17. September 2026
Wie die Digitale Kupplung den europäischen Schienengüterverkehr in die Zukunft führt
Eine neue Kupplungstechnologie soll den europäischen Schienengüterverkehr künftig stärker automatisieren und digitalisieren. Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) haben dazu kürzlich am Frachtenbahnhof Floridsdorf in Wien die Digitale Automatische Kupplung (DAK) unter realen Betriebsbedingungen demonstriert. Die Technologie soll nicht nur das Kuppeln von Güterwagen automatisieren, sondern auch die Übertragung von Energie und Daten durch den gesamten Zug ermöglichen.
Bei herkömmlichen Güterzügen werden die einzelnen Wagen mit Schraubenkupplungen verbunden. Viele Arbeitsschritte rund um das Zusammenstellen und Überprüfen eines Zuges müssen dabei manuell erfolgen. Die DAK setzt an diesem Punkt an: Güterwagen können damit automatisch gekuppelt und entkuppelt werden. Gleichzeitig lassen sich Daten und Energie über die gesamte Zugkomposition übertragen.
- © ÖBB/Andreas Scheiblecker
- Präsentation Digitale Automatische Kupplung Copyright: ÖBB/Marek Knopp
Damit könnte die Kupplung zu einem Baustein für einen stärker digitalisierten Güterverkehr werden. Zu den möglichen Anwendungen zählen etwa automatisierte Bremsproben und die digitale Erfassung der Wagenreihung. Perspektivisch könnte auch die sogenannte Zugintegrität – also die automatisierte Überprüfung, ob ein Zug vollständig ist – digital überwacht werden.
Weniger manuelle Arbeit
Nach Angaben der ÖBB könnten durch die Automatisierung manuelle Tätigkeiten reduziert und Arbeitsabläufe beschleunigt werden. Auch die Sicherheit für Beschäftigte im Güterverkehr soll dadurch erhöht werden. Ein weiterer möglicher Effekt liegt in der besseren Ausnutzung der bestehenden Infrastruktur: Langfristig könnten mit der Technologie auch längere und schwerere Güterzüge leichter umgesetzt werden.
Noch befindet sich die Technologie allerdings in der Erprobung. Im Rahmen des europäischen Forschungs- und Demonstrationsprojekts TRANS4M-R wird ein speziell ausgerüsteter österreichischer Demonstratorzug unter realen Bedingungen getestet. Dabei werden neben Güterwagen erstmals auch Lokomotiven mit DAK-Technologie eingesetzt.
Die Tests sollen unter anderem zeigen, wie zuverlässig die Kupplung im täglichen Betrieb funktioniert, wie sich Wartung und Instandhaltung gestalten und wie gut sich die neue Technik in bestehende betriebliche Abläufe integrieren lässt. Auch Wintererprobungen in Österreich wurden bereits durchgeführt, heißt es von den ÖBB.
Nächster Schritt im kommerziellen Betrieb
Nach der Demonstrationsphase soll die Technologie nun auch im kommerziellen Güterverkehr erprobt werden. Im Rahmen sogenannter „Pioneer DAC Trains“ wollen die ÖBB gemeinsam mit europäischen Partnern die DAK unter realen Marktbedingungen einsetzen. Dabei geht es unter anderem darum, die technische und wirtschaftliche Praxistauglichkeit der Technologie zu überprüfen.
Die Ergebnisse der laufenden Demonstrationen und der Pioneer DAC Trains sollen die Grundlage für weitere Entscheidungen über die Einführung der DAK in Europa schaffen. Voraussetzung dafür sind unter anderem technische Reife, betrieblicher Nutzen, harmonisierte europäische Standards, geeignete Zulassungsverfahren, tragfähige Finanzierungsmodelle. Zudem braucht es laut ÖBB einen abgestimmten europäischen Plan für die schrittweise Umstellung von der bisherigen Kupplungstechnik auf die DAK.
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