25. März 2026
Motor der Klimawende: Schulterschluss mit Österreichs Pionierstädten
Klimaneutrale Stadt: Österreich setzt auf urbane Innovation & überzeugt auch auf internationaler Bühne
Städten und Gemeinden kommt auf dem Weg zur Klimaneutralität eine Schlüsselrolle zu: Rund 80 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs entfallen auf urbane Räume, zugleich entstehen dort etwa drei Viertel der globalen CO₂-Emissionen. Mit der Mission „Klimaneutrale Stadt“ unterstützen das Innovationsministerium (BMIMI) und der Klima- und Energiefonds österreichische Städte dabei, ihre Zukunft aktiv zu gestalten.
Die Initiative fördert technische, sozial-ökologische und wirtschaftliche Innovationen, die Städte im Transformationsprozess hin zur Klimaneutralität und zur Anpassung an den Klimawandel entscheidend voranbringen. Beim jüngsten Bund-Pionierstadt-Gespräch in Wien sowie auf der internationalen Urban Future Conference in Ljubljana wurde deutlich: Die sogenannten Pionierstädte spielen eine Schlüsselrolle auf dem Weg zur Klimaneutralität und positionieren sich zunehmend auch als Impulsgeber über die Landesgrenzen hinaus.
Strategischer Schulterschluss in Wien
Beim High-Level-Treffen zwischen Bund und den zehn österreichischen Pioniergroßstädten in Wien standen zentrale Zukunftsfragen im Fokus: klimaneutrale Energieversorgung, nachhaltige Mobilität, Versorgungssicherheit und die Anpassung an den Klimawandel. Vertreter:innen der Städte trafen dabei auf hochrangige Entscheidungsträger:innen aus dem BMIMI sowie dem Klima- und Energiefonds.
Die Bedeutung dieses Austauschs ist wie der eingangs erwähnte CO2-Abdruck von Städten groß. Entsprechend zentral ist ihre Rolle im Transformationsprozess. Die Initiative „Klimaneutrale Stadt“ unterstützt daher gezielt Innovationen – technologisch, sozial und wirtschaftlich.
Innovationsminister Peter Hanke betonte die zentrale Rolle der Städte: „Unsere Städte sind zentrale Partner auf dem Weg zur Klimaneutralität. Die aktuellen Krisen zeigen erneut, wie wichtig eine sichere und unabhängige Energieversorgung ist. Die Pionierstädte leisten hier Pionierarbeit: Sie setzen auf erneuerbare Energie, stärken regionale Wertschöpfung und machen ihre Städte widerstandsfähiger gegenüber globalen Entwicklungen.“
Im Mittelpunkt des Treffens stand nicht nur der Dialog mit dem Bund, sondern auch der Austausch untereinander. Die Städte präsentierten ihre Projekte, teilten Erfahrungen und entwickelten gemeinsam Lösungsansätze, die künftig auch kleineren Gemeinden zugutekommen sollen. Ein gemeinsames Positionspapier soll zudem konkrete Anliegen der Städte bündeln.
Sektionschefin Henriette Spyra unterstrich die Dynamik des Prozesses: „Bei den Gesprächen wurde deutlich, wie intensiv Österreichs Pioniergroßstädte an ihrem Ziel arbeiten, klimaneutral zu werden. Das beweist einmal mehr, dass der Transformationsprozess im vollen Gange ist und von den Städten aktiv gestaltet wird. In Österreich gehen Innovationskraft und Umsetzungsstärke Hand in Hand. Lebensqualität, leistbare Energie und saubere Mobilität stehen ganz oben auf der Agenda der Städte. Der Austausch im Rahmen der Teilnahme an der Mission Klimaneutrale Stadt ist besonders wertvoll, um voneinander zu lernen, sich auf Augenhöhe zu Herausforderungen auszutauschen und gemeinsam mit Mut voranzugehen.”
Pionierstädte als Innovationsmotor
Die zehn beteiligten Städte – Wien, Graz, Linz, Salzburg, Innsbruck, Klagenfurt, Villach, St. Pölten, Dornbirn und Wiener Neustadt – richten ihre Strukturen gezielt auf Klimaneutralität aus. Sie entwickeln klimafitte Stadtquartiere, stärken regionale Wertschöpfung und treiben technologische Innovationen voran.
