Kategorie Mobilität - 24. September 2025

Erster Österreichischer Fußverkehrsgipfel macht mobil fürs Gehen

Städte und Gemeinden als Vorbilder der Mobilitätswende – Elf klimaaktiv mobil Partnerschaften beim 1. Österreichischen Fußverkehrsgipfel in Graz ausgezeichnet – Fußverkehr als Schlüssel für gesunde, sichere und lebenswerte Kommunen

Der erste Österreichische Fußverkehrsgipfel ist am Dienstag im Congress Graz eröffnet worden. Die Fachkonferenz soll eine Plattform für Austausch zum Thema Gehen sein und zukünftig jährlich stattfinden. Im Mittelpunkt stehen Vorträge, Exkursionen und konkrete Maßnahmen zur Stärkung des Fußverkehrs. Die zweitägige Veranstaltung wird vom Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI), dem Land Steiermark und der Stadt Graz organisiert.

Zu Fussgehende auf einem Zebrastreifen in Wien

Viel Applaus gab es bei der feierlichen Auszeichnungsveranstaltung, bei der zehn Städte und Gemeinden aus ganz Österreich sowie das Amt der Steiermärkischen Landesregierung für ihr Engagement für gesunde und klimaschonende Mobilität geehrt wurden. Durch ihre Maßnahmen im Fußverkehr leisten sie einen wesentlichen Beitrag, um Gehen als wertvollen Teil einer nachhaltigen Mobilität zu stärken und lebenswerte, zukunftsfähige Räume für alle Generationen zu schaffen.

Die Auszeichnungen wurden von Cornelia Breuß, Sektionsleiterin im Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI), stellvertretend für Mobilitätsminister Peter Hanke überreicht. Minister Hanke gratulierte per Videobotschaft und betonte die Bedeutung des Fußverkehrs für die Mobilitätswende: „Zu-Fuß-Gehen ist die älteste, einfachste und zugleich nachhaltigste Form der Mobilität. Es stärkt die Gesundheit, fördert soziale Teilhabe und macht unsere Städte und Gemeinden lebenswerter“, so der Minister, der auch darauf hinwies, dass nahezu alle Landeshauptstädte bereits einen Masterplan Gehen beschlossen hätten. „Unser Ziel bleibt es, bis 2030 den Anteil des Fußverkehrs in Richtung 20 Prozent zu erhöhen und damit die Mobilitätswende entscheidend voranzutreiben.“

Zum Gehen einladen

„Wie gestalten wir den öffentlichen Raum so, dass er zum Gehen einlädt, barrierefrei ist und die Lebensqualität aufwertet?“, fragte Cornelia Breuß, Leiterin der Sektion Mobilität des BMIMI bei der Auszeichnung und hatte viel Lob für Graz mit im Gepäck, denn die Stadt sei aus ihrer Sicht eine „Vorreiterin in Sachen sanfte Mobilität“.

Gehen ist die gesündeste & sozialste Mobilität – und ein relevanter Wirtschaftsfaktor. Allein in Österreich schafft das Gehen mehr als 6.200 direkte, indirekte und induzierte Arbeitsplätze und rund 560 Mio Euro Wertschätzung. Eine fußgängerfreundliche Verkehrsplanung tut der Gesellschaft gut! 1/2

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— VCÖ – Mobilität mit Zukunft (@vcoe.bsky.social) 24. September 2025 um 07:40

Diesen Eindruckt teilte auch Elke Zimmer, Staatssekretärin für Verkehr Baden-Württemberg, die in der ersten Keynote am Dienstag erwähnte, dass sich das deutsche Bundesland in Sachen Schulstraßen an Graz orientiert habe. Baden-Württemberg nimmt im deutschsprachigen Raum hinsichtlich Fußverkehr eine Pionierrolle ein. „Wir haben uns schon vor vielen Jahren auf den Weg gemacht“, sagte Zimmer. Bereits 2014 habe man den Fokus der Politik auf das Gehen gerückt. Trotzdem sei man noch weit von einem „wirklich fußgängerfreundlichen Baden-Württemberg in der Fläche“ entfernt.

