Kategorie Innovation & Technologie - 10. Februar 2026
Robustere Isolierstöße sollen Störungen im Bahnnetz deutlich reduzieren
Sie sind unscheinbar, aber für den sicheren Bahnbetrieb unverzichtbar: Isolierstöße. Ohne sie könnten viele Bahnstrecken nicht befahren werden, denn sie unterteilen das Schienennetz in elektrisch voneinander getrennte Abschnitte und stellen sicher, dass Züge nur dann einfahren, wenn ein Streckenabschnitt frei ist. Doch gerade auf stark frequentierten Strecken gelten Isolierstöße als Schwachstelle – sie verschleißen schnell und sind anfällig für Störungen. Eine neue Entwicklung der TU Graz könnte das nun ändern.
Gemeinsam mit den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) und der Firma Martin Schienentechnik hat ein Forschungsteam der TU Graz einen neuartigen Isolierstoß-Prototyp entwickelt, der deutlich robuster sein soll als bisherige Modelle. Durch verbessertes Material und eine optimierte Geometrie soll sich die Lebensdauer der Bauteile laut aktuellen Forschungsergebnissen zumindest verdoppeln. Damit könnten Ausfälle reduziert, Wartungsintervalle verlängert und langfristig Kosten gesenkt werden.
- Ein verstärkter Isolierstoß beim Test im Gleis. © RID – TU Graz
- Die Haltbarkeit der Isolierstöße wurde ausgiebig getestet. © RID – TU Graz
- Schaustück eines Isolierstoßes am Institut für Eisenbahn-Infrastrukturdesign der TU Graz. © Schoklitsch – TU Graz
In Österreich sind derzeit rund 33.000 Isolierstöße im Einsatz. Besonders auf vielbefahrenen Strecken sind sie enormen Belastungen ausgesetzt: Jede Zugachse wirkt erneut auf die empfindliche Stelle ein. „Bei einem Projekt wie diesem ist es für uns wichtig, nicht nur die Einzelkomponente zu betrachten, sondern das gesamte System – von der Belastung durch die Fahrzeuge bis zur Kraftübertragung in den Untergrund“, erklärt Ferdinand Pospischil vom Institut für Eisenbahn-Infrastrukturdesign der TU Graz.
Um die Ursachen für den schnellen Verschleiß besser zu verstehen, analysierten die Forschenden zunächst Daten von Gleismesswägen und identifizierten Schwachstellen im Bahnnetz. An defekten Isolierstößen wurden anschließend vor Ort Messungen durchgeführt, um die wirkenden Kräfte und die Wechselwirkungen zwischen Zug, Gleis und Untergrund zu erfassen. Auf Basis dieser Daten entstand ein digitaler Zwilling, mit dem neue Prototypen virtuell entwickelt und getestet werden konnten.
Die vielversprechendsten Entwürfe mussten sich schließlich auch in der Praxis bewähren. Erste Tests auf der Strecke zeigen, dass der neue Prototyp deutlich geringere Spannungen im Material verursacht. Die Kräfte werden gleichmäßiger verteilt, was das Gesamtsystem stabiler macht und die Lebensdauer der Isolierstöße erheblich verlängern dürfte.
„Auf vielbefahrenen Strecken verschleißen manche Isolierstöße sehr schnell“, sagt Stefan Marschnig vom Institut für Eisenbahnwesen und Verkehrswirtschaft der TU Graz. „Unsere Weiterentwicklung sollte deutlich länger halten und andere Streckenkomponenten weniger stark belasten – und das bei wirtschaftlich vertretbaren Produktionskosten.“
Sollten sich die Ergebnisse in weiteren Tests bestätigen, könnten die neuen Isolierstöße künftig zu weniger Verspätungen, geringeren Wartungskosten und insgesamt zu einem zuverlässigeren Bahnnetz beitragen.



