Kategorie Innovation & Technologie - Vor 8 Stunden

In Seibersdorf entsteht ein modernstes Labor für maßgeschneiderte Krebsmedikamente

17-Millionen-Euro-Investition soll Österreichs Position in der Präzisionsmedizin stärken – Produktionsbetrieb ab 2028 geplant

In Seibersdorf (Bezirk Baden) ist am Montag ein neues Labor- und Produktionsgebäude für Radiopharmazeutika eröffnet worden. Die Seibersdorf Laboratories, eine Tochtergesellschaft des AIT Austrian Institute of Technology, investierten rund 17 Millionen Euro in die neue Infrastruktur. Nach Unternehmensangaben handelt es sich um eine der größten Produktionsstätten dieser Art in Europa. Der operative Betrieb im neuen Gebäude soll 2028 aufgenommen werden.

 

Mit der Investition sollen die Kapazitäten für die Entwicklung und Herstellung innovativer radioaktiver Arzneimittel erweitert werden. Diese kommen insbesondere in der Krebsdiagnostik und -therapie zum Einsatz. Sie ermöglichen es, Tumorgewebe mithilfe radioaktiver Substanzen sichtbar zu machen oder gezielt zu behandeln. Ein wichtiges Anwendungsgebiet ist dabei Prostatakrebs.

„Das AIT Austrian Institute of Technology leistet einen wichtigen Beitrag dazu, wissenschaftliche Exzellenz in konkrete Innovationen und wirtschaftliche Wertschöpfung zu übersetzen. Mit dem neuen Radiopharmaka-Labor in Seibersdorf zeigt sich, wie diese Expertise gemeinsam mit hochspezialisierten Tochterunternehmen in einem medizinischen Zukunftsfeld Wirkung entfaltet. Die Investition stärkt Österreichs Position in der Entwicklung und Produktion innovativer Radiopharmazeutika, fördert die internationale Wettbewerbsfähigkeit unseres Forschungs- und Technologiestandorts und schafft wichtige Voraussetzungen für die Medizin der Zukunft“, erklärte Innovationsminister Peter Hanke bei der Eröffnung.

Präzise Krebsmedizin für Österreich und die Welt

Das neue Gebäude wurde in den vergangenen zwei Jahren am Tech Campus Seibersdorf errichtet. Die Produkte sollen nicht nur die Versorgung von Patientinnen und Patienten in Österreich unterstützen, sondern auch nach Europa und Übersee geliefert werden. Derzeit werden in Seibersdorf bereits Radiopharmazeutika für klinische Studien hergestellt. Die bestehende Produktion soll schrittweise in die neue Anlage übersiedeln.

Alexander Svejkovsky, Geschäftsführer des AIT Austrian Institute of Technology, hob zur Eröffnung die Bedeutung des Technologietransfers und der langjährigen Kooperationen mit Unternehmen aus Industrie, Pharma und Forschung hervor. Mit der neuen Infrastruktur könne diese Zusammenarbeit weiter ausgebaut und der Zugang zu einem internationalen Wachstumsmarkt erleichtert werden. „Eine zentrale Aufgabe des AIT ist es, wissenschaftliche Exzellenz in praktische Anwendung zu bringen“, sagte Svejkovsky.

Die Seibersdorf Laboratories fungieren als Auftrags-, Entwicklungs- und Produktionsdienstleister (CDMO) für Pharma- und Biotechnologieunternehmen sowie Kliniken. Neben der Herstellung radiopharmazeutischer Wirkstoffe entwickelt das Unternehmen auch entsprechende Produktionsverfahren und Analysemethoden.

Für Markus Neumann, Geschäftsführer der Seibersdorf Laboratories ist das neue Labor entscheidend, um die Produktionskapazitäten zu erweitern und die weltweit steigende Nachfrage nach Radiopharmazeutika bedienen zu können. Mit der langjährigen Expertise des Standorts in der GMP-Produktion, Radiochemie und im Strahlenschutz sei das Ziel nun, „die Versorgung mit innovativen Medikamenten für die Krebsbehandlung auf hohem Qualitäts- und Sicherheitsniveau sicherzustellen“.

Neue Möglichkeiten in der Krebstherapie

Radiopharmazeutika werden sowohl für diagnostische als auch für therapeutische Zwecke eingesetzt. Diagnostische Präparate ermöglichen bildgebende Untersuchungen, etwa mittels PET-Scans. Ein Beispiel ist F18-FDG, eine radioaktiv markierte Glukose, mit der Stoffwechselvorgänge im Körper sichtbar gemacht werden können.

Therapeutische Radiopharmazeutika kombinieren ein radioaktives Nuklid mit einer chemischen Verbindung, die gezielt an bestimmte Strukturen im Tumorgewebe bindet. Dadurch soll die Strahlung möglichst direkt am erkrankten Gewebe wirken und das umliegende gesunde Gewebe weniger belasten. Zahlreiche dieser Wirkstoffe befinden sich laut Unternehmen derzeit noch in klinischen Studien. Eine breitere Produktion ist nach entsprechender Marktzulassung möglich.

Ein bedeutendes Einsatzgebiet ist die Behandlung von Prostatakarzinomen. Diese sind nach Auskunft des Unternehmens mit einem Anteil von rund 25 Prozent die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Österreich. Mehr als 65.000 Menschen seien derzeit betroffen.

Die Seibersdorf Laboratories verfügen nach eigenen Angaben über jahrzehntelange Erfahrung im Umgang mit radioaktiven Substanzen sowie über Kompetenzen in Radiochemie, Strahlenschutz und pharmazeutischer Produktion nach GMP-Qualitätsstandards. In der Entwicklung und Herstellung arbeiten unter anderem Ingenieurinnen und Ingenieure, Physikerinnen und Physiker sowie Chemikerinnen und Chemiker zusammen.

Mit dem neuen Gebäude will das Unternehmen insbesondere die Produktion für den internationalen Markt ausbauen. Hintergrund ist der steigende Bedarf an spezialisierten Produktionspartnern für neue radiopharmazeutische Wirkstoffe und Anwendungen in der Präzisionsmedizin.