24. März 2026
Nachhaltigeres Fliegen: Europaweit einzigartige SAF-Forschungsanlage in Leoben eröffnet
Mit der Inbetriebnahme einer europaweit einzigartigen Forschungsanlage für nachhaltige Flugtreibstoffe (Sustainable Aviation Fuels, SAF) an der Montanuniversität Leoben setzt Österreich einen wichtigen Schritt in Richtung klimaneutraler Luftfahrt. Die sogenannte „SAF Miniplant“ wurde in enger Kooperation mit dem Energiekonzern OMV realisiert und durch das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) maßgeblich unterstützt.
Die neue Forschungsanlage erstreckt sich über ein gesamtes Universitätsgebäude und ist in dieser Größe und Flexibilität europaweit einzigartig. Sie ermöglicht es, unterschiedliche Prozessketten zur Herstellung von SAF realitätsnah abzubilden, zu vergleichen und hinsichtlich Effizienz, Kosten und Skalierbarkeit zu optimieren. Ziel ist es, jene Technologien zu identifizieren, die sich künftig industriell und wirtschaftlich durchsetzen können.

Airbus hat zu Demoflugzwecken sowohl seinen A350 als auch einen Beluga mit einem bis zu 35 Prozent aus SAF bestehenden Kraftstoffgemisch betankt. © Airbus
Innovationsinfrastruktur mit europäischer Strahlkraft
Unterstützt werden die experimentellen Arbeiten durch moderne Prozesssimulationen und Machine-Learning-Modelle. Diese digitale Begleitung beschleunigt Entwicklungsprozesse und erleichtert die Überführung von Forschungsergebnissen in den industriellen Maßstab.
Die Errichtung der Anlage ist ein gelungenes Beispiel für die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft, Industrie und öffentlicher Hand. Insgesamt wurden rund 2,4 Millionen Euro investiert. Die Hälfte der Finanzierung erfolgte durch das BMIMI über die Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), die andere Hälfte wurde von der OMV getragen.
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- v.l.n.r.: Dipl.-Ing. Enzo Komatz, Dr. Christoph Markowitsch, Univ.-Prof. Markus Lehner und Dipl-Ing. Severin Sendlhofer (alle vom Lehrstuhl für Verfahrenstechnik des industriellen Umweltschutzes). © MUL/Tauderer.
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- SAF-Anlage: Am Lehrstuhl für Verfahrenstechnik des industriellen Umweltschutzes wurde eine europaweit einzigartige Forschungsanlage in Betrieb genommen, mit der verschiedene Prozesswege zur Herstellung von Sustainable Aviation Fuels (SAF) erforscht und weiterentwickelt werden: © MUL/Tauderer
Innovations- und Mobilitätsminister Peter Hanke betonte, dass Sustainable Aviation Fuels ein zentraler Baustein für die Dekarbonisierung der modernen Luftfahrt seien und die Bundesregierung diese Technologie gezielt im Rahmen der SAF-Roadmap unterstütze. Die neue Anlage sei eine von mehreren Flagship-Initiativen zur Weiterentwicklung der heimischen Mobilitätsindustrie und zugleich ein herausragendes Beispiel für die Innovationskraft Österreichs sowie für das erfolgreiche Zusammenspiel von Politik, Wissenschaft und Industrie.
„Die Multi-Purpose Miniplant ist eine von zahlreichen Flagship-Initiativen, mit der wir die heimische Mobilitätsindustrie gezielt weiterentwickeln, ein Ziel das wir uns auch im Rahmen der Industriestrategie gesetzt haben“, so Hanke. „Die neue Anlage ist in dieser Größe und Form europaweit einzigartig und ein hervorragendes Beispiel für die Innovationskraft unseres Landes und zugleich dafür, was gelingen kann, wenn Politik, Wissenschaft und Industrie an einem Strang ziehen.“
Auch seitens der Montanuniversität wird die Bedeutung hervorgehoben: Für Markus Lehner, Leiter des Lehrstuhls für Verfahrenstechnik des industriellen Umweltschutzes, stellt die Anlage einen Meilenstein dar: „Diese Anlage ist ein wesentlicher Meilenstein in der Forschung für eine nachhaltige, klimaneutrale und leistbare Mobilität auch im Luftverkehr.“
SAF als Schlüssel zur Dekarbonisierung der Luftfahrt
Der weltweite Flugverkehr verursacht rund zwei bis drei Prozent der globalen CO₂-Emissionen. Sustainable Aviation Fuels gelten als zentrale Technologie, um diese Emissionen deutlich zu reduzieren. Über den gesamten Lebenszyklus hinweg können SAF die CO₂-Belastung um mehr als 80 Prozent senken.
Gleichzeitig steht die Technologie noch vor Herausforderungen: Produktionsprozesse sind derzeit oft ineffizient, kostenintensiv und nur begrenzt skalierbar. Genau hier setzt die neue Forschungsinfrastruktur in Leoben an, indem sie innovative Lösungsansätze entwickelt und optimiert.
Die neue SAF-Anlage unterstreicht die Rolle Österreichs als führender Innovationsstandort im Bereich klimafreundlicher Mobilität. Durch die Bündelung von wissenschaftlicher Exzellenz und industrieller Expertise leistet das Projekt einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung nachhaltiger Schlüsseltechnologien und zur Erreichung der europäischen Klimaziele im Luftverkehr.