Bei der Preisverleihung wurden Projekte ausgezeichnet, die von punktuellen Gehsteigerrichtungen bis hin zu umfassenden Neugestaltungen zentraler Plätze reichen. Die prämierten Städte und Gemeinden haben jeweils einen lokalen Masterplan für das Gehen entwickelt und beschlossen sowie die Möglichkeiten von Förderungen genutzt. Dabei zeigte sich auch, dass der Ausbau des Fußverkehrs weit über einzelne Maßnahmen hinausgeht und eine zentrale Frage der Raumaufteilung und Mobilitätsplanung betrifft.

Warum sich Investitionen in das Gehen vielfach lohnen, ist hier zusammengefasst: vcoe.at/publikatione…

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— VCÖ – Mobilität mit Zukunft (@vcoe.bsky.social) 24. September 2025 um 07:41

Die gerechte Aufteilung des öffentlichen Raums auf verschiedene Verkehrsmittel stellt Gemeinden und Städte jeder Größe vor Herausforderungen. Gerade deshalb wird das Zu-Fuß-Gehen als sicherer, klimafreundlicher und generationenübergreifend relevanter Verkehrsträger zunehmend in die lokale Verkehrsplanung integriert. Attraktive Wege und einladende Aufenthaltsbereiche sind dabei nicht nur ein Beitrag zur Lebensqualität, sondern auch eine Investition in die Mobilitätswende und damit in die Zukunft. Darüber hinaus zeigt sich: Wo sichere und angenehme Infrastruktur für den Fußverkehr geschaffen wird, steigt die Nutzung deutlich – und mit ihr die Belebung der Ortszentren sowie der lokalen Wirtschaftskraft.

Wien ist, was den Fußverkehr angeht, Spitzenreiter: 35 Prozent der Strecken wurden im Jahr 2021 ohne Verkehrsmittel gemeistert. Das hatte eine Erhebung des Städtebundes aus dem Jahr 2023, die Zahlen aus den Jahren 2012 bis 2021 berücksichtigte, ergeben. Nur rund ein Viertel der Wege in den österreichischen Landeshauptstädten werden zu Fuß zurückgelegt, 44 Prozent mit dem Auto.

Gesundheitlich positive Effekte

Laut einer Veröffentlichung des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ) aus dem Jahr 2024 sind 39 Prozent der Menschen, die Alltagswege zu Fuß erledigen, über 85 Jahre alt. Auf Platz zwei liegen Kinder im Alter zwischen sechs und 14 Jahren. Die WHO empfiehlt Kindern 30 Minuten Bewegung pro Tag und Erwachsenen 150 Minuten pro Woche, dazu zählt auch das Gehen. Es senkt das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie das allgemeine Sterberisiko und steigert die Konzentration und Schlafqualität. Laut der Website der Initiative „Österreich zu Fuß“ wirken sich schon 4.000 Schritte vorteilhaft auf das Wohlbefinden aus und 7.000 Schritte halten langfristig fit.

Der häufigste Grund, warum Menschen nicht zu Fuß gehen, ist laut einer Umfrage des VCÖ von Anfang 2025, der Transport unhandlicher Gegenstände (82 Prozent). Rund drei Viertel der 5.000 Befragten gaben „keine oder einen unzureichenden Gehweg“ an. Typische Strecken, die zu Fuß zurückgelegt werden, sind Wege zu Haltestellen des öffentlichen Verkehrs (37 Prozent täglich, 20 Prozent mehrmals wöchentlich) und das Einkaufen (29 Prozent täglich, 31 Prozent wöchentlich).

Am Gipfel besonders gewürdigt wurde das Land Steiermark. Die Fußverkehrsstrategie Steiermark 2030+, entwickelt in Zusammenarbeit mit der TU Graz und beschlossen im Herbst 2023, setze neue Maßstäbe in der Förderung des Gehens. Mit einer Pilotphase in zehn Gemeinden startete ein österreichweit einzigartiges Modell, bei dem Land und Kommunen nicht nur fachlich, sondern auch finanziell gemeinsam Verantwortung übernehmen. Die daraus gewonnenen Erfahrungen flossen in die 2024 beschlossene Förderrichtlinie ein. Bereits 21 steirische Gemeinden verfügen heute über ein „Örtliches Fußverkehrskonzept“, zehn davon sind bereits in Umsetzung. Für das Jahr 2025 stellt das Land Steiermark dafür rund eine Million Euro bereit.

»Willst Du mit mir gehen?« – BMIMI startet Initiative fürs Zu-Fuß-Gehen