Kategorie Innovation & Technologie - 10. März 2026
Zurück zum Paradeis: viadonau setzt Revitalisierung wilder Flussinseln fort
Renaturierungsprojekt eines Natur-Juwels an der Donau östlich von Wien startet – Fokus auf Biodiversität, Hochwasserschutz und Schifffahrt
Es gilt als Vorzeigevorhaben und Blaupause für Renaturierungvorhaben an der gesamten Donau: Mit dem offiziellen Spatenstich hat Anfang März die Revitalisierung der Paradeisinsel östlich von Wien begonnen. Das Projekt ist Teil des internationalen Forschungs- und Innovationsvorhabens DANUBE4all und wird von viadonau gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Naturschutz umgesetzt. Ziel ist es, die ökologische Dynamik der Flussinsel zu stärken und gleichzeitig Hochwasserschutz und Schifffahrt zu berücksichtigen.
Flussinseln gelten als wichtige Rückzugsräume für eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt. Durch die zunehmende Verlandung zwischen Insel und Ufer sind jedoch viele der natürlichen Prozesse an der Paradeisinsel verloren gegangen. Mit dem aktuellen Projekt sollen diese Strukturen wiederhergestellt werden. Dazu werden unter anderem harte Uferverbauungen auf einer Länge von rund 2,7 Kilometern entfernt und Buhnenwurzeln abgesenkt. Dadurch kann sich das Ufer wieder natürlicher entwickeln.
Auch das sogenannte Hinterrinner – ein Seitengewässer hinter der Insel – wird aufgewertet. Dort sollen künftig geschützte Flachwasserbereiche entstehen, die insbesondere für Jungfische wichtige Lebensräume bieten. Gleichzeitig verbessert das Projekt die Vernetzung zwischen Fluss und Auenlandschaft und stärkt die Aufnahmefähigkeit der Umgebung bei Hochwasser.
An solchen „wilden Inseln“ kann sich eine artenreiche und flusstypische Pflanzen- und Tierwelt ungestört entfalten. Ihre isolierte Lage zwischen Flussufer und Hauptstrom verleiht Flussinseln einen ganz eigenen flusslandschaftlichen Charakter und macht sie zu wertvollen, von Menschenhand oft unberührten Natur-Refugien. Zwischen Donauufer und Insel ergeben sich wellenschlagsgeschütze Zonen und die Insel trägt auch dazu bei, eine ausreichende Fahrwassertiefe in der Schifffahrtsrinne zu erzielen. Ziel ist es, Flussinseln mit besonderem ökologischem Entwicklungspotenzial durch innovative Lösungen des integrativen Flussbaus zu schützen, aufzuwerten oder sogar neu zu schaffen – wie zuletzt in der oberösterreichischen Marktau (LIFE IP IRIS AUSTRIA) sowie auf der Schwalbeninsel (LIFE WILDisland) östlich von Wien.
An der Paradeisinsel nahe Orth an der Donau – ebenfalls in der freien Fließstrecke östlich von Wien – wird dieser Renaturierungsschwerpunkt nun fortgeführt. Im Projekt DANUBE4all wird Renaturierung nicht als ein „Zurück ins 19. Jahrhundert.“, sondern als zukunfsorientierter Ansatz verstanden, der auf mehr Resilienz und einen ausgewogenen Ausgleich zwischen Ökologie und Ökonomie abzielt. Die Flussinsel am linken Donauufer zwischen Stromkilometer 1903,50 und 1904,80 war einst infolge der Niederwasserregulierung zu Schifffahrtszwecken entstanden.
Gewinn für Ökologie & Hochwasserschutz
Infrastrukturminister Peter Hanke betonte beim Baustart die Verbindung zwischen ökologischen und sicherheitsrelevanten Zielen. „Naturschutz und Hochwasserschutz an der Donau sind für mich zwei Seiten derselben Medaille“, sagte Hanke. Die einzigartige Pflanzen- und Tierwelt brauche Raum, um sich zu entwickeln. Wenn Flussinseln wie die Paradeisinsel wieder stärker natürlichen Strukturen folgen, gewinne die Natur – und gleichzeitig werde die Donau hochwassersicherer.
