Kategorie Innovation & Technologie - 12. Februar 2026
Erster KI-gestützter Entlassungsbrief in Tiroler Spital übergeben
In Patienten- und Arztversion sowie mehrsprachig – 100.000 Euro Bundesförderung vom BMIMI – Weitere KI-Module angekündigt
Das System erstelle aus bereits vorhandenen, digitalisierten Krankenhausdaten einen Entwurf, der in zwei Varianten ausgegeben werde: eine patientenverständliche Version sowie eine fachliche Version für weiterbehandelnde Ärztinnen und Ärzte. Zudem sei eine Übersetzung in gängige Sprachen vorgesehen.
Neben der Landesförderung durch das Wirtschaftsressort seien zudem 42.000 Euro vom Tiroler Gesundheitsfonds (TGF) und 100.000 Euro vom Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) für das Projekt bereitgestellt worden. Weitere Mittel kämen indes vom Krankenhaus und dem Wiener Unternehmen Symptoma, das KI-Lösungen im Gesundheitswesen anbietet und den KI-gestützten Entlassungsbrief federführend entwickelt hat.
Weitere KI-Module in Planung
„Die KI muss jedenfalls im Haus bleiben“, betonte Symptoma-CEO Jama Nateqi und verwies darauf, dass sein Unternehmen gemeinsam mit den Verantwortlichen des Krankenhauses eine eigene KI-Infrastruktur aufgebaut hat. Es würden keinesfalls externe Rechenzentren oder Cloud-Dienste genutzt. „Dokumente werden vor der Verarbeitung sogar pseudonymisiert“, verwies der Experte auf einen besonders datenschützenden Ansatz.
Nateqi skizzierte weitere Entwicklungsschritte für die kommenden Jahre. Für März kündigte er etwa eine nächste Präsentation zur „KI-gestützten Ambulanz“ an: Der Aufnahmeprozess solle dabei mithilfe von Tablet, lokaler Transkription und automatisch erstellter Entwürfe verbessert bzw. effizienter gemacht werden. Weitere Einsatzfelder seien etwa im Entlassungsmanagement oder bei der Codierung von Befunden angedacht.
„Bis zu 50 Prozent des Tagesablaufes für das medizinische Personal sind administrative Aufgaben“, berichtete indes der Primar Peter Rainer vom Klinikalltag. Durch KI sollte die administrative Arbeit jedenfalls minimiert werden, sodass man sich besser „aufs Wesentliche“ konzentrieren könne.
Krankenhausverbandsobmann Paul Sieberer verwies indes auf die Rolle des Bezirkskrankenhauses als regionalen Versorger. Es betreue rund 80.000 Einwohnerinnen und Einwohner im Bezirk, zusätzlich komme „ein hoher Anteil an Patientinnen und Patienten durch den Tourismus“ hinzu. „Gerade in diesen Tagen stehen wir wieder im Mittelpunkt des Interesses“, betonte Sieberer. In diesem Zusammenhang wurde auch die Mehrsprachigkeit der Dokumente als Nutzen angeführt.
Ein KI-gestützter Ablauf beginne schon bei der Patientenerfassung: Im ersten Schritt werden die Beschwerden der Patienten digital erfasst, die KI strukturiert dann die Angaben und stellt gezielte Rückfragen.
Durch eine übersichtliche Zusammenfassung auch länger zurückliegender Beschwerden unterstützt sie anschließend das ärztliche Gespräch. Nach dem Krankenhausaufenthalt wird ein Entlassungsbrief entworfen und von Ärztinnen und Ärzten geprüft und freigegeben.
Die in St. Johann in Tirol gewonnenen Erfahrungen mit dem Einsatz von künstlicher Intelligenz sollen künftig auch in anderen Krankenhäusern genutzt werden können.

