Kategorie Innovation & Technologie - 4. März 2026
Wie digitale Innovationen die Bahn noch klimafreundlicher gestalten
Die meisten Zugkilometer pro Kopf innerhalb der EU sowie eine Bahnindustrie auf europäischem Spitzenniveau: Österreich zählt zu den Vorreitern nachhaltiger Mobilität. Rückgrat dieses Erfolgs bilden auch die exzellenten Rahmenbedingungen im Bahnsektor, der mit einem Zusammenspiel aus langfristigen FTI-Strategien, einem starken Absatzmarkt und einer hohen Patentdichte Maßstäbe setzt.
Eine weitere große Rolle spielt auch die zunehmende Digitalisierung, die man getrost als einen der zentralen Hebel für die nachhaltige Neuausrichtung des Mobilitätssystems in Österreich bezeichnen knan. Mit dem Aktionsplan „Digitale Transformation in der Mobilität“ werden gezielt Maßnahmen umgesetzt, um Digitalisierung nicht als Selbstzweck, sondern als wirksames Instrument zur Bewältigung der klima- und verkehrspolitischen Herausforderungen zu nutzen. Ziel ist es, bestehende und neue Technologien effizient, nachhaltig und im Sinne der Nutzerinnen einzusetzen.

Der Aktionsplan baut auf dem 2021 vorgestellten Mobilitätsmasterplan 2030 auf und definiert die zentralen Schritte zur Digitalisierung des österreichischen Mobilitätssystems in den kommenden Jahren. Neben technologischen Innovationen stehen auch geeignete organisatorische Rahmenbedingungen im Vordergrund. Denn nur durch ein Zusammenspiel von Technik, Struktur und klaren Prozessen kann das volle Potenzial der Digitalisierung ausgeschöpft werden.
Rail4Climate: Digitalisierung als Motor der Verkehrswende
Ein zentrales Förderprogramm in diesem Kontext ist Rail4Climate des Klima- und Energiefonds, das aus Mitteln des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) dotiert. Es verfolgt das Ziel, die Kapazität und Produktivität des österreichischen Bahnsektors deutlich zu steigern. Dabei werden europäische und nationale Forschungsergebnisse in die praktische Anwendung überführt – insbesondere durch prototypische Erprobungen im Bereich Digitalisierung und Automatisierung der Bahn.
Obwohl die Eisenbahn bereits heute als Rückgrat einer klimafreundlichen Mobilität gilt und im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern einen geringen CO₂-Fußabdruck aufweist, besteht weiterhin großer Bedarf an Effizienz- und Kapazitätssteigerungen. Digitalisierung und Automatisierung spielen dabei eine Schlüsselrolle, um das „Gesamtsystem Bahn“ leistungsfähiger und resilienter zu gestalten.
Das übergeordnete Ziel des Förderprogramms ist damit klar formuliert: Die Reduktion von Treibhausgasemissionen durch ein effektiveres, effizienteres Mobilitätssystem und die Attraktivierung klimafreundlicher Öffi-Alternativen zum motorisierten Individualverkehr.
Neue Maschinen für smarte Gleisarbeiten
Wie diese Vision konkret umgesetzt wird, zeigt das Projekt „R4C“ im Rahmen von Rail4Climate. Rund 250 Millionen Menschen nutzen jährlich das Nahverkehrsnetz der ÖBB – sei es für den Weg zur Arbeit, zur Schule oder zu Familie und Freundinnen. Diese intensive Nutzung stellt hohe Anforderungen an Wartung und Instandhaltung der Schieneninfrastruktur.
Das Projekt „R4C“ wird vom Technologieführer Plasser & Theurer in Zusammenarbeit mit der ÖBB-Infrastruktur und weiteren Partnern umgesetzt. Ziel ist es, die Bahninstandhaltung umfassend zu digitalisieren und dadurch effizienter, sicherer und nachhaltiger zu gestalten.
Im Fokus stehen zwei Kernbereiche: die automatisierte Weicheninspektion und die Optimierung von Gleisstopfmaschinen.
Automatisierte Weicheninspektion
Bislang erfolgt die Kontrolle von Weichen überwiegend manuell – ein personalintensiver Prozess, der meist nur bei gesperrter Strecke möglich ist. Künftig sollen sämtliche Messdaten automatisiert erfasst und in einem digitalen Abbild jeder einzelnen Weiche zusammengeführt werden. Dieses digitale Monitoring ermöglicht eine vorausschauende Wartung, reduziert Streckensperren und erhöht die Betriebssicherheit.
Intelligente Gleisstopfmaschinen
Auch die Bedienung von Gleisstopfmaschinen, die den Schotter unter den Schwellen verdichten und so die Stabilität der Gleise sichern, war bisher mit hohem manuellem Aufwand verbunden. Durch intelligente Assistenzsysteme werden diese Prozesse nun automatisiert. Das sorgt für gleichmäßige Ergebnisse, schont das Material und dokumentiert sämtliche Arbeitsschritte automatisch.
Die Vorteile liegen auf der Hand: kürzere Sperrzeiten, erhöhte Sicherheit für Mitarbeitende, eine verlässliche Datenbasis für Planung und Wartung sowie eine insgesamt effizientere Nutzung der Infrastruktur.
Wissensmanagement per KI
Und natürlich darf auch die omnipräsente KI im Portfolio des Programms nicht fehlen. In einem weiteren Projekt wird derzeit ein KI-basiertes interaktives Wissensmanagement für den Eisenbahnsektor aufgebaut.
Im Rahmen des Projekts BrainTrainAI wird ein Tool für Unternehmen in stark regulierten Branchen entwickelt. Ein KI-basierter Chatbot soll Anwenderinnen im Eisenbahnsektor dabei unterstützen, komplexe Vorschriften und regulatorische Anforderungen besser zu verstehen und sicher umzusetzen. Ein regelkonformer Datenaustausch sowie die Validierung von Strukturen und Inhalten wird so zur Qualitätssicherung beitragen. BrainTrainAI ermöglicht einen schnellen und verlässlichen Zugriff auf kontinuierlich aktualisiertes Fachwissen, optimiert Compliance-Prozesse und steigert dadurch Effizienz, Sicherheit und Interoperabilität im Bahnsektor nachhaltig.
Digitalisierung als Schlüssel zur Dekarbonisierung
Die Beispiele aus dem Projekt „R4C“ zeigen eindrucksvoll, wie digitale Innovationen konkret zur Verkehrswende beitragen können. Durch höhere Effizienz, bessere Planbarkeit und gesteigerte Kapazitäten wird die Bahn als klimafreundliches Verkehrsmittel weiter gestärkt.
Die digitale Transformation der Mobilität ist damit ein wesentlicher Baustein auf dem Weg zu einem nachhaltigen, leistungsfähigen und zukunftssicheren Verkehrssystem – ganz im Sinne einer klimaneutralen Zukunft auf Schiene.
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