Kategorie Innovation & Technologie - 16. Dezember 2025

Erfolgreiches Jahr für die Rettung der Donaustöre

2025 brachte entscheidende Fortschritte im EU-Projekt LIFE-Boat4Sturgeon: Die neu errichtete schwimmende Aufzuchtstation für Donaustöre nahm ihren Betrieb auf, und zwei Störarten konnten bereits erfolgreich vermehrt und in großer Zahl ausgewildert werden.

Das von der BOKU koordinierte Projekt verfolgt gemeinsam mit Partnern wie dem BMLUK, viadonau und der Stadt Wien das Ziel, die vier im Donaueinzugsgebiet verbliebenen Störarten langfristig vor dem Aussterben zu bewahren.

LIFE-Boat4Sturgeon an der Donauinsel

LIFE-Boat4Sturgeon an der Donauinsel © Zinner

Im April wurde die schwimmende Aufzuchtstation „LIFE-Boat“ an Bord der MS Negrelli auf der Wiener Donauinsel offiziell eröffnet. Parallel gelang es, mittels genetischer Untersuchungen einen genetisch vielfältigen Elterntierbestand aller vier Donau-Störarten aufzubauen.

Störe im Rampenlicht

Ein besonderer Erfolg war die erste Nachzucht des extrem seltenen Waxdicks: Über 110.000 Jungtiere wurden aufgezogen und in Rumänien und Bulgarien ausgewildert. Auch die Sterlet-Zucht verlief erfolgreich – das ursprünglich erst für 2030 geplante Ziel von 300.000 ausgesetzten Sterlets in der Oberen Donau wurde bereits erreicht und soll bis Projektende weiter übertroffen werden.

Waxdick-Jungfische

Waxdick-Jungfische © Julia Altpfart

Diese Erfolge zeigen einmal mehr, was möglich ist, wenn Forschung, Verwaltung und internationale Partner gemeinsam handeln. Der Schutz der Störe ist ein Leuchtturmprojekt im Donauraum, wie Innovationsminister Peter Hanke als Eigentümervertreter von viadonau erklärte. „Die umgebaute MS Negrelli steht sinnbildlich für ein ganzheitliches Verständnis der Donau als Natur- und Lebensraum. Die Verbindung von Schifffahrt und ökologischem Know-how zeigt eindrucksvoll, wie innovativer Artenschutz gelingen kann.“

Parallel stehen Satelliten-Aufzuchtstationen in Ungarn und Slowenien kurz vor der Fertigstellung, zudem werden Maßnahmen gegen Wilderei in den unteren Donauländern umgesetzt.

Zwischen Mai und September besuchten über 1.000 Personen die MS Negrelli. Bei Führungen erhielten sie Einblicke in den Lebenszyklus der Störe sowie in ökologische und historische Hintergründe. Anmeldungen für 2026 sind ab dem Frühjahr über die Projektwebseite möglich.

Wiens Stadträtin Ulli Sima hob hervor, wie das LIFE-Boat damit Artenschutz zum Anfassen ermögliche und mit den hohen Besucherzahlen zeige, wie groß das Interesse der Bevölkerung sei.

Bedeutung und Ausblick

Der Schutz der Störe gilt als Indikator für gesunde Flussökosysteme. Die Erfolge des Jahres 2025 – von der ersten Waxdick-Nachzucht bis zum Erreichen des Sterlet-Ziels – bilden eine wichtige Grundlage für die weitere Stärkung der Störpopulationen.

BOKU-Rektorin Eva Schulev-Steindl erklärte, die Ergebnisse seien Ausdruck der großen fachlichen Kompetenz sowie des Engagements der Forschenden. Besonders stolz sei man darauf, bereits 2025 sowohl die erste erfolgreiche Waxdick-Nachzucht als auch das Erreichen des Sterlet-Besatzziels feiern zu können.

LIFE-Boat4Sturgeon wird von der Universität für Bodenkultur geleitet. Das Projektvolumen beträgt insgesamt 11,8 Millionen Euro, wo von 67 Prozent das EU-Programm LIFE übernimmt. Projektpartner*innen sind das österreichische Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft, der österreichische Wasserstraßenbetreiber viadonau, die Stadt Wien – Wiener Gewässer, WWF Rumänien, WWF Ukraine, WWF Bulgarien, Revivo, MATE AKI HAKI, das Bundesamt für Wasserwirtschaft, die IUCN, der Bezirk Niederbayern und das Haus des Meeres. Co-Financiers des Projekts sind das ungarische Ministerium „Miniszterelnökség“, das slowenische Ministerium für natürliche Ressourcen und Raumplanung, der Landesfischereiverband Bayern e.V., der NÖ- Landesfischereiverband, der OÖ- Landesfischereiverband, die Österreichische Fischereigesellschaft 1880, der Verband der österreichischen Arbeiter-Fischerei-Vereine, der Wiener Fischereiausschuss, die Fischereirevierverbände I und II, das Fischereirevier Donau C, der Nationalpark Donau-Auen, die Marktgemeinde Drösing, und weitere Fördergeber*innen.

Europas erste schwimmende Stör-Aufzuchtstation liegt nun in Wien an der Donau