Kategorie Innovation & Technologie - 11. November 2025

COP30 – Kann die Erdbeobachtung die Pariser Klimaziele am Leben halten?

Zehn Jahre nach der Unterzeichnung des bahnbrechenden Pariser Abkommens auf der COP21 steht die Welt an einem entscheidenden Scheideweg – man muss sagen: schon wieder. Die globalen Klima- und Atmosphärendaten sprechen eine deutliche Sprache. So erreichten die Konzentrationen von Kohlendioxid und Methan in der Athmosphäre vergangenes Jahr neue Rekordwerte, zugleich war es das wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen und lag mehr als 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau. Auch 2025 steht kurz davor, sich in die Top drei der wärmsten Jahre einzureihen.

Die 30. Weltklimakonferenz findet vom 10. bis 21. November 2025 in Belém, Brasilien, statt. © Raimundo Pacco/COP30

Weltweit kam es zu einer Vielzahl von veheerenden Extremwetterereignissen: darunter Hitzewellen, Überschwemmungen, Dürren und Waldbrände. Anlässlich der aktuellen Klimakonferenz COP30 in Belém (Brasilien) haben der Copernicus-Klimawandeldienst (C3S) und der Copernicus-Atmosphärenüberwachungsdienst (CAMS) Daten zusammengestellt, die Klima- und Atmosphärenveränderungen eines ganzen Jahrzehnts aufzeigen und zum Jubiläum des historischen Klimaabkommens sowohl als kollektives Gedächtnis unseres Planeten als auch als Indikator dafür eignen, wohin sich unser Klima entwickeln könnte.

Copernicus und seine Sentinel-„Wächter“-Flotte sind nicht erst seit 2015 treuer Begleiter der Klimawissenschaft. Die Erdbeobachtung der ESA war seit Anbeginn der Programme wichtige Entscheidungsgrundlage, um das „Paris Agreement“ und alle folgenden Beschlüsse der großen Klimakonferenzen unter Dach und Fach zu bringen.

Die immer präziseren Daten erlauben es Regierungen, ganzen Wirtschaftszweigen und bis hinunter auf lokale Gemeindeebene, gezielte, wissenschaftlich fundierte Entscheidungen zu treffen – von der Vorhersage der Auswirkungen von Hitzeextremen und Dürren zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit bis hin zur Bewertung der Sonnen- und Windintensität zur Planung des Einsatzes erneuerbarer Energien. Diese frei zugänglichen, wissenschaftlich fundiert aufbereiteten Daten stellen auch heute sicher, dass die in Belém diese Woche zu treffenden – hoffentlich richtungsweisenden – Entscheidungen mit dem fragilen System unseres Planeten nachvollziehbar kongruieren.

Das europäische Erdbeobachtungsprogramm Copernicus schafft auf Basis von Satelliten-, In-situ- und Modellierungsdaten wichtige Grundlagen für das Umwelt- und Naturschutzmonitoring, die Atmosphären- und Klimaüberwachung und auch das Krisenmanagement bei Naturkatastrophen. Das Programm wird unter der Leitung der europäischen Kommission in enger Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten umgesetzt. Österreich ist auch hier von Anfang an eng beteiligt gewesen. Die Teilnahme Österreichs am Copernicus-Programm ist auf Initiative des Infrastrukturministeriums zurückzuführen. Mit zahlreichen Partnerinstitutionen wurden hilfreiche Infrastrukturen zum Empfang und zur Nutzung der riesigen Datenmengen geschaffen, die auch im europäischen Kontext beachtlich sind.

Mit der neuesten Technologie satellitenbasierter Erdbeobachtung lassen sich die Klima- und Umweltveränderungen heute präzise messen und verfolgen. Das ermöglicht es der Wissenschaft, die Folgen besser einschätzen zu können und damit der Politik Empfehlungen zu liefern, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Das ist vor allem bedeutend für große politische Vorhaben wie etwa das Programm „European Green Deal“ der Europäischen Union, die es sich zum Ziel gesetzt hat, bis zum Jahr 2050 keinerlei Treibhausgase mehr zu produzieren. Europa will bis zu diesem Zeiptunkt klimaneutral werden – Österreich hat sich mit 2040 sogar ein noch ambitioniertes Ziel gesetzt.

