22. April 2026

Klimafonds-Studie: Österreich kann Klimaziele mit erneuerbaren Energien bis 2040 erreichen

Der Krieg im Iran hat eine internationale Energiekrise ausgelöst, deren Ende und Auswirkungen derzeit nicht vollständig abschätzbar sind. Hohe Öl- und Gaspreise haben uns einmal mehr die nach wie vor große Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen vor Augen geführt. Viele Staaten in Europa treibt es so wieder vermehrt Richtung Erneuerbare. Könnte die Krise in Nahost also die Energiewende weltweit vorantreiben? Ist der Ausbau erneuerbarer Energien, von Netzen und Speichern die adäquate Reaktion auf fossile Verwundbarkeit und geopolitische Krisenherde?

Eine aktuelle Studie zu den Potentialen erneuerbarer Energien in Österreich zeigt: Das Land verfügt über umfangreiche Möglichkeiten, seine Energieversorgung nachhaltig umzubauen – und könnte bei konsequenter Umsetzung seine Klimaziele bis 2040 erreichen. Die Analyse wurde im Auftrag des Klima- und Energiefonds durchgeführt und liefert erstmals eine einheitliche sowie bis auf Gemeindeebene detaillierte Bewertung der Potentiale für 2030 und 2040.

Konsequenter Ausbau nötig

Die Ergebnisse machen deutlich, dass weniger technische Grenzen als vielmehr Rahmenbedingungen über den Erfolg entscheiden. Infrastruktur, Flächenverfügbarkeit und gesellschaftliche Akzeptanz gelten als zentrale Faktoren.

Infrastrukturminister Peter Hanke betont die Bedeutung moderner Netze: „Der Ausbau erneuerbarer Energien ist untrennbar mit einer modernen, leistungsfähigen Infrastruktur verbunden. Nur durch den konsequenten Ausbau und die Weiterentwicklung unserer Strom- und Wärmenetze sowie durch zusätzliche Speicher- und Flexibilitätslösungen können wir die vorhandenen Potenziale tatsächlich nutzen.“

Eine klimaneutrale Zukunft erfordere neben dem Ausbau erneuerbarer Energien auch Effizienzmaßnahmen und eine nachhaltige Nutzung regionaler Ressourcen.

Photovoltaik und Wind als zentrale Treiber

Im Stromsektor identifiziert die Studie besonders große Potentiale bei Photovoltaik und Windkraft. Photovoltaik kann bis 2040 einen Beitrag von bis zu rund 50 TWh pro Jahr leisten, mit einem klaren Schwerpunkt auf Gebäuden und bereits versiegelten Flächen. Die Windenergie erreicht je nach Entwicklungspfad bis zu rund 42 TWh pro Jahr. Die Wasserkraft bleibt eine tragende Säule der Stromversorgung; zusätzliche Beiträge ergeben sich vor allem durch die Optimierung bestehender Anlagen und liegen insgesamt bei bis zu rund 10 TWh pro Jahr.

Wärmewende im Fokus

Auch im Wärmesektor zeigen sich große Möglichkeiten. Umweltwärme, Geothermie und Wärmepumpen könnten jeweils bis zu 20 TWh jährlich beitragen. Ergänzt werden diese durch Abwärme, Solarthermie und – je nach Standort – tiefe Geothermie.

Bioenergie bleibt ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Energieversorgung. Ihr Potential liegt bis 2040 zwischen 59 und 72 TWh jährlich, wobei eine effizientere Nutzung – etwa in der Industrie – zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Gebäude als Schlüssel zur Energiewende

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die Rolle von Gebäuden und bestehender Infrastruktur. Besonders bei Photovoltaik liegt der Großteil der Potentiale auf Dächern, Fassaden und bereits genutzten Flächen. Diese flächenschonende Nutzung erhöht die Akzeptanz und reduziert Nutzungskonflikte.

Gleichzeitig zeigt sich: Der Ausbau erneuerbarer Energien muss eng mit dem Ausbau der Netze sowie mit Speicher- und Flexibilitätslösungen verzahnt werden. Nur so kann die schwankende Energieerzeugung zuverlässig integriert werden.

Die Studie arbeitet mit verschiedenen Entwicklungspfaden – von „Low“ bis „High“. Während im schwächsten Szenario zentrale Klimaziele verfehlt werden, zeigt das ambitionierte Szenario: Eine nahezu vollständige Versorgung mit erneuerbaren Energien ist bis 2040 realistisch.

Durchgeführt wurde die Studie unter Leitung des AIT Austrian Institute of Technology gemeinsam mit Partnern wie dem Umweltbundesamt und der Technische Universität Wien. Sie soll als Entscheidungsbasis für Politik, Wirtschaft und Raumplanung dienen.

Zusätzlich wurden die Ergebnisse in einer öffentlich zugänglichen Webplattform aufbereitet, die eine detaillierte Analyse bis auf Gemeindeebene ermöglicht.

Fest steht: Österreich hat die technischen Voraussetzungen für eine klimaneutrale Energiezukunft. Ob dieses Potential ausgeschöpft wird, hängt vor allem vom politischen Willen, von Infrastrukturinvestitionen und gesellschaftlicher Unterstützung ab.

Für zukünftige energiepolitische Entscheidungen ist die neue Studie nun eine zentrale Datengrundlage. Klima- und Energiefonds Geschäftsführer Bernd Vogl: „Durch die Kombination aus technologischer Detailanalyse, räumlicher Verortung und der Einbettung in allgemeine Rahmenbedingungen bietet sie eine fundierte Basis für den zielgerichteten Ausbau erneuerbarer Energien in Österreich.“

Zur Studie: https://www.klimafonds.gv.at/publikation/erneuerbare-energiepotenziale-in-oesterreich-fuer-2030-und-2040/