Kategorie Mobilität - 19. September 2025

Historischer Durchschlag im Brenner Basistunnel

Mit dem Durchschlag des Brennerbasistunnel (BBT)-Erkundungsstollens ist Donnerstag die erste unterirdische Tunnelverbindung zwischen Italien und Österreich geschaffen worden. Bei einem Festakt sahen die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Bundeskanzler Christian Stocker im Beisein von Mobilitätsminister Peter Hanke einen „historischen Moment“ – für Österreich, Italien und Europa.

Kurz vor 15.00 Uhr war es so weit: Über eine Liveschaltung in den Erkundungsstollen beobachteten die rund 1.000 Festgäste in einem Zelt in der Gemeinde Brenner auf Südtiroler Seite in Italien den unter Tage stattfindenden Durchschlag. Den Startschuss dafür gaben Meloni, Stocker, auch die Verkehrsminister beider Länder sowie EU-Verkehrskommissar Tzitzikostas gemeinsam. Sie drückten gleichzeitig den „roten Knopf“.

 

Tunnelarbeiter marschierten anschließend gemeinsam über die unterirdische Grenze. Die Festgäste quittierten den Moment mit reichlich Applaus. Zu guter Letzt fand auch noch eine Tunnelbesichtigung eines Großteils der angereisten Spitzenpolitiker statt.

Mit dem feierlichen Durchschlag des Erkundungsstollens im Brenner Basistunnel ist tatsächlich ein Ereignis von historischer Dimension gelungen. Österreich und Italien feiern gemeinsam mit der Europäischen Union diesen entscheidenden Fortschritt bei einem der bedeutendsten Eisenbahninfrastrukturprojekte Europas.


Der Durchschlag an der Staatsgrenze unter dem Brennerpass unterstreicht die Rolle Österreichs und Italiens als treibende Kräfte einer nachhaltigen, modernen und zukunftsorientierten Verkehrspolitik.

Durchschlag in rund 1.400 Metern Tiefe

Beim Tunnelbau zählt ein Durchschlag zu den emotionalsten Momenten – ein Augenblick, auf den alle am Projekt Beteiligten lange hingearbeitet haben. Exakt um 14.30 Uhr drückten EU-Kommissar Tzitzikostas, Ministerpräsidentin Meloni, Bundeskanzler Stocker sowie die beiden Verkehrsminister gemeinsam den Startknopf.

 

In den Baulosen H53 Pfons-Brenner (Österreich) und H61 Mauls 2-3 (Italien) herrschte gespannte Erwartung: Während die Mineure und Projektteams unter Tage auf den großen Moment warteten, konnten die Festgäste im in der Ortschaft Brenner aufgebauten Festzelt das Geschehen live mitverfolgen. Dann war es so weit: Unter großem Jubel durchbrachen die Mineure mit einem Meiselbagger die Tunnelwand, in einer Tiefe von rund 1.400 Metern unterhalb der italienisch-österreichischen Staatsgrenze am Brennerpass. Die Teams gingen aufeinander zu, begrüßten und umarmten sich. Ein einmaliger Moment, der die Teamarbeit, Technik und internationale Zusammenarbeit auf eindrucksvolle Weise sichtbar machte.

Der Erkundungsstollen des Brenner Basistunnels hat ein einzigartiges Alleinstellungsmerkmal dieses Bauprojekts. Mit einer Länge von rund 57,5 Kilometern zählt er zu den längsten seiner Art weltweit. Er ist nicht für den Zugverkehr vorgesehen, sondern dient als technisches Vorfeld für geologische Untersuchungen, Materialtransporte sowie Service- und Wartungszwecke und kann im Ereignisfall auch als Rettungsweg genutzt werden.

Besonders bemerkenswert ist die hochpräzise Vermessung: Der Abschnitt bis zum Brenner wurde von zwei Seiten – den Zufahrtstunneln Wolf und Mauls – vorgetrieben. Für die rund 29 km lange Strecke liegt die Abweichung im beeindruckenden, einstelligen Zentimeterbereich. Dank dieser Genauigkeit konnten die späteren Haupttunnelröhren ohne aufwändige Anpassungen gebaut werden.

Dieses Konzept eines separaten Erkundungsstollens, der sozusagen als „Vorlauf“ für den eigentlichen Brenner Basistunnel fungiert, ist in dieser Länge und Präzision weltweit einzigartig und unterstreicht den hochtechnologischen Anspruch des Projekts. Der Erkundungsstollen folgt dem Verlauf der beiden Haupttunnel Ost und West des BBT und befindet sich rund zwölf Meter unterhalb von diesen. Er ist 55 km lang und hat in der Betriebsphase zwei wesentliche Funktionen: Informationen über die Gesteinsqualität zu liefern und die geologischen Bedingungen für den Ausbruch der Haupttunnel zu erkunden. Sobald der Basistunnel in Betrieb ist, dient der Erkundungsstollen der Entwässerung und der Instandhaltung der Anlagen.

Drei der neun TBM des Projekts BBT (Clio, Günther und Serena) wurden im Erkundungsstollen eingesetzt und haben insgesamt rund 42 Kilometer ausgebrochen. Die verbleibenden Kilometer wurden bzw. werden bergmännisch aufgefahren. Der Erkundungsstollen hat eine Gesamtlänge von 57,5 Kilometern, davon 27,2 in Italien und 30,3 in Österreich.