17. April 2026
Österreich startet nächste Phase automatisierter Mobilität
Neue Modellregionen, zwei Leitprojekte und angepasster Rechtsrahmen – BMIMI leitet Übergang vom Labor in den Echtbetrieb ein – Hanke: „Wir bringen die Innovation auf die Straße“
BMIMI und Austria Tech haben die nächste Ausbaustufe der österreichischen Strategie für automatisierte Mobilität präsentiert. Nach zwölf Jahren Forschungsförderung mit einem Gesamtvolumen von 63,5 Millionen Euro und 83 abgeschlossenen Projekten leitet Österreich nun den Übergang in den erweiterten Testbetrieb ein – mit Fahrzeugflotten im Echtbetrieb, zwei konkreten Leitprojekten und einer Novellierung des Rechtsrahmens.
Im Mittelpunkt der Strategie stehen sogenannte Modellregionen: Anders als bisherige Pilotversuche mit Einzelfahrzeugen sollen dort ab 2028 Flotten von 20 bis 30 Fahrzeugen gleichzeitig im realen Betrieb eingesetzt und wissenschaftlich begleitet werden, als Überleitung aus dem Projekt ROBERTA. Das Ziel ist die Skalierung der Technologie – als Grundlage für einen späteren flächendeckenden Regelbetrieb. Die Auswahl der Regionen erfolgt nach klaren Kriterien: starke Forschungslandschaft, industrielles Ökosystem und ein konkreter Bedarf im öffentlichen Verkehr.
„Automatisierte Mobilität ist für mich kein Technologiethema. Es ist ein soziales Thema. Rund 1,5 Millionen Menschen in Österreich leben in Regionen mit unzureichendem öffentlichem Verkehr. Das sind Familien, die zwei Autos brauchen, weil es keine Alternative gibt. Das sind ältere Menschen im ländlichen Raum, die weiter mobil sein wollen. Diesen Menschen schulden wir Antworten – und automatisierte Mobilität ist eine davon“, so Hanke.
Fokus auf öffentlichem Verkehr
Österreich verfolgt dabei bewusst einen anderen Ansatz als etwa die USA, wo automatisiertes Fahren vor allem auf den Individualverkehr und Robotaxis in Großstädten ausgerichtet ist. Darum geht es hier nicht. Der österreichische Fokus liegt auf dem öffentlichen Verkehr, auf dem ländlichen Raum und auf Inklusion. Das Leitprojekt ROBERTA setzt diesen Anspruch konkret um: Vollautomatisierte Busse auf dem höchsten Automatisierungslevel für den öffentlichen Betrieb (SAE Level 4) sollen bis 2030 im echten Linienbetrieb erprobt werden – mit einem Fördervolumen von rund 3,5 Millionen Euro.
Den rechtlichen Rahmen dafür schafft die Novellierung der Automatisiertes Fahen Verordnung gemeinsam mit einer KFG-Novelle: Sie ermöglicht fahrerloses Fahren unter Aufsicht im öffentlichen Raum und legt damit die Basis für Flottenbetrieb und gewerbliche Anwendungen im Testrahmen. Dazu kommt die Ermöglichung des automatischen Spurwechselvorgangs auf Autobahnen und Schnellstraßen im Regelbetrieb. Österreich unterzeichnet zudem Ende April die europäische Cross-Border-Initiative für automatisierte Mobilität und gestaltet damit die europäischen Standards aktiv mit.
„Wir investieren seit zwölf Jahren in diese Technologie. Jetzt ist die Zeit des bloßen Testens in isolierten Umgebungen vorbei. Wir schaffen die Voraussetzungen dafür, dass diese Innovation bei den Menschen ankommt – im ländlichen Raum genauso wie in der Stadt. Und wir sorgen dafür, dass die Wertschöpfung dabei in Österreich bleibt“, betonte Hanke.
Im Herbst 2026 wird Mobilitätsminister Hanke einen Gipfel aller Schlüsselakteure aus Wirtschaft, Forschung und Gesellschaft einberufen, um gemeinsame Roadmaps und Finanzierungsstrategien für die weitere Entwicklung abzustimmen. Bei diesem Gipfel werden die Anforderungen für die Modellregionen festgelegt. Bis Mitte 2027 erfolgt der Auswahlprozess, die Konzepte und die Finanzierung werden finalisiert sowie die Beschaffung in die Wege geleitet damit im Jahr 2028 der Betrieb in den Modellregionen starten kann.




