Kategorie Mobilität - 1. Juli 2026

Sperren der deutschen Bahn haben auch Auswirkungen auf Österreichs Bahnverkehr

Die bereits bekannt gewordenen Bahnsperren aufgrund von Sanierungsarbeiten in Deutschland in den Jahren 2026 bis 2028 werden im Personen- und Güterverkehr in Österreich und hier besonders in Tirol zum Teil massive Auswirkungen haben. Es kommt zu großräumigen Umleitungen, Schienenersatzverkehren und längeren Fahrzeiten. „Extrem belastend“ werde die Sperre im ersten Halbjahr 2028 zwischen München und Rosenheim sein, wie etwa ÖBB-CEO Andreas Matthä am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Innsbruck festhielt.

Diese „zweimonatige Totalsperre“ werde „massive Auswirkungen“ für die „zentrale Brennerachse“ haben, betonte Matthä bei seinem Besuch der Wirtschaftskammer Tirol. Es werde eine große Herausforderung, hätte aber auch viel schlimmer kommen können. Die Dauer der Sperre sei nun bereits von ursprünglich geplanten sechs auf nunmehr zwei Monate im Jahr 2028 reduziert worden.

Vor großen Herausforderungen stehen die ÖBB aber auch jetzt schon durch die bereits am 14. Juni begonnene Bahnsperre Passau-Obertraubling bei Regensburg, sagte Matthä. Das gelte auch für die 2027 kommende Sperre Freilassung-Rosenheim, die mit 8. Februar beginnen und aus aktueller Sicht bis 9. Juli 2027 anhalten werde. Letztere habe eine Gesamtsperre des sogenannten „Deutschen Eck“ zur Folge, strich Matthä heraus. „Hier und bei anderen Strecken rächt sich jetzt, dass Deutschland seit Jahrzehnten zu wenig in die Bahninfrastruktur investiert hat“, übte der ÖBB-CEO deutliche Kritik. Betroffen sei durch die Sperre des „Deutschen Eck“ jedenfalls der gesamte Ost-West-Fernverkehr sowie der internationale Nord-Süd-Güterverkehr über den Brenner. „Hier wird deutlich, dass, wenn Deutschland einen Schnupfen hat, Österreich eine Grippe hat“, wie Matthä veranschaulichte.

„Achillesferse“ Deutsches Eck

Die Sperren auf der deutschen Schieneninfrastruktur wirken sich bereits auf den Bahnverkehr aus. Im Abschnitt Passau–Obertraubling werden täglich bis zu 120 Güterzüge über Salzburg umgeleitet, zudem wird eine zusätzliche Verbindung zwischen Wien und München über Salzburg angeboten. Während der Sperre zwischen Freilassing und Rosenheim ab Februar kommenden Jahres werden Züge zwischen Wien und München über Passau geführt. Verbindungen zwischen Wien und Zürich verkehren über Bischofshofen, außerdem wird für Fernverkehrszüge ein Schienenersatzverkehr zwischen Salzburg und Kufstein beziehungsweise Innsbruck eingerichtet. Die Umleitungen führen insgesamt zu längeren Fahrzeiten und erfordern auch Anpassungen bei Logistik- und Transportabläufen.

Vertreter aus Tirol bezeichneten das „Deutsche Eck“ als kritischen Engpass für den Bahnverkehr nach Westösterreich. Sie verwiesen auf einen erheblichen Investitionsrückstand auf deutscher Seite und warnten vor großen Herausforderungen in den kommenden zwei Jahren. Zugleich betonten sie die Notwendigkeit der Bauarbeiten sowie einer leistungsfähigen Schieneninfrastruktur. Für die Wirtschaft seien vor allem eine frühzeitige Information über Einschränkungen und verlässliche Planung entscheidend, da viele exportorientierte Betriebe auf funktionierende Bahnverbindungen angewiesen seien.

BBT-Nordzulauf und BBT-Inbetriebnahme im Fokus

Abseits der Sperren wurden bei dem Pressegespräch auch andere Bahn-Projekte thematisiert: Zum Beispiel der deutsche Nordzulauf für den Brennerbasistunnel (BBT). Während die Pläne des viergleisigen, rund 3,5 Mrd. teuren Ausbaus auf österreichischer Seite auf Schienen sind, gibt es für den Zulauf auf deutscher Seite noch kein grünes Licht.

Zuletzt war eine verzögerte Inbetriebnahme des BBT im Jahr 2034 (statt 2032) im Raum gestanden. Matthä sagte dazu am Dienstag, dass man grundsätzlich an der Inbetriebnahme 2032 festhalte. Allerdings würden noch gewisse Risken bestehen, die eine Verschiebung um bis zu zwei Jahre notwendig machen könnten: „Das wird derzeit noch geprüft, ein Ergebnis liegt bisher nicht vor.“ Matthä gab damit im Prinzip dasselbe zu verstehen wie die Brennerbasistunnelgesellschaft BBT SE. Diese hatte im März angekündigt, im Laufe des heurigen Jahres ein aktualisiertes Bauprogramm vorzulegen. Eine angebliche Verschiebung auf 2034 wollte man jedenfalls definitiv nicht bestätigen. Auch Mobilitätsminister Peter Hanke möchte an dem Zeitplan festhalten und bezeichnete diesen im März ebenfalls als „aktuell nicht gefährdet“.

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