Kategorie Innovation & Technologie - 22. September 2025
Speichertechnologien als Schlüssel zur Wärmewende
Die Wärmewende ist ein zentraler Bestandteil der Energiewende und essentiell, um die Klimaziele zu erreichen. Der Umstieg auf eine klimafreundliche, erneuerbare Wärmeversorgung erfordert dabei nicht nur den Ausbau von Photovoltaik, Windkraft und weiteren erneuerbaren Energieträgern sondern auch den gezielten Einsatz von Speichertechnologien. Denn genau wie bei der Stromerzeugung sind auch viele erneuerbare Wärmequellen Schwankungen unterworfen – sie stehen nicht immer dann zur Verfügung, wenn die Wärme gebraucht wird.
Der österreichische Energiebedarf lag 2024 bei 287 Terawattstunden (TWh), beinahe die Hälfte davon ging auf den Wärmesektor zurück. Während Österreichs Stromerzeugung 2024 bereits zu fast 90 Prozent auf Erneuerbare zurückging, wird bisher nur etwa ein Drittel der benötigten Wärmeenergie aus erneuerbaren Quellen bereitgestellt. Deshalb liegt es auf der Hand, dass neben Stromspeichersystemen auch die Wärmespeicherung gewaltig an Bedeutung gewinnt.

Bohrungen für die Dämmbohrpfahlwand. Dabei werden diverse Materialien für einen möglichen Einsatz beim späteren Bau des Wärmespeichers getestet. © Wien Energie/Michael Horak
Speicheranlagen werden bei der Umsetzung der Energiewende eine ganz zentrale Rolle spielen, da sie Schwankungen zwischen der Erzeugung und dem Verbrauch von Energie ausgleichen können. Leistungsfähige Strom- und Wärmespeicher sorgen dafür, dass Energie aus erneuerbaren Quellen wie Wind, Sonne oder auch Geothermie jederzeit sicher zur Verfügung steht. Sie ermöglichen es, die Lücken zwischen Angebot und Nachfrage über Stunden, Tage bis hin zu saisonalen Zeiträumen zu überbrücken und tragen somit maßgeblich zur Versorgungssicherheit, Systemeffizienz und zur Abkehr von fossilen Brennstoffen im Wärmesektor bei.
Wärmespeicher für viele Anwendungen
Je nach Speichermedium, Speicherkapazität und Ausspeicherdauer eignen sich unterschiedliche Speichertechnologien für verschiedene Anwendungsbereiche: Zum einen die kurzfristige Speicher, wie Warmwasserspeicher oder Pufferspeicher, die zur Tag-Nacht-Lastverschiebung oder zur optimierten Nutzung von Wärmepumpen und Solarthermieanlagen eingesetzt werden und für den Einsatz in Ein- und Mehrfamilienhäusern, oft gekoppelt mit Wärmepumpen oder Solaranlagen, prädestiniert sind. Zum anderen gibt es Langzeitspeicher, etwa auf Basis thermochemischer Prozesse, Hochtemperaturspeicherung oder saisonaler Erdbecken- bzw. sogenannter Aquiferspeicher, die eine saisonale Speicherung von Wärme ermöglichen. Sie sind damit ein ganz wichtiger Baustein für die Versorgung in den Wintermonaten.
- Bau eines Großwärmespeichers © Energiewerk Ilg
- Ein hybrides Speichersystem macht das EVN-Kraftwerk Theiß zu einem zukunftsfähigen Energieknoten. © C.Stadler/Bwag
- Wärmespeicher und Solarkollektoren, © Arcon-Sunmark
In der Industrie bieten Wärmespeicher die Möglichkeit, Abwärme effizient zu nutzen oder Stromüberschüsse thermisch zwischenzuspeichern, um Prozesswärme CO2-neutral bereitstellen zu können. Für die langfristige Energiespeicherung spielt auch die Sektorkopplung eine zentrale Rolle. Dabei werden verschiedene Formen der Energieaufbringung, wie z. B. der Stromsektor mit dem Gas- und Wärmesektor, durch die Umwandlung und Speicherung von Energie verknüpft. Technologien zu Sektorkopplung sind etwa Power-to-Heat- oder Power-to-Gas-Systeme, die die Integration von erneuerbaren Energien ermöglichen und die Flexibilität im Energiesystem weiter erhöhen. Dazu können thermische Speicher auch zur Rückverstromung genutzt werden.
Klar ist, dass die Wärmewende nur gelingen kann, wenn Speichertechnologien strategisch integriert und weiterentwickelt werden. Sie sind der Schlüssel, um erneuerbare Wärme verlässlich, effizient und flächendeckend verfügbar zu machen.
Forschungsbedarf & Demonstration
Um Schlüsseltechnologien aus diesem Bereich zur Marktreife zu bringen, ist auch vertiefte Forschung und Innovation unerlässlich. Das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) unterstützt ganz gezielt die Forschung und Entwicklung im Bereich der Wärmespeichertechnologien. Im Fokus steht dabei eine Reduzierung der Investitionskosten, eine längere Lebensdauer und höhere Effizienz, ein kompaktes Design sowie die hohe Sicherheit der Systeme.
Wichtige Themen in aktuellen nationalen und internationalen Forschungsprojekten sind die Auswahl der geeigneten Speichertechnologie, die Entwicklung von neuen Materialien und Komponenten, die Integration von Speichersystemen ins Energiesystem sowie Methoden für das Monitoring und die Betriebsoptimierung. Eine zentrale Rolle für die Weiterentwicklung und Markteinführung spielt die Umsetzung von Demonstrationsanlagen. Weiters müssen passende rechtliche Rahmenbedingungen und neue Geschäftsmodelle entwickelt werden. In dieser Ausgabe stellen wir einige österreichische Vorreiterprojekte zum Thema Wärmespeicher vor und berichten über die Mitwirkung österreichischer Expert:innen an den Technologieprogrammen der Internationalen Energieagentur zum Thema Energiespeicherung.



