29. Juli 2026
So sehen die Waldbrände in Südeuropa aus dem All aus
Die aktuellen Waldbrände in Südeuropa gelten schon jetzt als die extremsten ihrer Art. Verheerende Brände wüten in der Region Madrid sowie in den Provinzen Ávila und Valencia und führen zu zehntausenden Evakuierungen. Im Südwesten Frankreichs bei Bordeaux bedrohen Großbrände mehrere Ortschaften, auch hier mussten zehntausende Menschen ihr Zuhause verlassen. Auch in Kalabrien und Sizilien brennt es infolge von Trockenheit und teils vorsätzlichen Brandstiftungen an mehreren Stellen.
Im Kampf gegen die verheerenden Waldbrände blicken die Einsatzkräfte nun mit Sorge auf eine neue Hitzewelle: Für Frankreich und Spanien erwarteten Meteorologinnen und Meteorologen spätestens ab heute sengende Temperaturen, teils von mehr als 40 Grad. An der französischen Atlantikküste kämpften die Einsatzkräfte gegen zahlreiche wieder aufflammende Feuer.
Rekordfläche bereits verbrannt
Dabei gibt es vor allem im Südwesten Europas Flammen und Rauch in Ausmaßen, die selbst den Satelliten der ESA-Erdbeobachtung nicht verborgen bleiben. Aufnahmen der Copernicus-Sentinel-2-Mission, die am 26. Juli aufgenommen wurden, zeigen das Gebiet westlich von Bordeaux im Südwesten Frankreichs, wo Waldbrände weiterhin die Landschaft verwüsten. Am Wochenende wurden Berichten zufolge fast 220.000 Menschen aus der Region Gironde evakuiert, die für ihre Weinberge, Kiefernwälder und Sumpfgebiete bekannt ist.
Fires in France have now burned over 91,000 acres, by far the most of any year since the satellite record started in 2006. Current area burned is about 34x larger than this date in a typical (median) year:
— Zeke Hausfather (@zekehausfather.com) 28. Juli 2026 um 05:45
Ein Gebiet, das mindestens viermal so groß ist wie Paris, soll durch die Waldbrände verwüstet worden sein. Das verdunkelte Gebiet ist auf dem Echtfarbbild nördlich der Bucht von Arcachon zu sehen. Auf diesem Bild wurden Infrarotdaten von Copernicus Sentinel-2 hinzugefügt, um die aktiven Brände darzustellen, insbesondere in der Mitte und im oberen Bereich des Bildes. Das zweite Bild (rechts) ist ein Falschfarbenbild von Sentinel-2, das die Vegetation rot hervorhebt und die verbrannte Landschaft deutlich in Dunkelbraun zeigt – diese sollte nicht mit der Bucht von Arcachon und den beiden Seen am oberen Bildrand verwechselt werden, die ebenfalls als dunkle Bereiche erscheinen.
Wildfires in France and Spain seen from space🔥
These Copernicus Sentinel-2 images, captured on 26 July, show major fires near Bordeaux in France and near ESA’s Cebreros ground station in Spain. Burned areas appear dark, while infrared data help identify locations where fires were still active.
— ESA Earth Observation (@esaearth.esa.int) 27. Juli 2026 um 17:28
Auch in Spanien wurde eine neue Hitzewelle erwartet, sie soll am Mittwoch beginnen und laut dem Wetterdienst bis zum Ende der Woche dauern. Die Höchstwerte können demnach auf bis zu 42 Grad steigen.
Nach Angaben des spanischen Innenministeriums wurden bisher rund 63.000 Menschen vor den Flammen in Sicherheit gebracht. Seit Jahresbeginn sind demnach bereits 175.000 Hektar Land verbrannt – das ist das Sechsfache der vernichteten Fläche im Vorjahreszeitraum.
#Europe is burning!
Impressive @copernicusecmwf.bsky.social CO Total column map of July 26 showing the CO plume generated by #wildfires in #France and #Spain .
