreichischen Betreibern kritischer Infrastrukturen gesteigert werden. Wirtschaftliche oder auch gesellschaftliche Schäden im mehrstelligen Millionenbereich sind auf deisem Wege vermeidbar.
Trainings werden unter anderem gemeinsam mit dem World Institute for Nuclear Security (WINS), dem Vienna Center for Disarmament and Non-Proliferation (VCDNP), dem United Nations Office of Counter-Terrorism (UNOCT) sowie mit der European Union Advisory Mission (EUAM) Ukraine organisiert.
In Österreich zählen etwa Wien-IT und Energienetzbetreiber wie Verbund, EVN und Salzburg AG zu den Kunden des AIT. International werden Trainingsmaßnahmen in vielen europäischen Ländern, im Nahen Osten, in Asien und Südamerika durchgeführt.

