23. April 2026

Mobilitätskonferenz 2026: Vom Erwachsen eines multimodalen Mobilitätssystems

Die Mobilitätskonferenz 2026 in Wien hat einmal mehr gezeigt, wie zentral die Transformation des Verkehrssystems für Gesellschaft, Wirtschaft und Politik ist. Mit rund 650 Teilnehmenden aus Verwaltung, Forschung und Praxis bot die zweitägige Veranstaltung eine breit angelegte Plattform für Austausch und Vernetzung. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie ein sicheres, intelligentes und nachhaltiges Mobilitätssystem gestaltet werden kann – getragen von einem Zusammenspiel unterschiedlicher Verkehrsträger, Technologien und Akteure. Die Beiträge spannten dabei einen breiten Bogen: von Shared Mobility und Mikromobilität bis hin zu intermodalem Güterverkehr und Fragen der Kinder- und Jugendmobilität.

 

Side-Events vertieften zentrale Themen wie evidenzbasierte Verkehrspolitik, innovative Planungsansätze oder die Rolle des EU-Emissionshandels im Verkehrssektor. Sie trugen außerdem dazu bei, bestehende Netzwerke wie die etablierten Mobilitätslabore oder Women in AI  zu stärken und neue Kooperationen anzustoßen. Vorgestellt wurden auch die bundesweite Mobilitätserhebung Österreich Unterwegs sowie das neue Verkehrsmodell Österreich.

Formate wie der HyPA-Round Table zu Wasserstoff im Schwerverkehr oder das Stakeholder-Event zum Masterplan Güterverkehr 2030 unterstrichen einmal mehr die große Bedeutung und entsprechendes Interesse für nachhaltige Lösungen im Logistikbereich.

Einen politischen Rahmen erhielt die Konferenz durch die Grundsatzrede von Mobilitätsminister Peter Hanke, der bei der Eröffnung Mobilität als zentrale gesellschaftliche Frage positionierte. „Mobilität ist eine Frage der Gerechtigkeit – nicht der ideologischen Konflikte“, betonte der Minister und sprach sich gegen polarisierende Debatten aus. Stattdessen plädierte er für einen pragmatischen Zugang, der sich an den Lebensrealitäten der Menschen orientiert. Mobilität sei ein Grundbedürfnis und „das soziale Rückgrat unserer Gesellschaft“.

 

Hanke skizzierte dabei eine Verkehrspolitik, die auf ein verkehrsträgerübergreifendes Gesamtsystem abzielt. Seine Leitlinie: „Kommunizieren – Koordinieren – Kooperieren“. Ziel sei es, Mobilität nicht als Gegensatz zwischen einzelnen Verkehrsmitteln zu denken, sondern als integriertes System, wobei er auch den Individualverkehr nicht ausparte: Niemand müsse sich dafür rechtfertigen, auf das Auto angewiesen zu sein.

Ganzheitlicher Blick auf Verkehr & Infrastruktur

Gleichzeitig bekannte sich der Minister zur Klimaneutralität – mit einem betont lösungsorientierten Ansatz. Klimaschutz dürfe kein „Verzichtsprogramm“ sein, sondern müsse durch Innovation und attraktive Angebote getragen werden. Entsprechend setzt die Bundesregierung weiter auf Milliarden-Investitionen in Infrastruktur, öffentlichen Verkehr, E-Mobilität, Digitalisierung und Verkehrssicherheit. Diese seien, so Hanke, nicht nur ökologisch notwendig, sondern auch wirtschaftlich relevant.

Es blieb dabei nicht bei Ankündigungen. Konkrete Maßnahmen, die das BMIMI zur Mobilitätswende leisten, unterstrichen Hankes Anspruch, wie Verkehr in Österreich gedacht gehört: So soll eine zweimonatige Kennenlern-Aktion für das Klimaticket den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel nochmals erleichtern. Gleichzeitig wird die nach wie vor boomende E-Mobilität durch einen temporär gesenkten Ladetarif bei ÖBB-Ladesäulen auch in dieser Kombination weiter gefördert. Der Ausbau genau dieser Ladeinfrastruktur an Park-&-Ride-Anlagen ist wichtiger Teil des Maßnahmenpakets, das eine bessere Verknüpfung von Individual- und öffentlichem Verkehr ermöglicht.

Neben den politischen Leitlinien blieb ein zentrales Ergebnis der Konferenz die Erkenntnis, dass die Mobilitätswende nur als gemeinsamer Gestaltungsprozess funktionieren kann. Sie erfordert datenbasierte Entscheidungen, technologische Innovationen und eine integrierte Planung – vor allem aber den kontinuierlichen Dialog zwischen allen beteiligten Akteuren. Die jüngst präsentierte, nächste Ausbaustufe der österreichischen Strategie für automatisierte Mobilität ist dafür ebenso ein relevanter Baustein.

Die Mobilitätskonferenz 2026 setzte damit nicht nur fachliche Impulse, sondern machte deutlich, dass die Zukunft der Mobilität fürderhin eines ganzheitlichen Blicks auf Verkehr und Infrastruktur braucht, um konkrete, alltagstaugliche und klimafreundliche Lösungen zu erzielen. In den Worten des Bundesministers: „Wir verbinden Verkehrsträger, statt sie gegeneinander auszuspielen – und schaffen konkrete Verbesserungen im Alltag der Menschen.“