Kategorie Innovation & Technologie - 11. Mai 2026

Kreislaufwirtschaft als Standortvorteil: Wie Österreich Ressourcen neu denken will

Bauen, Mobilität, Recycling bis in den Weltraum: beim CESA26 zeigte sich, wie Österreich Innovationsprojekte in der Kreislaufwirtschaft angeht

Der Circular Economy Summit Austria 2026 (CESA26) in Graz hat die Rolle der Kreislaufwirtschaft als Zukunftsmodell für Regionen, Industrie und Infrastruktur in den Mittelpunkt gerückt. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Forschung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft diskutierten in der Wirtschaftskammer Steiermark darüber, wie Österreich seine Vorreiterrolle beim ressourcenschonenden Wirtschaften weiter ausbauen kann. Im Zentrum stand dabei das neue „Team Kreislaufwirtschaft“, mit dem Projekte in Gemeinden und Regionen künftig stärker unterstützt und vernetzt werden sollen, um Ressourcen wiederzuverwerten statt zu produzieren, zu nutzen und wegzuwerfen.

 

Bundesminister Peter Hanke bezeichnete die Ressourcenwende als wirtschaftliche und ökologische Notwendigkeit. Wiederverwendung und intelligente Nutzung von Rohstoffen würden nicht nur Umweltbelastungen reduzieren, sondern auch Innovation fördern. „Die gezielte Wiederverwendung von Stoffen senkt Kosten und reduziert die Abhängigkeit von Lieferanten. Gleichzeitig werden Innovation gefördert und nachhaltige Arbeitsplätze geschaffen“, so Hanke. Ziel sei es, bestehende erfolgreiche Projekte in größerem Maßstab umzusetzen und den Austausch zwischen Gemeinden und Regionen zu stärken.

Für internationale Perspektive sorgte ESA-Astronautin und Medizinerin Carmen Possnig. In ihrer Keynote zog sie Parallelen zwischen Raumfahrt, Medizin und Kreislaufwirtschaft. Als Ärztin, Raumfahrtforscherin, Teilnehmerin an Forschungsmissionen in der Antarktis und in der Vorbereitung auf künftige Weltraummissionen bringt sie Erfahrungen aus Lebens- und Arbeitswelten mit, in denen Unsicherheit, Enge und gegenseitige Abhängigkeit zum Alltag gehören. Gerade in solch extremen Lebensräumen wie der Internationalen Raumstation ISS müsse mit begrenzten Ressourcen gearbeitet werden.

„Das gelingt vor allem dort, wo systemisch gedacht, verantwortungsvoll gehandelt und Zusammenarbeit neu organisiert wird“, so Possnig und betont, dass Kreislaufwirtschaft in Raumfahrt und Medizin längst selbstverständlich ist: „Es geht darum, Ressourcen klug zu nutzen und Systeme so zu gestalten, dass sie auch unter Druck tragfähig bleiben.“ Wasser, Sauerstoff, Medikamente und Nahrung müssten vor allem auf langen Raumfahrtmissionen ausreichen. Also geht es darum, unter anderem Wasser effizient zu nutzen.

Das System, das auf der Internationalen Raumstation ISS läuft, verwerte bereits 90 Prozent des Wassers wieder. Possnig verwies dabei auch auf Technologien, die mittlerweile auch in trockenen Regionen Nordafrikas, etwa in kleinen Oasenstädtchen in Marokko und Algerien eingesetzt werden. Aber auch aktuelle Forschungsprojekte, bei denen mithilfe von Algen und Bakterien Sauerstoff und Nahrung erzeugt werden sollen, rückte Possnig in den Fokus. Solche Systeme könnten künftig nicht nur Weltraummissionen ermöglichen, sondern auch auf der Erde Lösungen für Ressourcenknappheit liefern.

 

Ein Schwerpunkt des Summits lag auf konkreten Praxisbeispielen aus Österreich. Die Gastgeber aus der Steiermark holten dazu die regionalen Ressourcenparks folgerichtig vor den Vorhang. Diese entwickeln klassische Altstoffsammelzentren zu modernen regionalen Drehscheiben der Kreislaufwirtschaft weiter. Neben der Sammlung und Trennung von Abfällen entstehen dort Reparaturmöglichkeiten, Wiederverwendungsangebote und Beratungsstellen für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen. Ziel ist es, Wertstoffe möglichst lange im Wirtschaftskreislauf zu halten und Abfälle als Rohstoffquelle zu nutzen.

Auch die Bauwirtschaft gilt als Schlüsselbereich für mehr Ressourceneffizienz. Das FTI-Leitprojekt KRAISBAU beschäftigt sich mit zirkulärem Bauen und einem intelligenteren Materialeinsatz. Dabei geht es unter anderem darum, Gebäude bereits so zu planen, dass Baustoffe später leichter wiederverwendet oder recycelt werden können. Materialien sollen dokumentiert, rückgebaut und erneut eingesetzt werden können, anstatt nach einem Abriss zu Abfall zu werden. Dadurch könnten sowohl der Ressourcenverbrauch als auch CO₂-Emissionen deutlich reduziert werden.

Im Mobilitätsbereich wurde das Projekt ÖBB 360° als Beispiel für neue regionale Lösungen präsentiert. Dabei werden Angebote rund um den Bahnverkehr mit Shared-Mobility-Konzepten kombiniert. Ziel ist es, den öffentlichen Verkehr besser mit regionalen Mobilitätsangeboten wie Carsharing, Fahrradleihsystemen oder flexiblen Shuttle-Diensten zu verknüpfen. Gerade in ländlichen Regionen soll dadurch nachhaltige Mobilität attraktiver und einfacher nutzbar werden.

Vertreterinnen und Vertreter des Circular Economy Forum Austria verwiesen darauf, dass österreichische Unternehmen bereits heute zahlreiche innovative Ansätze umsetzen. Beispiele aus Industrie und Technologie würden zeigen, dass Kreislaufwirtschaft längst nicht mehr nur Umweltpolitik sei, sondern zunehmend ein wirtschaftlicher Wettbewerbsfaktor werde – und als solcher etwa auch in der österreichischen Industriestrategie festgeschrieben ist.

Kreislaufwirtschaft: Wie eine nachhaltige Ressourcenwende gelingen kann