Kategorie Mobilität - 26. Mai 2026
Wie ÖBB und Nationalpark Donau-Auen Stromleitungen vogelsicher machen
Mit dem Frühling beginnt entlang der Donau wieder eines der beeindruckendsten Naturschauspiele Europas: der Vogelzug. Tausende Zugvögel kehren aus ihren Winterquartieren zurück oder nutzen die Donau als wichtige Route auf ihrem Weg in den Norden. Doch die Reise birgt zahlreiche Gefahren. Immer wieder werden Vögel Opfer von Kollisionen mit Stromleitungen oder erleiden tödliche Stromschläge an Masten. Die Klima- und Umweltkrise verschärft diese Bedrohung zusätzlich und setzt viele Vogelarten massiv unter Druck.
Das internationale LIFE Danube Free Sky Projekt möchte dem entgegenwirken. Entlang eines der bedeutendsten Vogelzugkorridore Europas arbeiten 15 Partner aus sieben Ländern gemeinsam daran, Vögel besser zu schützen und ihre Lebensräume langfristig zu sichern. Im Mittelpunkt stehen Maßnahmen, Stromleitungen und Bahninfrastruktur für Vögel sicherer machen – in Österreich arbeiten der Nationalpark Donau-Auen und die ÖBB-Infrastruktur eng zusammen, um die Oberleitungen und Bahnstrommasten in der Ostregion vogelsicher zu gestalten.
Im Projektgebiet gelten rund 2.074 Kilometer Stromleitungen als besonders risikoreich für Zugvögel. Um Kollisionen zu verhindern, werden mehr als 245 Kilometer Leitungen mit speziellen Vogelschutzmarkierungen ausgestattet, die für Vögel besser sichtbar sind. Zusätzlich erhalten über 3.200 gefährliche Strommasten Schutzkappen, die Stromschläge verhindern sollen.
In Österreich werden etwa zwischen Neusiedl am See und Kittsee rund 45 Kilometer Bahnstrecke vogelsicher gemacht. Dafür installiert die ÖBB-Infrastruktur AG unter fachlicher Begleitung der Nationalpark-Expertinnen etwa 900 Schutzkappen auf Masten sowie 120 reflektierende Sichtscheiben, sogenannte FireFlys, entlang der Bahnoberleitungen. Die reflektierenden Elemente helfen den Vögeln dabei, Hindernisse frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig auszuweichen.
Die Wirkung dieser Maßnahmen ist beachtlich: Jährlich können dadurch rund 2.000 Vögel gerettet werden, darunter auch seltene und gefährdete Arten. Besonders wichtig ist der Schutz in den revitalisierten Wasserlebensräumen entlang der Donau, die in den vergangenen Jahren durch insgesamt 16 LIFE-Projekte wiederhergestellt wurden. Diese Gebiete dienen vielen Vogelarten als wertvolle Brut-, Rast- und Nahrungsplätze während des Vogelzugs.
Christoph Litschauer vom Nationalpark Donau-Auen betont die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit: „Vögel kennen keine Grenzen. Daher kann auch ein transnationales Projekt wie Danube Free Sky nur durch grenzübergreifende Zusammenarbeit erfolgreich sein.“ EU-Programme wie LIFE oder Interreg würden ermöglichen, Wissen auszutauschen, gemeinsame Lösungen zu entwickeln und Schutzmaßnahmen entlang internationaler Migrationskorridore wie der Donau wirkungsvoll umzusetzen.
Auch an der donauquerenden Bahnstromleitung zwischen Schönau und Fischamend wurden bereits Vogelschutzfähnchen montiert. Dieser Flussabschnitt, der im Nationalpark Donau-Auen liegt, ist besonders attraktiv für Wasservögel. Jeden Abend fliegen Scharen von ihnen von der Donau zu den Schlafplätzen in den nahegelegenen Seitenarmen, um sie im Morgengrauen wieder zu verlassen. In schwindelerregender Höhe wurden Fähnchen montiert, deren kontrastreiche Lamellen sich im Wind bewegen. Auch bei schlechten Sichtbedingungen können nun Ente, Kormoran und Co. dieses potenzielle Hindernis erkennen und der Gefahr ausweichen. Diese Markierungen machen die Leitung für Vögel besser sichtbar und das Kollisionsrisiko wird damit um bis zu 90 Prozent reduziert.
Mit Projekten wie Danube Free Sky wird deutlich, wie wichtig gemeinsames Handeln für den Schutz der Artenvielfalt ist. Gerade im Frühling, wenn der Vogelzug die Donau jedes Jahr aufs Neue belebt, zeigt sich, wie moderne Schutzmaßnahmen Lebensraum und Korridore für viele Vogelarten sicherer machen.


