11. August 2026

Türkeibesuch: Bundesminister Hanke traf türkischen Amtskollegen Uraloğlu

Mobilitätsminister Hanke traf in Ankara seinen Amtskollegen Uraloğlu – „Mittlerer Korridor“ als wachsende Logistikroute und neues Luftverkehrsabkommen im Fokus

Im Rahmen des offiziellen Besuchs von Bundeskanzler Christian Stocker in der Türkei, der am Dienstag mit der Heimreise zu Ende ging, traf Infrastruktur- und Mobilitätsminister Peter Hanke seinen türkischen Amtskollegen Abdulkadir Uraloğlu. Im Mittelpunkt des Gesprächs am Montag standen die Weiterentwicklung des „Mittleren Korridors“, der Ausbau grenzüberschreitender Verkehrsinfrastruktur und die Vertiefung der bilateralen Zusammenarbeit im Bahn- und Güterverkehr.

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine habe die transeuropäischen Liefer- und Transportketten nachhaltig verändert, stellte Hanke danach fest. Der sogenannte Mittlere Korridor – die Trans-Caspian International Transport Route – sei dadurch „von einer ergänzenden Handelsroute zu einer strategisch wichtigen Verkehrsachse zwischen Europa und Asien“ geworden. „Das Transportvolumen des Mittleren Korridors hat sich seit Kriegsbeginn verachtfacht. Als eine Alternative zur Nordroute über Russland gewinnt der Korridor für die wirtschaftliche Resilienz Europas, die Diversifizierung von Lieferketten und die Versorgungssicherheit zunehmend an Bedeutung“, so Hanke. Gleichzeitig eröffne er „neue Verbindungen zu den dynamisch wachsenden Märkten Zentralasiens“.

 

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„Gerade in geopolitisch herausfordernden Zeiten brauchen wir verlässliche und widerstandsfähige Verkehrsverbindungen. Der Mittlere Korridor stärkt die Versorgungssicherheit Europas, eröffnet neue wirtschaftliche Perspektiven und verbindet Regionen, die künftig noch enger zusammenarbeiten werden“, betonte Verkehrsminister Peter Hanke nach dem Gespräch in Ankara. Österreich bringe sich als leistungsfähige Verkehrsdrehscheibe in der Mitte Europas aktiv in diese Entwicklung ein. „Gemeinsam mit der Türkei wollen wir den Ausbau moderner und effizienter Verkehrsachsen vorantreiben.“

Türkei ist über Mittleren Korridor zentrale Verbindung nach Asien

Die Türkei komme beim „Mittleren Korridor“ eine Schlüsselrolle zu, wurde weiters betont. „Als Schnittstelle zwischen Europa und Asien verfügt sie über leistungsfähige Bahn-, Straßen- und Hafeninfrastrukturen und bildet den wichtigsten Zugangspunkt des Korridors zum europäischen Verkehrsnetz. „Österreich und die Türkei verbinde zudem seit vielen Jahren eine enge Zusammenarbeit im Schienengüterverkehr, insbesondere zwischen der ÖBB Rail Cargo Group und der türkischen Staatsbahn TCDD. „Diese Kooperation bildet eine wesentliche Grundlage dafür, Warenströme aus Asien effizient nach Europa weiterzuleiten.“

Das ist der „mittlere Korridor“:

• 6.180 Kilometer multimodale Verkehrsachse zwischen China und Europa.

• 7 Staaten bzw. Akteure verbinden den Korridor: China, Kasachstan, Aserbaidschan, Georgien, Türkei und Europa.

• 4,1 Millionen Tonnen Güter wurden 2024 über den Korridor via Aktau und Kuryk transportiert (+63% im Vergleich zu 2023) & eine Verachtfachung seit dem Kriegsbeginn (2021: 500.000 Tonnen Güter)

• 11 Millionen Tonnen jährliches Transportvolumen werden bis 2030 prognostiziert.

• Rund 3 Wochen beträgt die Transportzeit zwischen China und Europa, traditionelle Routen haben eine Reisezeit von 5-6 Wochen.

• Derzeit erst stehen 10 % der Kapazität des Nordkorridors zur Verfügung.

