Kategorie Innovation & Technologie - Vor 6 Tagen
Energiegemeinschaften bleiben wichtiger Baustein der Energiewende
Energiegemeinschaften ermöglichen Bürgerinnen, aktiv an der Energiewende teilzunehmen. Sie verbinden lokale Erzeugung und Verbrauch, fördern regionale Wertschöpfung und können einen Beitrag zu einem flexibleren und resilienteren Energiesystem leisten. Forschung und Entwicklung schaffen dafür wichtige technische, wirtschaftliche und soziale Grundlagen.
In Österreich stehen dafür drei Modelle zur Verfügung: Gemeinschaftliche Erzeugungsanlagen (GEA), Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften (EEG) und Bürgerinnenenergiegemeinschaften (BEG). Ende 2025 waren bereits mehr als 6.500 EEG und BEG in Betrieb.
Mit dem Elektrizitätswirtschaftsgesetz gelten ab dem 1. Oktober 2026 für alle Bürgerinnenenergiemodelle, auch für bestehende Energiegemeinschaften, neue Rahmenbedingungen. Die Koordinationsstelle für Energiegemeinschaften im Klima- und Energiefonds unterstützt bestehende Energiegemeinschaften und neue Bürgerinnenenergiemodelle bei der Vorbereitung. Ab sofort stehen neue Vorlagen und Informationen auf energiegemeinschaften.gv.at zum Download bereit.
Von Smart Grids zu Energiegemeinschaften
Die Grundlagen dafür wurden bereits vor der Einführung der Energiegemeinschaften gelegt. Forschungs- und Vernetzungsaktivitäten zu Smart Grids beschäftigten sich mit der Integration dezentraler Erzeugung, Speichern, flexiblen Verbrauchern und intelligenten Gebäuden. In mehreren österreichischen Pionierregionen wurden diese Ansätze praktisch erprobt.
Auf dieser Basis wurden auch die rechtlichen Rahmenbedingungen weiterentwickelt. Mit dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz wurden 2021 die Voraussetzungen für EEG und BEG geschaffen. Das Ende 2025 beschlossene Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) erweitert die Möglichkeiten unter anderem um Eigenversorgungsanlagen und neue Formen der gemeinsamen Energienutzung.
Innovation für die Energiegemeinschaften von morgen
Forschungsprojekte entwickeln Lösungen für den erfolgreichen Aufbau und Betrieb von Energiegemeinschaften. Dazu gehören digitale Plattformen für Verwaltung und Abrechnung ebenso wie neue Ansätze für Speicher, Flexibilität und Elektromobilität.
So untersucht das Projekt NETSE nutzerorientierte Technologien und Services für Energiegemeinschaften. Projekte wie ORANGE und GridCommunity widmen sich der netzdienlichen Nutzung von Flexibilitäten. Auch Elektrofahrzeuge können künftig als mobile Speicher eingebunden werden: Bidirektionales Laden ermöglicht Anwendungen von Vehicle-to-Home und Vehicle-to-Grid.
Dabei geht es nicht nur um technische Innovation. Forschung beschäftigt sich auch mit der Frage, wie Energiegemeinschaften möglichst vielen Menschen offenstehen können. Projekte wie E3, Energy WITH Spirit, SOL und sozialEG entwickeln Ansätze für eine sozial gerechte und inklusive Energiewende.
Energiegemeinschaften als Teil eines flexiblen Energiesystems
Mit dem weiteren Ausbau von Photovoltaik und Windkraft steigt der Bedarf an Flexibilität im Stromsystem. Energiegemeinschaften können dazu beitragen, Erzeugung und Verbrauch besser aufeinander abzustimmen. Speicher und intelligente Energiemanagementsysteme eröffnen zusätzliche Möglichkeiten.
Gleichzeitig bestehen noch offene Fragen – etwa bei Geschäftsmodellen, der Einbindung von Speichern, der Netzdienlichkeit und der Nutzung von Flexibilitäten. Hier setzt weitere Forschung und Entwicklung an. Der Klima- und Energiefonds startet im Herbst 2026 eine Ausschreibung zu innovativen Lösungen, mit denen Flexibilitäten in Energiegemeinschaften besser genutzt und damit Beiträge zur Netzstabilität geleistet werden sollen.
Förderprogramm „Gemeinsam Energie nutzen“
Mit dem neuen Förderprogramm „Gemeinsame Energienutzung und Innovationen für eine optimierte Systemintegration“ setzt der Klima- und Energiefonds die Unterstützung dieses Modells fort und passt sie an die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen an. Ab 1. Oktober 2026 stehen dafür bis zu 6,9 Millionen Euro zur Verfügung, dotiert aus Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET) und des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI).
Gefördert werden bestehende Energiegemeinschaften sowie neue Projekte der gemeinsamen Energienutzung. Erstmals unterstützt die Ausschreibung auch Investitionen in gemeinschaftlich genutzte Speicheranlagen und kooperative Forschungs- und Entwicklungsprojekte mit engem Praxisbezug. Zudem können künftig Projekte gefördert werden, die auf vertraglicher Basis als Peer-to-Peer-Modelle organisiert sind.
Innovationsminister Peter Hanke: „Gemeinsame Energienutzung ermöglicht es, erneuerbare Energie vor Ort zu nutzen. Menschen, Gemeinden und Unternehmen sind aktiv eingebunden und insgesamt steigt die Energie-Resilienz. Mit der Förderung unterstützen wir Forschung und Innovation und damit die technische Weiterentwicklung dieser Modelle.“

