24. Juli 2026

Schlüsselwerkstoff: AIT entwickelt effizienteres Verfahren zur Titanbearbeitung

AIT-Forschende entwickeln Verfahren, das die Bearbeitung des Hochleistungswerkstoffs bei deutlich niedrigeren Temperaturen ermöglicht – mit vielen Vorteilen für Raumfahrt und Industrie

Titan zählt zu den wichtigsten Werkstoffen der Luft- und Raumfahrt. Das Metall vereint hohe Festigkeit mit geringem Gewicht und ist zugleich korrosionsbeständig – Eigenschaften, die es für Satelliten, Trägerraketen und Raumfahrzeuge unverzichtbar machen. Die Verarbeitung des Materials gilt jedoch als aufwendig und energieintensiv.

In Ranshofen wurde ein neuartiges Heißtiefziehverfahren entwickelt. © AIT /Zinner

Forschenden des AIT Austrian Institute of Technology ist nun ein Verfahren gelungen, das die Umformung von Titan bei deutlich moderateren Temperaturen ermöglicht. Dadurch sinken sowohl der Energiebedarf als auch der Materialverschleiß in der Produktion. Das könnte die Herstellung von Bauteilen für die Raumfahrt künftig wirtschaftlicher und nachhaltiger machen.

Bislang muss Titan häufig bei sehr hohen Temperaturen verarbeitet werden, damit sich das widerstandsfähige Metall in die gewünschte Form bringen lässt. Das neue Verfahren setzt dagegen auf eine optimierte Prozessführung, die ähnliche Ergebnisse bei niedrigeren Temperaturen erzielt. Neben geringeren Energiekosten profitieren davon auch Werkzeuge und Produktionsanlagen, die weniger stark belastet werden.

Gerade für die Luft- und Raumfahrt ist dies von besonderem Interesse. Jedes Kilogramm Gewicht zählt, weshalb Titan seit Jahrzehnten zu den bevorzugten Werkstoffen für Strukturbauteile, Antriebskomponenten oder Befestigungselemente gehört. Gleichzeitig steigen mit der zunehmenden Zahl an Satelliten und neuen Trägerraketen auch die Anforderungen an eine ressourcenschonende Fertigung.

Die Forschenden sehen ihre Entwicklung daher nicht nur als Beitrag zur Dekarbonisierung der Industrie, sondern auch als Möglichkeit, die Produktion von Hochleistungsbauteilen effizienter zu gestalten. Das Verfahren eignet sich grundsätzlich ebenso für Anwendungen in der Luftfahrt, der Medizintechnik oder der Automobilindustrie, wo Titan aufgrund seiner besonderen Materialeigenschaften ebenfalls eingesetzt wird.