Kategorie Innovation & Technologie - 24. November 2025

ÖGUT-Umweltpreise 2025: Von Kreislaufwirtschaft, Innovation & herausragenden Frauen in der Umwelttechnik

BMIMI stand gleich für drei Kategorien Pate, das Projekt RecAL zum Aluminiumrecycling wurde als europäischer Meilenstein ausgezeichnet

Zum 38. Mal prämierte die ÖGUT (Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik) zukunftsweisende soziale und technische Innovationen mit dem Umweltpreis. Aus 252 Einreichungen wurden 27 Nominierungen und daraus 11 Preisträger:innen von unabhängigen Jurys ausgewählt.

Die ÖGUT feierte heuer auch 40jährigen Geburtstag © ÖGUT/Katharina Schiffl

Bundespräsident Alexander van der Bellen eröffnete Jahresempfang und Preisverleihung mit einer Video-Ansprache. Das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Industrie (BMIMI) hat auch 2025 drei zentrale Kategorien des ÖGUT-Umweltpreises unterstützt und damit Personen und Projekte ausgezeichnet, die technische Exzellenz, Klimaschutz und wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit verbinden. Von herausragenden Forscherinnen über KI-basierte Stadtlösungen bis hin zu einem europaweiten Vorzeigeprojekt für Aluminiumrecycling – die prämierten Initiativen zeigen, wie moderne Industriepolitik zur nachhaltigen Transformation beiträgt.

Weibliche Exzellenz sichtbar machen

Die BMIMI-geförderte Kategorie „Frauen in der Umwelttechnik“ konnte heuer 32 Einreichungen verzeichnen. Damit wurde einmal mehr gezeigt, wie Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Berufsfeldern Forschungsfortschritt und Nachhaltigkeit gleichermaßen prägen.

„32 Einreichungen in dieser Kategorie zeigen, wie Frauen in der Umwelttechnik Forschung, Innovation und Nachhaltigkeit verbinden – sie sind Pionierinnen einer nachhaltigen Zukunft und inspirierende Role Models für kommende Generationen in Österreich“, so Bundeminister Peter Hanke.

Ausgezeichnet wurden:

Beide Preisträgerinnen stehen für technologische Expertise, Innovationskraft und für die wachsende Bedeutung weiblicher Führung in Zukunftsbranchen.

KI als Schlüssel zur emissionsarmen Gebäudezukunft

In der ebenfalls vom BMIMI geförderten Kategorie „Klimaneutrale Stadt“ wurden 61 Projekte eingereicht – ein deutliches Zeichen, wie stark Städte und große Liegenschaftsverwaltungen an zukunftsgewandten und klimafreundlichen Lösungen arbeiten.

Preisträger 2025:
DiLT Analytics FlexCo & Bundesimmobiliengesellschaft (BIG)
mit dem Projekt „FaciliMind – KI-basierte Betriebsoptimierung“

Die Lösung nutzt künstliche Intelligenz, um Energieflüsse und Betriebssysteme großer Gebäudebestände präzise zu steuern. Dadurch können Verbrauch, Emissionen und Kosten gleichzeitig gesenkt werden – ein skalierbarer Ansatz, der insbesondere bei großen Immobilienportfolios erhebliches Klimaschutzpotenzial bietet.

RecAL als europäisches Vorzeigeprojekt ausgezeichnet

Einen weiteren ÖGUT-Umweltpreis konnte das EU-Großprojekt RecAL (Recycling technologies for circular ALuminium) einheimsen, das in der Kategorie „Mit Forschung & Innovation zur Kreislaufwirtschaft“ ausgezeichnet wurde. Unter der Leitung des LKR Leichtmetallkompetenzzentrums Ranshofen (AIT) zählt RecAL zu den ambitioniertesten europäischen Initiativen zur Transformation der Aluminiumindustrie.

Ein Meilenstein für nachhaltige Metallverarbeitung

RecAL steht für einen Paradigmenwechsel in der industriellen Aluminiumproduktion: Statt auf Primärmaterial zu setzen, entwickelt das Projekt neue Wege, Aluminium effizient zu recyceln und über eine digitale Plattform europaweit zu vernetzen.

© AIT

Das Projekt adressiert eine der zentralen Herausforderungen der Aluminiumindustrie: die effiziente Trennung, Sortierung und Wiederverwertung zunehmend komplexer werdender Legierungen. Moderne Aluminiumprodukte bestehen oft aus hochspezialisierten Materialzusammensetzungen, die für Leichtbau, Festigkeit oder Korrosionsbeständigkeit optimiert sind – Eigenschaften, die das Recycling erheblich erschweren. Verunreinigungen, gemischte Altlegierungen und schwer identifizierbare Fremdstoffe führen häufig dazu, dass wertvolles Material nicht hochwertig zurückgeführt werden kann und stattdessen in minderwertigen Anwendungen landet.

Den ÖGUT-Umweltpreis für das Projekt RecAL überreichte Kathrin Renz, Sektionsleiterin der Sektion I im BMIMI. © ÖGUT/Katharina Schiffl

RecAL setzt genau hier an: Das Projekt entwickelt neue Legierungsstrategien, die bewusst recycling-toleranter sind und höhere Anteile an Sekundäraluminium erlauben, ohne die mechanischen oder chemischen Eigenschaften des Endmaterials zu beeinträchtigen. Gleichzeitig entstehen automatisierte Sortier-, Analyse- und Aufbereitungsverfahren, die mithilfe von Robotik, Sensortechnik und datengetriebenen Algorithmen Störstoffe präzise erkennen, separieren und verarbeiten. Damit wird nicht nur die Reinheit des Rezyklats erhöht, sondern auch die industrielle Wiederverwendbarkeit erheblich ausgeweitet.