More than 325,000 people have been evacuated, while over 42,000 hectares have burned and #smoke plume crossed the Mediterranean.— adamplatform.bsky.social (@adamplatform.bsky.social) 27. Juli 2026 um 11:28
Auch für Österreich bringt nach einer kurzen Entspannung die prognostizierte neue Hitzewelle wieder erhöhte Waldbrandgefahr mit sich. Nach den aktuellen Risikokarten des Umweltministeriums konzentrieren sich Gebiete mit hoher Gefährdung auf das östliche Niederösterreich, Teile Kärntens sowie inneralpine Trockentäler Tirols.
Das heurige Frühjahr war das trockenste der österreichischen Messgeschichte – einhergehend mit mehr als 160 Waldbränden. Im Juni hatte sich die Situation kurzfristig entspannt. Die anhaltende Hitzewelle zu Beginn des Sommers ließ aber auch die Gefahr für Waldbrände wieder signifikant ansteigen. Im Juli wurden wieder ca. 70 Waldbrände in Österreich dokumentiert.
Waldbrandgefahr in Österreich regional verschieden
Die Waldbrandgefahr ist in Österreich je nach Region unterschiedlich hoch. Als besonders gefährdet gelten trockene inneralpine Täler sowie niederschlagsarme Gebiete mit ausgedehnten Kiefern- und Föhrenbeständen. Aktuell betrifft dies vor allem das östliche Niederösterreich, Teile Kärntens und die inneralpinen Trockentäler Tirols. Diese Regionen weisen aufgrund klimatischer, topografischer und sozioökonomischer Faktoren eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Waldbränden auf. Langfristige Auswertungen zeigen darüber hinaus, dass sich das Waldbrandrisiko zunehmend auch auf Teile der Südsteiermark und des Burgenlandes ausweitet.
Statistisch betrachtet treten die meisten Waldbrände in Österreich im Frühjahr auf. Im Hochsommer (Juli und August) zeigt sich, wie auch heuer wieder, ein weiteres Maximum.
Zahlreiche Waldbrandverordnungen in Kraft
Aufgrund der hohen Waldbrandgefahr sind in den meisten Bezirken Österreichs bereits Waldbrandverordnungen in Kraft. Diese untersagen insbesondere brandgefährliche Handlungen wie Entzünden von Feuer oder Rauchen im Wald und in Waldnähe. Bei Verstoß drohen Geldstrafen von bis zu 7.270 Euro oder eine Freiheitsstrafe von bis zu vier Wochen. Ob eine Waldbrandverordnung gilt, erfährt man am schnellsten direkt bei der zuständigen Gemeinde oder der örtlichen Bezirkshauptmannschaft.
Eine sehr ernst zu nehmende Gefahr ist das Übergreifen eines Waldbrandes auf Siedlungsraum oder Infrastruktur, wie man es derzeit in Frankreich und Spanien beobachten kann. In Österreich ist rund die Hälfte der Landesfläche bewaldet, vielerorts grenzen Wälder unmittelbar an Siedlungsgebiete. Ein Viertel der Waldfläche besteht hier aus Schutzwäldern, die Gebäude und Infrastruktur vor Naturgefahren sichern.
Expertinnen und Experten sind sich einig, dass der Klimawandel Waldbrände stark begünstigt und verschlimmert. Die Auslöser für Brände sind zwar meist Menschen, aber Hitze und Trockenheit schaffen erst die gefährlichen Bedingungen, um sinnbildlich aus einem einzigen Funken solche Flächenbrände zu verursachen.
Dass Waldbrände in Europa zunehmen, hängt also eng mit der menschengemachten Erderwärmung zusammen. Höhere Temperaturen führen dazu, dass mehr Wasser verdunstet und Böden sowie Vegetation stärker austrocknen, wodurch sich auch die Feuersaison an sich verlängert. Sie beginne laut Expertinnen früher im Jahr und reiche weiter in den Herbst hinein. Das Zeitfenster, in dem Brände entstehen können, werde damit immer größer.


