Kategorie Innovation & Technologie - 24. Februar 2026

Österreichische Technologie stärkt Hochwasserschutz in Rheinland-Pfalz

Mit dem neuen Tool sind nun auch im Westen Deutschlands adressgenaue 3D-Simulation zu Hochwasser- oder Starkregenereignisse möglich

Von Wien nach Mainz: Mit dem neuen digitalen Hochwasser-Vorsorgesystem „HydroZwilling RLP“ setzt Rheinland-Pfalz neue Maßstäbe im Bevölkerungsschutz. Die technologische Grundlage für das landesweit verfügbare System stammt aus Österreich – entwickelt vom Wiener Forschungszentrum VRVis auf Basis der Simulationssoftware scenarify.

Seit heute können Bürgerinnen und Bürger in ganz Rheinland-Pfalz online simulieren, wie sich Hochwasser oder Starkregen konkret auf ihre Adresse auswirken könnten. Das System ermöglicht erstmals eine flächendeckende, dreidimensionale Darstellung potenzieller Überflutungen. Ziel ist es, Risiken greifbarer zu machen und die individuelle Gefährdung besser einschätzen zu können.

Ein Hangwasser-Szenario im Kreis Ahrweiler (Rheinland-Pfalz, Deutschland). Was passiert, wenn im Starkregenfall Hangwasser ein Gebiet flutet – mit Visdom von VRVis werden Risikozahlen und Gefährdungen dank niederschwelliger 3D-Visualisierung leicht verständlich.

Damit richtet sich der HydroZwilling RLP nicht nur an Fachbehörden, sondern ausdrücklich auch an die Bevölkerung. Die anschauliche Visualisierung soll das Gefahrenbewusstsein stärken und Impulse für die Eigenvorsorge setzen.

Digitaler Zwilling wächst mit kommunalem Wissen

Die zugrunde liegende Software scenarify wird von VRVis seit mehr als 15 Jahren zur Analyse von Hochwasser- und Starkregenszenarien entwickelt. Sie kommt insbesondere in Projekten zur Klimawandelanpassung zum Einsatz. Angesichts des fortschreitenden menschengemachten Kimawandels ist mit der Verstärkung solcher Extremwetterereignisse über Ländergrenzen hinaus der Fokus besonders auf die Vorsorge gerückt und wie künftig vor solchen Ereignissen adäquat gewarnt werden kann.

2021 erlebte Rheinland-Pfalz ein Jahrhundert-Hochwasser. Allein am Fluss Ahr starben mindestens 135 Menschen in den Fluten. Nun wird das deutsche Bundesland bei der Hochwasser-Resilienz von österreichischer Technologie unterstützt und setzt bei intelligenter Starkregen- und Hochwasservorsorge auf die Zusammenarbeit mit dem vom BMIMI geförderten Wiener COMET-Zentrum VRVis. Mit der Hochwassersimulationssoftware scenarify® entwickelt VRVis seit über 15 Jahren eine Technologie, die hydrodynamische Modellierung, Analyse und 3D-Visualisierung in einem Werkzeug vereint. scenarify kommt in nationalen und internationalen Projekten der Hochwasservorsorge und Klimawandelanpassung zum Einsatz, unter anderem als technologische Grundlage für HORA3D auf hora.gv.at, die eine solche Simulation für alle Bürger:innen entlang von 33.000 Flusskilometern auch in Österreich erlaubt.

Mit dem HydroZwilling RLP gehen das Land Rheinland-Pfalz und VRVis nun einen Schritt weiter: Neben hydrologischen Basisdaten fließen kontinuierlich auch lokale Informationen aus den Kommunen ein. Berücksichtigt werden etwa neue Gebäude, veränderte bauliche Strukturen oder angepasste Durchlassmaße.

So entsteht ein dynamischer, stetig wachsender digitaler Zwilling, der mit jeder Aktualisierung präziser wird. Das System unterstützt sowohl die kommunale Planung als auch den präventiven Katastrophenschutz und bietet gleichzeitig eine fundierte Grundlage für die Eigenvorsorge der Bevölkerung. Die Simulation gilt weiterhin als weltweit schnellste ihrer Art.

Komplexe Daten verständlich gemacht

„Ziel bei der Entwicklung von scenarify war es von Anfang an, komplexe hydrodynamische Daten für Menschen nutzbar zu machen“, erklärt Gerd Hesina, Geschäftsführer von VRVis. Der HydroZwilling RLP zeige eindrucksvoll, wie die kommunale Nutzung und Weiterentwicklung solcher Technologien die Hochwasservorsorge auf ein neues Niveau heben könne.

Auch die rheinland-pfälzische Umwelt- und Klimaschutzministerin Katrin Eder betont den Mehrwert der Visualisierung: Die 3D-Darstellung ermögliche eine bessere Sensibilisierung für Gefahren. Durch die leicht verständliche Simulation werde die eigene Betroffenheit deutlicher – und damit auch die Bereitschaft zur Eigenvorsorge gestärkt.

Rheinland-Pfalz verfolgt im Hochwasserschutz einen „Dreiklang“ aus frei zugänglicher Information, gestärkter Eigenvorsorge und enger Zusammenarbeit mit den Kommunen. Mit dem HydroZwilling RLP sieht sich das Land nun technologisch an der Spitze: Nach Angaben des Umweltministeriums handelt es sich um das modernste System zur Hochwasservorsorge in Deutschland.

Die Verbindung aus österreichischer Simulationstechnologie und rheinland-pfälzischer Vorsorgestrategie zeigt, wie digitale Werkzeuge künftig eine zentrale Rolle im Umgang mit Klimarisiken spielen können – praxisnah, verständlich und für alle zugänglich.

VRVis ist Österreichs führende Forschungseinrichtung auf dem Gebiet des Visual Computing mit Standorten in Wien und Graz. Als COMET-Kompetenzzentrum agiert das VRVis mit rund 80 Forschenden an der Schnittstelle von Wissenschaft und Industrie und stärkt dabei durch technologische Innovation und menschzentrierte Lösungen aus den Bereichen Künstliche Intelligenz, Visual Data Analytics, Extended Reality (XR) und Simulation Unternehmen verschiedener Branchen.www.vrvis.at