Damit setzen sie nicht nur neue Standards für nachhaltige Stadtentwicklung, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Stabilität: Durch den Ausbau erneuerbarer Energien, die Reduktion von Importabhängigkeiten und die Schaffung neuer Arbeitsplätze stärken sie den Wirtschaftsstandort Österreich langfristig.
Internationale Bühne in Ljubljana
Dass diese Ansätze auch international Beachtung finden, zeigt die Teilnahme an der Urban Future Conference in Ljubljana. Sieben österreichische Pionierstädte gestalteten dort aktiv das Programm mit und präsentierten ihre Lösungen einem europäischen Fachpublikum aus Politik, Wirtschaft und Forschung.
In zwei Workshops wurden unterschiedliche Perspektiven auf die klimaneutrale Stadtentwicklung aufgezeigt. Während sich ein Format auf kleinere Städte konzentrierte, präsentierten Tulln, Eisenstadt und Lienz konkrete Projekte: von der Begrünung versiegelter Flächen über nachhaltige Mobilitätskonzepte bis hin zu klimafreundlichen öffentlichen Verkehrssystemen.
Ein zweiter Workshop widmete sich innovativen Governance-Ansätzen in größeren Städten. Graz, Klagenfurt, Linz und Villach stellten dabei unter anderem Klimapakte mit Unternehmen, Beteiligungsprozesse für Bürger:innen und neue Managementsysteme für Nachhaltigkeit vor.
„Unsere Pionierstädte zeigen, wie vielfältig und praxisnah Lösungen für die klimaneutrale Stadt bereits heute umgesetzt werden. Der internationale Austausch auf Konferenzen wie der Urban Future ist besonders wertvoll, um erfolgreiche Ansätze sichtbar zu machen und gleichzeitig neue Impulse für Österreich mitzunehmen“, so Bernd Vogl, Geschäftsführer des Klima- und Energiefonds.
Austausch als Schlüssel zum Erfolg
Sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene zeigt sich: Der Austausch ist ein zentraler Erfolgsfaktor. Die Pionierstädte profitieren voneinander, entwickeln gemeinsam Lösungen und tragen ihre Erfahrungen über Netzwerke und Konferenzen weiter.
Die Mission „Klimaneutrale Stadt“ fungiert dabei als verbindendes Element zwischen Bund, Städten, Wirtschaft und Forschung. Ziel ist es, praxistaugliche Lösungen zu entwickeln, die nicht nur die Klimaziele erreichen, sondern auch die Lebensqualität in den Städten verbessern.
Mit ihrem Engagement setzen Österreichs Städte ein starkes Signal: Der Weg zur Klimaneutralität ist nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Chance für Innovation, wirtschaftliche Entwicklung und lebenswerte urbane Räume – in Österreich und darüber hinaus.
Weiterführende Informationen
Allgemeine Informationen zur Mission „Klimaneutrale Stadt“: https://klimaneutralestadt.at/de/mission/
Detailinformationen zu den teilnehmenden Städten: https://klimaneutralestadt.at/de/initiativen/pionierstaedte/
Informationen zu Pionier-Kleinstädten: www.orte-von-morgen.at
Stimmen aus den Pionierstädten
St. Pölten
St. Pölten hat durch den Pionierstadtprozess einen eigenen Geschäftsbereich für Klimaagenden gegründet. Eines der Herzstücke seiner Arbeit ist die Bürgerenergiegemeinschaft (BEG) EnergieRegion St. Pölten, die mittlerweile das gesamte Stadtgebiet umfasst und auch Bürger:innen aus der Region eine aktive Teilnahme ermöglicht. Neben PV-Strom können Wind- und Wasserkraft über die BEG bezogen werden, um Nacht- und Winterlücken der Energieversorgung zu schließen. „Mit dem Pionierstadtprozess wurden wichtige Schritte zur Beschleunigung der Energiewende gesetzt. Nicht nur die Energiegemeinschaft, sondern auch die neue städtische PV-Freiflächenanlage mit Batteriespeichern leistet wichtige Beiträge, um den CO₂-Ausstoß in der Stadt zu reduzieren und die Energiesicherheit zu stärken“
, betont Bürgermeister Matthias Stadler.