- viadonau-Teamleiter Robert Tögel, viadonau Geschäftsführer Hans-Peter Hasenbichler, Bürgermeisterin von Orth/Donau Elisabeth Wagnes, Infrastrukturminister Peter Hanke, Nationalpark-Direktorin Edith Klauser, BOKU-Projektkoordinator Helmut Habersack, der Vorstand des NÖ Landesfischereiverbandes Karl Gravogl und Johannes Wimmer von den Österreichischen Bundesforsten, Foto: © viadonau/Johannes Zinner
- Spatenstich zu den Renaturierungsarbeiten bei der Paradeisinsel nahe Mannsdorf
Auch Nationalparkdirektorin Edith Klauser sieht in dem Projekt einen wichtigen Schritt für die ökologische Entwicklung der Donau-Auen. Die Renaturierung werde im Nationalpark in bewährter Zusammenarbeit mit mehreren Partnern umgesetzt, erklärte sie. Durch die Maßnahmen entstünden wieder natürliche Strukturen wie Kiesbänke, Flachwasserzonen und dynamische Ufer. „Diese werden rasch erneut von Tieren und Pflanzen besiedelt werden“, sagte Klauser. Der Nationalpark Donau-Auen gelte bereits heute international als Vorzeigemodell für erfolgreichen ökologischen Flussbau.
Für die wissenschaftliche Begleitung ist das Institut für Wasserbau, Hydraulik und Fließgewässerforschung (IWA) der Universität für Bodenkultur verantwortlich. Projektkoordinator Helmut Habersack betonte die Bedeutung integrativer Lösungen. Gerade in komplexen Flusssystemen wie der freien Fließstrecke östlich von Wien seien nachhaltige Maßnahmen notwendig, die sowohl ökologische als auch wirtschaftliche Verbesserungen bringen. Habersack erklärte, dass die Maßnahmen der Verbesserung der Biodiversität, der Vernetzung von Ökosystemen sowie der Reduktion von Hochwasser- und Dürrerisiken dienen sollen. Zugleich werde auch die Sedimentdynamik und die Schifffahrt berücksichtigt. Mit dem Maßnahmenpaket könne die Paradeisinsel zu einem Referenzprojekt für Renaturierungen entlang der Donau werden.
Flussinseln seien „kostbare Schatzkammern der Natur“, die gleichzeitig wichtige Funktionen für die Entwicklung der Donau als Verkehrsweg übernehmen könnten, unterstrich anlässlich des Spatenstichs viadonau-Geschäftsführer Hans-Peter Hasenbichler die Bedeutung solcher Projekte für eine moderne Wasserstraße. Ziel sei ein ganzheitlicher Ansatz, bei dem Lösungen für Natur, Schifffahrt und Hochwasserschutz miteinander verbunden werden. Neu vernetzte Seitengewässer, natürliche Uferstrukturen und eine wieder dynamische Inselentwicklung würden nicht nur ökologische Vorteile bringen, sondern auch zur Sicherheit und Funktionsfähigkeit der Wasserstraße beitragen.
Die Revitalisierung der Paradeisinsel wird durch mehrere europäische Programme unterstützt, darunter Horizon Europe, INTERREG Slowakei–Österreich und das European Open Rivers Programme. Insgesamt stehen für die Bauphase rund eine Million Euro zur Verfügung. Die Maßnahmen gelten als Pilotprojekt für naturbasierte Lösungen entlang der oberen und mittleren Donau und sollen künftig als Modell für weitere Renaturierungsvorhaben dienen.
Weiterführende Informationen:
DANUBE4all Projektwebsite: https://www.danube4allproject.eu/
European Open Rivers Programme: https://openrivers.eu/
Refugium für seltene Tiere: Donau-Nebenarm in der Marktau wird naturnah erweitert