„Ein Jahrzehnt nach dem Pariser Abkommen ist die Welt heißer denn je – jedes Jahr seitdem zählt zu den zehn wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Es ist nun offensichtlich, dass sich das Klima in einem Tempo verändert, wie es die Menschheit noch nie erlebt hat“, so Carlo Buontempo, Direktor des Copernicus-Klimawandeldienstes. Für ihn sind die Erdbeobachtungsprogramme der ESA aber eine „Superkraft in unseren Bemühungen, den Klimawandel zu bekämpfen“ und die reichhaltige Versorgung mit aktuellen wissenschaftlichen Daten, Informationen und Wissen sicherzustellen. „Es sind diese Erkenntnisse, die die Delegierten der COP30 leiten müssen. Die Entscheidungen, die wir heute treffen, werden die Zukunft unseres Planeten für immer prägen. Wir müssen sicherstellen, dass diese Entscheidungen auf Fakten beruhen.“

Von Luftschadstoffen bis hin zu Treibhausgaskonzentrationen ist unsere Atmosphäre vielleicht der direkteste und unmittelbarste Indikator für jede unserer Handlungen. In den letzten zehn Jahren sind die CO2-Konzentrationen um über fünf Prozent gestiegen und haben den höchsten jemals gemessenen Jahreswert erreicht. „Abgesehen von den Emissionen aus fossilen Brennstoffen, die 2024 fast 75 Prozent der gesamten Kohlenstoffemissionen ausmachten, wurden durch Waldbrände im Jahr 2025 bereits mehr als 1.300 Megatonnen Kohlenstoff freigesetzt, sowie riesige Mengen an Feinstaub, der die Luftqualität verschlechtert und schädliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit hat“, so Laurence Rouil, Direktor des Copernicus-Atmosphärenüberwachungsdienstes.

Angesichts dieser Zahlen ist die Zehn-Jahres-Marke von Paris nicht nur ein Meilenstein, sondern auch ein Spiegel, der zeigt, inwieweit die Fortschritte des letzten Jahrzehnts den Ambitionen des Abkommens von 2015 entsprechen. Das letzte Jahrzehnt war von bedeutenden Veränderungen geprägt und das nächste Jahrzehnt wird umso entscheidender sein. Aber Wissen ist Macht, und die Delegierten der COP30 verfügen auch dank der Fülle an Satellitendaten über mehr Wissen und Verständnis für unsere Atmosphäre als je zuvor. Vice versa ist aber auch die Stärkung globaler Beobachtungssysteme weiterhin unerlässlich, um Klimaresilienz aufzubauen und die Daten für Vorhersagen und Klimaanalysen noch weiter zu verbessern.

Auch der österreichische Weltraumsektor wird in dieser Rolle als Motor für Innovation gefragt sein. Auch wenn es darum geht, grüne Technologien sowie die Digitalisierung für den Standort voranzutreiben. Angesichts der schwierigen budgetären Lage in Österreich derzeit kein leichtes Unterfangen. Dennoch plant das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI), Österreichs Beitrag bei der ESA Ministerratskonferenz im November durch eine neue Schwerpunktsetzung von 260 Millionen Euro auf bis zu 320 Millionen Euro zu erhöhen. Ein Beitrag, um die multinationale Zusammenarbeit der Erdbeobachtungs-Missionen der ESA als weltweit führende weiter hochzuhalten – und schlussendlich auch, um datengestützte Erkenntnisse zu erlangen, die die Pariser Klimaziele am Leben halten und damit unsere Lebensgrundlagen und unsere gemeinsame Umwelt schützen.

Die sechs Copernicus Dienste stellen zu den Themenbereichen Landmonitoring, Meeresumwelt, ⁠Atmosphäre⁠, ⁠Klima⁠, Katastrophen- und Krisenmanagement und Sicherheit nutzerfreundliche Datenprodukte bereit. Diese werden aus den satellitengestützten Beobachtungen (Copernicus und beitragende Missionen), in Kombination mit In-situ-Daten und teilweise mittels Modellierungsansätzen abgeleitet. Erst das Zusammenspiel dieser Informationen ermöglicht eine umfassende Datenerhebung für die Bereiche Land- und Ozeanbeobachtung, Klima- und Atmosphäre. Alle Datenprodukte werden offen und frei zur Verfügung gestellt.

11 November marks 10 years since @ecmwf.int and the European Commission signed the agreement for #ECMWF to deliver the Copernicus Atmosphere Monitoring Service (CAMS) and the Copernicus Climate Change Service (C3S). Discover a decade of milestones:

🔗 climate.copernicus.eu/new-paper-re…

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— Copernicus ECMWF (@copernicusecmwf.bsky.social) 11. November 2025 um 16:10