Dornbirn
Die Stadt Dornbirn arbeitet als Pionierstadt der Mission Klimaneutrale Stadt intensiv an konkreten Lösungen für eine klimafitte Stadtentwicklung. Schwerpunkte liegen unter anderem auf Kreislaufwirtschaft sowie der schrittweisen Umstellung kommunaler Mobilitätssysteme auf emissionsfreie Antriebe – etwa beim Stadtbus oder bei kommunalen Servicefahrzeugen. Ziel ist es, Klimaschutzmaßnahmen mit einer hohen Lebensqualität für die Bevölkerung zu verbinden und gleichzeitig praxisnahe Modelle für andere Städte zu entwickeln.
Graz
Die Finanzierungspartnerschaft ermöglicht der Stadt Graz, für fünf Jahre acht zusätzliche Mitarbeiter:innen in der Verwaltung einzusetzen, um die Klimaarbeit gezielt zu verstärken. Damit wird der Grazer Klimaschutzplan mit dem Ziel der Klimaneutralität bis 2040 vorangetrieben. Projekte wie der Klima-Pakt #bindabei, das Klimalicht oder die Vorbereitung klimaneutraler Quartiere konnten dadurch gestartet bzw. ausgebaut werden. Zudem stärkt der enge Austausch mit dem Bund die Transformation und erleichtert den Zugang zu Fördermitteln. „Der Weg zur klimaneutralen Stadt ist eine gemeinsame Aufgabe. Die Partnerschaft mit dem Bund hilft uns in Graz Projekte schneller umzusetzen und zusätzliche Mittel für den Klimaschutz in unsere Stadt zu holen“, sagt Vizebürgermeisterin Judith Schwentner.
Wiener Neustadt
Die Klassifizierung als Pionierstadt war und ist für Wiener Neustadt ein wichtiger Schritt, um Klimaschutz und Klimawandelanpassung konsequent in der Stadtentwicklung zu verankern. Bereits heute konnten wesentliche Meilensteine erreicht werden: So wurde der gesamte Themenkomplex strukturell in der Stabsstelle Stadtentwicklung, Verkehr, Umwelt, Klima und Energie verankert. Gleichzeitig wird der Ausbau von Photovoltaik-Anlagen auf Dachflächen und Freiflächen konsequent vorangetrieben, etwa bei der Aqua Nova oder auf der Gleisschotterdeponie. Zudem wurden Brachflächen identifiziert, die künftig gemeinsam mit Bauträgern zu klimaneutralen Stadtquartieren entwickelt werden.
Linz
Die Pionierstadt-Initiative stärkt in Linz die Zusammenarbeit von Magistrat, GWG und LINZ AG auf dem Weg zur klimaneutralen Stadt. Mit dem Aufbau eines gesamtstädtischen Treibhausgasmonitorings und dem ersten Bericht 2025 wurde eine zentrale Grundlage geschaffen. Gleichzeitig werden klimaneutrale Bau- und Sanierungsstandards im Wohnbau entwickelt und im Franckviertel die Energieversorgung schrittweise von Gas auf Fernwärme bzw. Strom umgestellt. „Wir setzen in Linz konkrete Maßnahmen für eine klimaneutrale Zukunft und treiben die Umsetzung konsequent voran“
, betont Bürgermeister Dietmar Prammer.
Klagenfurt
Die Landeshauptstadt Klagenfurt am Wörthersee verfolgt mit ihrer Smart City Klimastrategie und der Teilnahme an der EU-Cities Mission das Ziel der bilanziellen Klimaneutralität bis 2030 sowie eine vollständige Klimaneutralität bis zum Jahr 2040. Dazu werden ambitionierte Projekte umgesetzt und die Bevölkerung aktiv mit eingebunden. Vor allem mit dem eigens eingerichteten Smart Climate Lab, dem Bürger:innenbüro für Nachhaltigkeitsthemen, wird Partizipation und Teilhabe in Sachen Klimaschutz und Klimawandelanpassung gefördert. Vizebürgermeister Patrick Jonke: “Besonders stolz sind wir auf die Aktivitäten in unserem lokalen Klimaschutznetzwerk im Smart Climate Lab. Wir haben bereits mit über 40 Unternehmen Klimaschutzverträge abgeschlossen. Ein klares Bekenntnis, für einen lebenswerten und nachhaltigen Wirtschaftsstandort Klagenfurt.”



