Kategorie Innovation & Technologie - 12. August 2026

ESA öffnet Asteroidenmission Hera für neue Software-Ideen

Die Europäische Weltraumorganisation ESA bietet Forschenden und Unternehmen aus Europa eine ungewöhnliche Möglichkeit: Sie können eigene Software unter realen Bedingungen im Weltraum testen. Schauplatz ist die Asteroidenmission Hera, die nach ihrer wissenschaftlichen Hauptmission als Testumgebung für neue Technologien dienen soll.

Hera soll im Herbst 2026 den Asteroiden Dimorphos erreichen. Der kleine Himmelskörper wurde 2022 weltweit bekannt, als die NASA-Sonde DART gezielt auf ihn prallte und dadurch seine Umlaufbahn um den größeren Asteroiden Didymos veränderte. Hera soll die Folgen dieses Einschlags aus nächster Nähe untersuchen und damit wichtige Erkenntnisse für die planetare Verteidigung liefern.

 

Doch die Mission hat offenbar noch mehr Potenzial. Nach Abschluss der eigentlichen Asteroiden-Erkundung soll Hera zu einer Art fliegendem Softwarelabor werden. Geplant ist, innovative Anwendungen für künstliche Intelligenz, Bildverarbeitung, autonome Systeme und sogenannte Onboard Intelligence direkt an Bord des Raumfahrzeugs zu erproben.

Software im tiefen Weltraum testen

Für die ESA ist das eine besondere Gelegenheit. Statt neue Software ausschließlich auf der Erde zu entwickeln und zu simulieren, können ausgewählte Anwendungen in einer echten interplanetaren Umgebung ausprobiert werden.

Dabei bleibt die Sicherheit der Mission oberste Priorität. Hera verfügt über einen in Europa entwickelten Dual-Core-LEON3-Prozessor. Während ein Prozessorkern für den regulären Betrieb des Raumfahrzeugs zuständig ist, steht der zweite Kern für eine abgeschirmte Sandbox-Umgebung zur Verfügung.

Dort kann die eingereichte Software ausgeführt werden, ohne die kritischen Funktionen von Hera zu gefährden. Die Experimente sollen jeweils nur wenige Stunden laufen. Sollte ein Problem auftreten, kann die Gastsoftware unmittelbar beendet werden.

Die ESA will damit unter anderem untersuchen, wie Raumfahrzeuge künftig stärker selbstständig arbeiten können. Intelligente Systeme könnten beispielsweise dabei helfen, Daten bereits an Bord auszuwerten, Entscheidungen schneller zu treffen oder die Abhängigkeit von Anweisungen aus der Bodenstation zu reduzieren.

ESA sucht innovative Ideen

Gesucht werden ausdrücklich neue und experimentelle Ansätze, die die Möglichkeiten autonomer Raumfahrzeuge erweitern. Interessierte Forschende und Unternehmen können ihre Ideen über die Open Space Innovation Platform der ESA einreichen.

Zunächst ist dafür ein verkürztes Bewerbungsformular vorgesehen. Ausgewählte Teilnehmer sollen anschließend ihre vollständigen Vorschläge und den Quellcode zur technischen Prüfung vorlegen.

Nach Angaben der ESA ist vorgesehen, die ausgewählten Softwareexperimente im August 2027 über einen Zeitraum von etwa einem Monat auf Hera laufen zu lassen.

Die Mission setzt damit eine Entwicklung fort, die bei der ESA bereits mit früheren Technologiedemonstrationen erprobt wurde. Ein bekanntes Beispiel ist OPS-SAT, ein CubeSat der ESA, auf dem Softwareentwickler Anwendungen im Weltraum testen konnten. Dabei wurde unter anderem sogar das Computerspiel „Doom“ ausgeführt.

Mit Hera geht die ESA nun einen Schritt weiter: Software soll nicht nur in der Erdumlaufbahn, sondern in einer Millionen Kilometer entfernten Umgebung eingesetzt und erprobt werden. Für europäische Entwickler und Forschende eröffnet sich damit die seltene Möglichkeit, ihre Ideen unter Bedingungen zu testen, die auf der Erde nur schwer nachgebildet werden können. Damit hofft die ESA auf Vorschläge, die zeigen, wie zukünftige Raumfahrzeuge autonomer, robuster und leistungsfähiger werden könnten.