• 32 Ganzzüge transportierte die ÖBB Rail Cargo Group 2025 über den Middle Corridor (2024: 1).

• +20 % Wachstum erwartet die ÖBB Rail Cargo Group für ihre Transporte über den Korridor im Jahr 2026.

• 10 Milliarden Euro will die Europäische Union über die Global-Gateway-Initiative in Verkehrsprojekte in Zentralasien investieren.

„Im Austausch mit Minister Uraloğlu wurde deutlich, dass das Potenzial des Mittleren Korridors eng mit dem weiteren Ausbau der Infrastruktur entlang der gesamten Strecke verbunden ist“, wurde seitens des Ministeriums betont. „Derzeit bestehen insbesondere bei den Bahnverbindungen, den Häfen am Kaspischen Meer sowie bei Zoll- und Grenzprozessen noch erhebliche Kapazitäts- und Effizienzengpässe.“ Die Türkei habe daher die Bedeutung koordinierter Investitionen unterstrichen. Hanke hob seinerseits „die Bedeutung der Digitalisierung logistischer Abläufe und einer engen internationalen Zusammenarbeit entlang der gesamten Route“ hervor.

Auch die operative Entwicklung bestätigte demnach die wachsende Bedeutung des Korridors. Während die ÖBB Rail Cargo Group im Jahr 2024 lediglich einen Ganzzug über den Mittleren Korridor abgewickelt habe, sei das Transportvolumen 2025 bereits auf „32 Ganzzüge“ gestiegen, bestätigte Hanke auch im Gespräch mit österreichischen Medien. Für 2026 werde ein weiterer Zuwachs von rund 20 Prozent erwartet. Gleichzeitig bestehe weiterhin erhebliches Ausbaupotenzial: „Der Mittlere Korridor verfügt derzeit über lediglich rund zehn Prozent der Kapazität des traditionellen Nordkorridors und ist noch mit infrastrukturellen Herausforderungen konfrontiert.“

„Moderne Verkehrsinfrastruktur geht über wirtschaftliches hinaus“

Hanke und Amtskollege Uraloğlu waren sich einig, dass moderne Verkehrsinfrastruktur weit über wirtschaftliche Aspekte hinausgeht. Auch im Luftverkehr soll die bilaterale Zusammenarbeit weiter vertieft werden. Seit vergangenem Jahr wurde laut Verkehrsministerium ein neues Luftverkehrsabkommen ausverhandelt, das knapp vor dem Abschluss steht: „Es schafft eine moderne, EU-rechtskonforme Rechtsgrundlage für den Flugverkehr zwischen beiden Ländern und soll damit langfristig Rechtssicherheit für Airlines sowie zusätzliche Möglichkeiten für Tourismus und Wirtschaft schaffen.“

Den Handlungsbedarf würden auch die derzeit sehr unterschiedlichen Marktanteile deutlich machen, hieß es. „Im Sommerflugplan 2026 werden mehr als 200 wöchentliche Flüge zwischen Österreich und der Türkei von türkischen Airlines angeboten, während Austrian Airlines nur sechs wöchentliche Verbindungen durchführt.“

„Unsere Beziehungen zur Türkei sind eng und vielfältig – und das gilt auch für den Luftverkehr. Mit dem neuen Luftverkehrsabkommen schaffen wir die notwendige Rechtssicherheit und öffnen den Weg für mehr Möglichkeiten für Unternehmen, Tourismus und Reisende. Jetzt geht es darum, auch die offenen Fragen bei den Kapazitäten rasch zu klären, damit beide Seiten von einem modernen und ausgewogenen Luftverkehrsrahmen profitieren können“, betonte Hanke.

Das neue Abkommen solle daher nicht nur EU-Rechtskonformität herstellen, sondern auch die Voraussetzungen für einen fairen und wettbewerbsfähigen Luftverkehrsmarkt schaffen. Ein wichtiger nächster Schritt ist aus österreichischer Sicht die zeitnahe Unterzeichnung des begleitenden „Memorandum of Understanding“, insbesondere die Festlegung angemessener Kapazitäten für beide Seiten.