17. Dezember 2025

Galileo-Navigationssatelliten per Ariane 6 ins All gestartet

Europa bringt seine Navigationssatelliten wieder selbst ins All – Galileo-Satelliten Nummer 33 und 34 von Französisch-Guayana aus auf Weg in ihren Orbit

Um 6.01 Uhr mitteleuropäischer Zeit sind am Mittwoch zwei Satelliten des europäischen Navigationssystems Galileo ins All abgehoben. Es ist der erste Start an Bord der neuen Ariane-6-Rakete vom Weltraumbahnhof in Kourou in Französisch-Guayana aus. Damit kann Europa nach einigen Jahren Pause wieder selbstständig das weltweit präziseste Positionierungssystem ausbauen. „Willkommen zurück, Galileo„, sagte der Leiter des Guyana-Raumfahrtzentrums, Philippe Lier.

Zuletzt brachte im Jahr 2018 eine Ariane-Rakete – die mittlerweile eingestellte „Ariane 5“ – Satelliten dieser Baureihe in den Orbit. In den vergangenen Jahren war die ESA auf russische Sojus-Raketen und Falcon 9-Trägerraketen der US-Firma SpaceX angewiesen. In den kommenden Stunden wird der Aufstieg der Ariane-6-Trägerrakete, die im Juli 2024 ihren Erstflug absolviert hat, von Telemetriestationen von Südamerika über Europa bis Australien auf ihrem Weg in Richtung des rund 23.000 Kilometer hohen Orbits verfolgt. Am Atlantik übernimmt ein speziell ausgestattetes Schiff der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA die Nachverfolgung.

„Garantierter Zugang zum All“

Mit dem Start der Galileo-Satelliten Nummer 33 und 34 durch den Raketenbetreiber Arianespace mache Europa einen wichtigen Schritt in Richtung „garantierten Zugang zum All“, ohne dabei auf externe Partner angewiesen zu sein, erklärte Toni Tolker-Nielsen, Leiter des ESA-Weltraumtransportprogrammes am Dienstag im Vorfeld des insgesamt erst fünften Starts des neuen Trägerraketen-Typs.

Erst mehr als vier Stunden nach dem Lift-off in Südamerika erfolgt die finale Trennung der beiden Satelliten von der Oberstufe der Rakete. Es ist das erste Mal, dass man mit dem neuen Trägersystem Lasten in einen derart hohen Orbit bringt. Die beiden Satelliten sind jeweils rund 700 Kilogramm schwer und wurden von dem deutschen Raumfahrt- und Technologiekonzern OHB SE gebaut.

Austro-Technologie für Ariane 6

Mit rund 4,5 Milliarden Nutzern weltweit – beispielsweise Fitnesstracker oder allerlei Navigationssysteme, die etwa Flugzeugen beim Landen assistieren, nutzen den seit 2016 bestehenden Service – sei dies vermutlich das erfolgreichste Weltraumprodukt, das Europa auf den Weg gebracht hat. Die Navigationsdaten werden mittlerweile so vielfältig genutzt, dass sie aus unserer Hightech-Welt nicht mehr wegzudenken sind – von der Synchronisation im Stromnetz über jene im Handynetz bis zum Auto- und Zugverkehr – eine Infrastruktur, die tatsächlich der gesamten Öffentlichkeit zugutekommt.

 

Der nun anstehende Start ist wichtig, weil die Satelliten eine begrenzte Lebensdauer haben und regelmäßig erneuert werden müssen. Und letztlich sei es auch eine zentrale Frage der europäischen Autonomie und Resilienz, ein System unabhängig vom US-amerikanischen GPS oder russischen Glonass zu betreiben. Die Daten sind mittlerweile eine wichtige Basis für unterschiedliche Produkte und Dienste – auch im Sicherheits- und Verteidigungsbereich.

Das Galileo-Programm wird von der EU-Kommission in Zusammenarbeit mit der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA betrieben. Es ist „im Moment das innovativste und genaueste Satellitennavigationsprogramm auf der Welt“, sagte Christoph Kautz, Direktor Raumfahrtpolitik, Satellitennavigation und Erdbeobachtung der EU-Kommission im Vorfeld des Starts. Die Positionierung auf der Erde könne man mittlerweile mit einer unerreichten Genauigkeit von rund 20 Zentimetern vornehmen: „Das schafft niemand anders auf der Welt.“

Alle der nun 34 ins All geschickten Galileo-Satelliten sind mit einem Thermalschutz aus Österreich ausgestattet. Entwickelt und gefertigt wurde es von der Wiener Weltraumfirma Beyond Gravity. Das Unternehmen produziert außerdem „die Hochtemperaturisolierung für die Raketentriebwerke der unteren und oberen Stufe der Trägerrakete“ und den Mechanismus, der das Oberstufen-Triebwerk der Ariane-6-Rakete ausrichtet. In der Rakete stecken überdies auch noch Technik und Know-how des Wiener Hightech-Unternehmens TTTech, von Test-Fuchs Aerospace Systems (NÖ), vom steirischen Unternehmen Hage Sondermaschinenbau sowie vom Stahlbearbeitungsunternehmen ISW und dem Edelstahlunternehmen Böhler. Österreich ist eines von 13 an der Ariane-6-Rakete direkt beteiligten ESA-Mitgliedsländer.

Bei der von Airbus gefertigten zweiten Satelliten-Generation werden künftig außerdem neuartige Xenon-Tanks aus dem oberösterreichischen Holzhausen (Bezirk Wels-Land), wo das 2007 gegründete Weltraumunternehmen Peak Technology ansässig ist, eingesetzt. Die Behälter müssen 300 Kilogramm des mit einem Druck von 150 bar verpressten Gases aushalten, die extremen Vibrationen beim Start verlässlich überstehen und dann im All um die 20 Jahre dicht bleiben. Aktuell hoffe man bei Peak Technology, dass im kommenden Jahr ein Ariane-Flug den ersten Satelliten der neuen Generation in den Orbit bringt.