Europäische Zusammenarbeit für eine zirkuläre Zukunft

„Mit RecAL wollen wir zeigen, dass Hightech und Kreislaufwirtschaft kein Widerspruch sind“, erklärt Gerald Prantl, Projektleiter am LKR. „Wir schaffen die Basis für eine industrielle Zukunft, die Ökologie, Wettbewerbsfähigkeit und europäische Rohstoffresilienz verbindet.“

Ergänzt wird dieser technologisch-metallurgische Ansatz durch den Aufbau des digitalen „RecAL Hub“ – einer europaweiten Plattform, die Recyclatströme, innovative Technologien, Produzenten und Abnehmer in Echtzeit vernetzt. Die Plattform bündelt Daten zu Materialqualitäten, verfügbaren Recyclingkapazitäten, Transportwegen und Abnahmemöglichkeiten und ermöglicht so erstmals eine intelligente Steuerung eines aluminiumzirkulären Systems. Dieser digitale Backbone verwandelt bislang lineare Materialflüsse in einen geschlossenen, datenbasierten Kreislauf, der ökonomische Effizienz, ökologische Wirkung und Versorgungssicherheit vereint.

Unter der Leitung des LKR Leichtmetallkompetenzzentrums Ranshofen, einer 100-prozentigen Tochter des AIT, werden im Rahmen von RecAL 14 technologische Lösungen bis TRL 6 entwickelt – also bis zur industriellen Demonstration. Neben der Materialforschung stehen Robotik, Sensorik und digitale Zwillinge im Mittelpunkt, die Aluminiumströme über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg transparent, kontrollierbar und prognostizierbar machen.

Kreislaufwirtschaft als Innovationsmotor

Gemeinsam mit Partnern wie Cancom Austria, Gebauer & Griller, DLR, Fraunhofer Gesellschaft, ALUMIL, SWERIM, Benteler Automobiltechnik, Stena Aluminium und KU Leuven entsteht so ein europaweites Innovationsökosystem, das Energie-, Ressourcen- und Datenkreisläufe miteinander verbindet und neue Maßstäbe für die europäische Kreislaufwirtschaft setzt.

Mit dem Gewinn des ÖGUT-Umweltpreises 2025 setzt RecAL ein starkes Zeichen dafür, wie technologische Innovation und Nachhaltigkeit ineinandergreifen können. Die Auszeichnung unterstreicht die Schlüsselrolle österreichischer Forschung im Rahmen des Europäischen Green Deal – und zeigt, wie Europa seine Industrie schrittweise in Richtung einer klimaneutralen, ressourceneffizienten Zukunft transformieren kann.

Das im Rahmen von HORIZON EUROPE geförderte Projekt vereint 19 Partnerorganisationen aus neun europäischen Ländern – von Forschungseinrichtungen über Technologieanbieter bis hin zu industriellen Anwendern. Ziel ist es, die Akteure europaweit zu vernetzen, um den Anteil von Sekundäraluminium signifikant zu erhöhen, Ressourcen zu schonen und die CO₂-Bilanz der Branche nachhaltig zu verbessern.

BMIMI-Sektionschefin Kathrin Renz, die den Preis in dieser Kategorie überreichte, unterstrich die Bedeutung des Projekts: „RecAL zeigt: Wirtschaft und Klimaschutz gehören zusammen. Mit verlässlicher Förderung entstehen Schlüsseltechnologien, die Emissionen senken, die Kreislaufwirtschaft stärken und als Modell für Europas Industrie dienen.“

Der systemische Ansatz verbindet Materialforschung, Robotik, Sensorik, digitale Services und Datenkreisläufe und schafft damit eine integrierte technologische Grundlage für die Aluminiumindustrie der Zukunft.

So leistet RecAL einen wichtigen Beitrag zu den Zielen des Europäischen Green Deal, indem das Projekt die CO₂-Emissionen der Aluminiumproduktion deutlich reduziert, den Primärrohstoffbedarf drastisch verringert und zugleich die europäische Wertschöpfung sowie industrielle Resilienz stärkt. Durch die konsequente Transformation eines energieintensiven Industriesektors zeigt RecAL, wie industrielle Innovation, Klimaschutz und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit erfolgreich miteinander verbunden werden können. Die Jury würdigte das Projekt als vorbildlich und betonte seinen Modellcharakter weit über Österreich hinaus.

Weitere Auszeichnung für das AIT

Neben dem Erfolg von RecAL durfte sich das AIT Austrian Institute of Technology bei der diesjährigen ÖGUT-Preisverleihung über eine weitere bedeutende Auszeichnung freuen. Gemeinsam mit der Stadt Lienz erhielt das AIT den Umweltpreis in der Kategorie „Nachhaltige Kommune“. Ausgezeichnet wurde das gemeinsame Engagement für eine ganzheitliche, wissenschaftlich fundierte und zukunftsorientierte Stadtentwicklung, die Lienz konsequent auf Klimaneutralität bis 2040 ausrichtet.

Im Mittelpunkt des ausgezeichneten Projekts stehen ein umfassendes Konzept für die Innenstadtentwicklung, eine aktuelle Bilanz des Energieverbrauchs und der Treibhausgasemissionen sowie die Erstellung eines detaillierten Klimaneutralitätsplans. Dieser Plan berücksichtigt unterschiedliche Sektoren der Stadtentwicklung und wurde gemeinsam mit lokalen Akteur:innen in einem partizipativen Prozess erarbeitet. Damit setzt Lienz als österreichischer Vorreiter auf eine zukunftsfähige, datenbasierte Stadtentwicklung, die ökologische Verantwortung mit sozialer und wirtschaftlicher Stabilität verbindet.