Kategorie Innovation & Technologie - 26. September 2025

Spatenstich in Linz: Voestalpine errichtet Anlage zur CO2-freien Eisengewinnung

Mit der „Hy4Smelt“- eine Technologie zur wasserstoffbasierten Roheisenproduktion wird eine neue Ära der klimaneutralen Eisenerzeugung eingeläutet 

Der Technologiekonzern Voestalpine AG hat einen Meilenstein auf dem Weg zur klimaneutralen Stahlproduktion erreicht: Am gestrigen Donnerstag erfolgte am Standort Linz der Spatenstich für die Demonstrationsanlage Hy4Smelt. Sie ist nichts weniger als die weltweit erste industrielle Demonstrationsanlage, die zwei innovative Prozesse – eine wasserstoffbasierte Direktreduktion für ultrafeine Eisenerze und einen elektrischen Schmelzprozess – verbinden kann.

Schematische Darstellung des sogenannten Smelters, der Schmelzanlage von innen © Primetals Technologies Austria GmbH

Die Inbetriebnahme der Demonstrationsanlage im industriellen Maßstab ist bis Ende 2027 geplant. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 170 Millionen Euro. Unterstützt wurden die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für die HYFOR-Pilotanlage am Standort Donawitz auch durch den Klima- und Energiefonds, dotiert aus Mitteln des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI). Hy4Smelt gehört laut Voestalpine damit zu Österreich größten Forschungsprojekten für den Klimaschutz.

„Mit Hy4Smelt gelingt ein entscheidender Sprung von der Forschung in die industrielle Anwendung. Damit setzt die Voestalpine einen internationalen Maßstab. Dieser Skalierungsschritt markiert einen echten Durchbruch auf dem Weg zu einer CO₂-freien Stahlproduktion. Ich gratuliere herzlich zu diesem richtungsweisenden Projekt“, so Peter Hanke, Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur.

Die Anlage im industriellen Maßstab soll Roheisen und Roheisenbriketts durch wasserstoffbasierte Feinerzreduktion nach dem HYFOR-Verfahren (Hydrogen-based fine-ore reduction) erzeugen. In diesem Verfahren werden Eisenerze mit einem Eisengehalt von unter 65 Prozent direkt, das heißt ohne einen weiteren Agglomerationsschritt wie das Pelletieren oder Sintern, in einem Wirbelschichtreaktor reduziert. Die HYFOR-Anlage wird dabei erstmals direkt mit dem Schmelzofen, dem sogenannten Smelter, gekoppelt.

Zum Einsatz kommt ausschließlich grüner Wasserstoff. Die Demonstrationsanlage am Standort Linz wird bis zu drei Tonnen Roheisen pro Stunde erzeugen können und soll 2027 in Betrieb gehen. Mit dieser Technologieentwicklung „Made in Austria“ ist die Voestalpine globaler Vorreiter auf dem Weg zur CO₂-neutralen Stahlherstellung.

HYFOR Pilotanlage Anlage am Standort Donawitz © Primetals Technologies Austria GmbH

Mit der neuen Technologie können der Primärenergieanteil um 20 sowie der CO₂-Ausstoß um bis zu 100 % gesenkt werden. Der gesamte CO₂-Fußabdruck der Rohstahlproduktion kann mit diesem Verfahren um 80 Prozent verringert werden.

Die Errichtung und der Betrieb der HYFOR-Pilotanlage erfolgte seit 2021 durch ein Konsortium aus Primetals Technologies, Voestalpine, Kompetenzzentrum K1-Met und Montanuniversität Leoben am Standort Donawitz.

Die erfolgreiche Projektkette zeigt, wie die Transformation der Stahlindustrie auf Basis von forschungsgeleiteter Innovation gelingen kann. Zur Weiterentwicklung der Wirbelschicht- und Schmelztechnologie anhand der Demonstrationsanlage haben Voestalpine, Primetals Technologies, Mitsubishi Coorporation und der Bergbaukonzern Rio Tinto im April 2025 eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet.